Samstag, 5. Januar 2013

Volker Kutscher - Haus Vaterland

Vor „Haus Vaterland“, der In-Lokalität Berlins, treffen Polizeifahrzeuge ein. Denn ein Mord hat sich ereignet, ein Lieferant wurde im Fahrstuhl tot aufgefunden – und was der Rechtsmediziner als Todesursache feststellt, ist doch ein wenig ungewöhnlich: Ertrinken. Kommissar Gereon Rath wird mit den Ermittlungen betraut und schon bald stellt sich heraus, dass der Tote nicht das erste Opfer sein kann. Während Rath sich eigentlich eine traute Zeit mit seiner Freundin und vielleicht-Verlobten Charlotte Ritter machen möchte, sieht er sich schon bald mit Ermittlungen konfrontiert, die ihn ausgerechnet in die Masuren führen…
Eines vorneweg: bei dem Buch handelt es sich um Band vier und es ergeht die eindringliche Bitte, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen statt meinem Beispiel zu folgen. Nicht nur, weil immer mal wieder auf vorangegangene Fälle Bezug genommen wird und so gelegentlich ein paar wenige Hinweise fehlen, sondern vor allem, weil diese Krimireihe nicht nur sehr spannende Verbrecherjagd mit doch recht überraschendem Ende ist, sondern ein langsam aufgebautes Sittengemälde der Endjahre der Weimarer Republik. So wird Rath in diesem Band etwa konfrontiert mit dem immer stärker werdenden Einfluss der SA in den Berliner Straßen, vor allem aber mit dem deutsch-polnischen Verhältnis, das in den Masuren seine wohl stärksten Umwälzungen erlebte. Während die Bevölkerung dort zwar polnischen Dialekt spricht, sind sie preußische Staatsbürger und jubeln bereits 1932 Hitler als Erlöser zu, benennen ihre Städte mit deutschen Namen, um ihre Reichszugehörigkeit zu demonstrieren, und dass die NSDAP das Schützenfest ausrichtet und die SA das Ortsbild prägt, fällt gar nicht weiter auf. In dieses Wespennest sticht Rath mit seinen Ermittlungen, und während in Berlin Reichskanzler Brüning wieder einmal Neuwahlen anordnet, gedenkt man andernorts dem deutschen Mordopfer eines Polen. Das klingt nach viel, wirkt aber im Roman selbst absolut nicht aufgesetzt oder zu viel, sondern spannend, interessant und bildend ;-) Was mir dann aber doch einen Ticken zuviel ist, sind die Eskursionen in den bereich Frauenarbeit und Stellung der Frau, einfach deshalb, weil mir hier die Botschaft über die Figuren gestellt zu sein worden scheint. Charly ist für mich einfach zu modern, zu sehr 21.Jahrhundert. Das soll nicht heißen, dass die Frauen 1932 alles unemanzipierte Wesen waren, aber bei ihr ist es einfach zu viel des Guten. Nichtsdestotrotz ein sehr spannedes Buch, das ich ejderezti weiterempfehlen würde.

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