Mittwoch, 30. Januar 2013

Camilla Läckberg - Die Totgesagten

Ich habe ja schon einiger Bücher von Camilla Läckberg gelesen und fand sie wirklich gut, deshalb habe ich mir auch am Mittwoch die Taschenbuchausgabe des dritten Bandes aus Fjällbacka, der beschaulichen Kleinstadt in Schweden, geholt. Auch hier spielt wieder das Kommissariat rund um Chef Mellberg und Kommissar Patrik Hedström nebst baldiger Gattin Erica die Hauptrolle, die in Tanum mit einem Serienmörder konfrontiert werden...

Um es kurz zu machen: ich war diesmal wirklich enttäuscht. Das liegt vor allem daran, dass die Autorin in 412 Seiten schonmal folgende Handlungsstränge unterbringen muss:
1) Ericas Schwester Anna und ihre Depressionen.
2) Die Hochzeitsvorbereitungen von Patrik und Erica.
3) Chef Mellberg auf Freiersfüßen.
4) Die neue Kommissarin Hanna und ihr Ehemann.
5) Das Team der Reality-Serie "Raus aus Tanum", die derzeit gedreht wird.
6) Ach ja, und die eigentliche Krimihandlung.

Genau das ist das Problem. Das Buch krankt daran, dass viel zu viel drin ist. Denn als ob diese sechs Handlungsstränge nicht schon reichen würden, um vom Krimi ein kleines bisschen abzulenken, erwähnt Läckberg einfach noch diverse andere Kleinigkeiten, die aber für den Fall selbst keinen wirklichen Mehrwert bringen. Z.B. die angedeutete homosexuelle Beziehung in der Reality-Show - bringt nichts, ist eigentlich zu undeutlich, um wirklich interessant zu sein, hat eher was von "So, jetzt bringen wir das auch noch". Oder die ganze Story rund um den Bürgermeister und seine Frau, bei der ich bis jetzt nach ihrem Sinn suche. Und irgendwo dazwischen kommt halt dann doch mal der Krimi in Gang. Zuerst wird die Leiche einer augenscheinlich bei einer Alkoholfahrt umgekommenen Ladenbesitzerin als Mordopfer identifiziert, danach kommt eine der Show-Teilnehmerinnen ums Leben, und urplötzlich sind wir beim Serienmörder. Wie wir genau da hingekommen sind? Weiß ich wirklich nicht - da wurde halt urplötzlich was gefunden... Ach ja, das hat beim Lesen auch irgendwann genervt: Camilla Läckberg ist eine alte Geheimniskrämerin. Sie zaubert irgendwelche neuen Erkenntnisse aus der Tasche, hält die aber - vermutlich um Spannung zu erzeugen - erstmal noch zurück. Das Ganze liest sich dann ungefährt so: "Martin leerte die Tasche aus. "Da ist noch was." Gemeinsam starrten er und Patrik auf ihren Fund. Das war in der Tat der entscheidende Fakt, der die beiden Fälle miteinander verband." Äh, ja. Und WAS GENAU habt ihr da jetzt gefunden, Jungs? Das erfährt der Leser erst gut 100 Seiten später. Es handelt sich übringes um herausgerissene Buchseiten, die der Täter bei seinen Opfern hinterlässt. Und sowas passiert ständig - es ist nervig. Ich würde als Leser gerne gemeinsam mit den Kommissaren ermitteln, statt im Dunkeln stehengelassen zu werden.

Obwohl, ermitteln musste ich gar nicht. Denn mir war auf Seite 50 klar, wer der Mörder sein wird - die Autorin verrät einfach zu viel durch ihre eignene Handlungsstränge, was blöd ist. Denn die Idee des Krimis ist wirklich gut. Und er hätte so verdammt spannend werden können, wie ihre anderen Bücher - aber stattdessen werden unnötige Details aufgebauscht, wichtiges unerwähnt gelassen bis es aus dem Hut gezogen werden kann, und eine neue Handlng nach der anderen auch noch mit riengenommen. Ach ja: ich habe mit Mellberg mehr mitgelitten als mit allen anderen, denn auch hier war der Plot sehr vorhersehbar und genau das hat mir für den alten Mann wirklich, wirklich, wirklich Leid getan.

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