Mittwoch, 30. Januar 2013

Tim Moore - Zwei Esel auf dem Jakobsweg

Tim Moore ist Reisejournalist. Dementsprechend geht er die Reise, die er in seinem Buch beschreibt auch an. Tim Moore geht auf Pilgerreise auf den Jakobsweg. Als überzeugter Agnostiker ist ihm der religiöse Anspruch dabei egal, wichtiger ist es, eine Möglichkeit zu finden, die Strecke durchzuhalten. Und so kommt er auf die Idee, die Pilgerfahrt so anzutreten, wie es viele hundert Jahre zuvor auch gemacht wurde: Tim besorgt sich einen Esel, der das Gepäck trägt, während er nebenher läuft. Bevor er sein Grauohr in Frankreich in Empfang nimmt, landet er erstmal in einem englischen Esel-Seminar und stellt fest, dass er alles ist, nur nicht der Bauernhof-Typ, und die Idee, 800 Kilometer mit einem Esel zurückzulegen, vielleicht doch nicht das Wahre ist, wenn man Angst vor Tieren hat, die größer als eine durchschnittliche Hauskatze sind. Aber er wagt es doch, fährt nach Frankreich und von da aus, einen misstrauischen Esel und einen Pilgerführer aus dem 12.Jahrhundert im Gepäck, nach Spanien.
Dass man nicht erwarten kann, in "Zwei Esel auf dem Jakobsweg" die Läuterung eines Agnostikers zum frommen Katholiken serviert zu bekommen, wird einem spätestens klar, wenn man zum ersten Mal liest, wie respektlos und augenzwinkernd Tim Moore die übliche Literatur zum Jakobsweg kommentiert, allen voran Shirley McLaines Bericht über ihre Pilgerfahrt (bei der die gute Frau dermaßen dehydriert und/oder high gewesen sein muss, dass sie die absurdesten Halluzinationen und Vorstellungen entwickelte - und das muss angehalten haben, bis ihr Bericht in Druck gegangen ist). Seine erste und wichtigste Quelle ist ein Pilgerhandbuch aus dem Mittelalter, das in seinen Aussagen sehr kategorisch ist: "Pilger, bleib am besten zu Hause! Oder stirb auf der Fahrt einen schmerzhaften Tod, dann kommst du wenigstens direkt in den Himmel." Wenn das nicht gute Aussichten sind ;-) Dennoch macht auch Tim auf dem Weg eine langsame Veränderung durch, selbst wenn er sie nicht selbst beschreibt - aber sie wird klar für den Leser - am Ende wird Shinto nicht nur der weitgereisteste Esel der Herde sein, er wird eine Art Familienmitglied der Moores, auch wenn er weiterhin in Frankreich lebt. Und vielleicht ist es auch das, was man auf dem Weg nach Santiago finden kann - neue Personen, die das Leben auf irgendeine Art bereichern. Insgesamt ein nettes Buch mit gelegentlich sehr witzigen Episoden, aber man muss es nicht gelesen haben.

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