Freitag, 23. Juni 2017

[Blogparade] #Geheimtipps


Schon vor einiger Zeit bin ich bei Weltenwanderer auf die Aufforderung zu dieser Blogparade gestoßen und endlich, endlich komme ich dazu, einen Beitrag zu verfassen. Wer sich auf ihrem Blog noch nciht umgeschaut hat, sollte das auf jeden Fall tun, denn ihre Liste mit Geheimtipps hat meine Leseliste schon um einiger verlängert. Und jetzt liegt es an mir, euch ein paar Bücher ans Herz zu legen. Bücher, die irgendwie untergehen, weil es viel zu viele in den Buchhandlungen gibt. Bücher, die man manches Mal sogar kauft und dann völlig vergisst, weil sie eben nicht "Hallo, ich bin ein Bestseller, lies mich, los, mach schon" schreien.

Also bin ich in mich gegangen, habe meine Leselisten durchsucht, meine Erinnerungen vom Staub befreit, und bin bei einigen Highlights gelandet, die ich zum Teil noch nicht einmal rezensiert habe bisher. Um die Liste nicht vllig ausufern zu lassen, beschränke ich mich mal auf jeweils ein Highlight aus verschiedenen Genres.

1. "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky (Gegenwartsliteratur)

Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sie sich mit Gleichgesinnten ein neues Leben auf. Mitten im Niemandsland, wo die Vögel so laut rufen wie nirgends sonst und manchmal ein Toter auf einen Plausch vorbeikommt. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe nach Deutschland, an ihre Tochter. Doch dann kommen Fremde ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung..

Warum ich es jedem ans Herz lege? Weil es eine wunderbare kleine Geschichte ist, die so alltägliche Menschen schildert, auch wenn ihre Lebensumstände gar nicht alltäglich sind. Es geht um die Suche nach Liebe, umd die Hoffnung auf ein bessres Leben, und den Umgang mit Enttäuschungen auf dieser Lebensspur. Und immer wieder einfach nur um Heimat, was auch immer das für den einzelen bedeutet. Ich habe mich beim Lesen letztes Jahr sofort verloren in dieser Geschichte und Bronsky ist eine gute Erzählerin, deren Figuren immer glaubhaft bleiben.


2. "Potilla" von Cornelia Funke (Kinder- und Jugendbuch)

 Arthur traut seinen Augen nicht! In dem schmutzigen Bündel, das er im Wald gefunden hat, steckt eine kleine Feenkönigin! Sie heißt Potilla und ist in großen Schwierigkeiten: Ein grausiges Wesen hat das Feenvolk überfallen und die wichtigen Feenmützen geraubt, nun ist Potillas Rückkehr in ihr Reich gefährdet. Arthur und seine Freundin Esther wollen helfen, doch die fiesen Zwillinge "B&B" durchkreuzen ihre Pläne. Eine fantastische Reise in die "Anderswelt" zu einem magischen Turm beginnt. Die Kinder begegnen sprechenden Tieren, einem zappeligen Finsterling, sehen in den Schlund der Ewigkeit und treffen den unheimlichen Mützendieb ...

Funke kennt man ja nun wirklich. Aber irgendwie geht "Potilla" in ihrem Gesamtwerk immer unter, was wahnsinnig schade ist. Dieses Buch at nicht nur eine spannende Geschichte und tolle Illustrationen, sondern ist einfach nur irrsinnig witzig. Was vor allem daran liegt, dass Potilla alles andere als eine liebenswerte Märchenfee ist. Sie ist besserwisserisch, hochnäsig und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese Socke, in die sie gesteckt wurde, ein klein wenig verdient ist. Der arme Arthur hat unter ihr ganz schön zu leiden anfangs, und auch das fnde ich gut: endlich mal ein männlicher Protagonist im Kinderbuch, der nicht der Held ist, sondern auf die Hilfe seiner Feundin angewiesen ist. Aber für mich als Kind war vor allem wichtig, dass ich bei diesem Buch immer wieder herzhaft lachen konnte.

 3. "Aya" von Marguerite Abouet und Clément Ouberie (Comic und Graphic Novel)

Ende der 1970er-Jahre: In der ivorischen Metropole Abidjan leben Aya und ihre zwei Freundinnen Adjoua und Bintou. Aya ist 19 Jahre alt, das Alter, in dem alles erreichbar scheint – vielleicht sogar ein Medizinstudium gegen den Willen des Vaters, der seine Tochter lieber heute als morgen verheiratet sähe. Während Aya von einer Zukunft als Ärztin träumt, schlagen sich Adjoua und Bintou die Nächte in den örtlichen Tanzbars um die Ohren und rauben ihrer Freundin mit ihren chaotischen Liebschaften den letzten Nerv…

Ich bin nur zufällig über dieses Buch gestolpert letztes Jahr und war wirklich begeistert. as Buch ist weit entfernt von Afrika-Klischees, sondern zeichnet ein sehr realistisches Bild der Elfenbeinküste. Es werden einige heiße Eisen angepackt, andererseits aber auch mit Humor die Unterschiede zwischen Elfenbeinküste und Frankreich aufgezeigt. Immer wieder gibt es großflächige Panels, in denen wie bei Wimmelbildern so viel zu entdecken ist, dass man die Bilder nach dem Lesen noch einmal aufsucht. Und was mir gefallen hat, ist die Detailgenauigkeit, die zum Teil in den Bildern herrscht!

4) "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes (Biographie)

Die Reihe ihrer Liebhaber liest sich wie ein „Who is who“ der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wer war die Frau, die mit Gustav Mahler, mit Walter Gropius und Franz Werfel verheiratet war, die eine wilde Liebesaffäre mit Oskar Kokoschka hatte und der Gerhart Hauptmann zu Füßen lag? Oliver Hilmes zeichnet in seiner umfassenden Biografie, die sich auf bisher noch nicht ausgewertete Briefe und Tagebücher stützt, das facettenreiche Bild einer Frau, die hysterisch, antisemitisch, herrschsüchtig war – aber auch inspirierend, klug und leidenschaftlich ...

Oliver Hilmes schreibt großartige Bioraphien. Das hier war die erste, die er veröffentlicht hat, und sie beinhaltet alles, was man als Leser will: Liebe, Lust und Leidenschaft. Alma MahlerWerfel war eine völlig verrückte Frau, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Muse ihrer Männer zu sein, ob sie wollen oder nicht. Ich bin immer noch völlig gefesselt von den vielen Facetten dieser Frau und emfehle diese Biographie immer uneingeschränkt jedem Leser :-)

Soweit also von mir. Ich geh dann am Wochenende mal stöbern, was ich bei den anderen Teilnehmern dieser Blogparade so finde. Falls ihr hier Lust auf eins der Bücher bekommen habt, freue ich mich riesig :-)





[Rezensionsexemplar] Kristina Ohlsson - Schwesterherz

Staatsanwalt Martin Benner will Bobby Tell eigentlich schnellstmöglich wieder loswerden: Dieser ungepflegte, nach Zigaretten stinkende Kerl wirkt erst mal wenig vertrauenswürdig. Sein Anliegen ist nicht weniger prekär: Tells Schwester Sara – eine geständige fünffache Mörderin, die sich noch vor der Verfahrenseröffnung das Leben nahm – soll unschuldig gewesen sein, und Benner soll nun posthum einen Freispruch erwirken. Vor Gericht hätte die Beweislage damals nicht mal ausgereicht, um Sara zu verurteilen, doch unbegreiflicherweise legte sie ein umfassendes Geständnis ab und konnte sogar die Verstecke der Tatwaffen präzise benennen. Benners Neugier ist geweckt, und er nimmt das Mandat an …

Mal wieder habe ich geräubert beim bloggerportal und bin fündig geworden bei Kristina Ohlsson. Ich wollte einen schwedischen Krimi, der aber nicht so fürchterlich dramatisierend ist, also dachte ich, ich schau mal in ihre neue Serie rein (also um genau zu sein, es sind nur zwei Teile ;-) ) und lasse mich unterhalten. Und ich muss sagen: Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich tatsächlich so zwiespältige Gefühle beim Lesen hat erleben lassen.

Erst einmal zur Story. Die Handlung ist gut, reißt mich mit und es gibt schöne falsche Fährten. Von Anfang an will man wissen, was es mit dieser seltsamen Geschichte auf sich hat. Das liegt mit Sicehrheit auch an der eher unkonventionellen Weise, mit der Ohlsson zum Teil erzählt. Das Buch beginnt erst einmal mit einem Dialog wie im Drehbuch, bevor es in Martins Ich-Perspektive wechselt. Spannend, weil man auf diese Weise direkt reingeworfen wird in eine Handlung, die man nicht vorhersehen kann. Allerdings muss ich auch sagen, dass die Handlung an sich schon extrem an den Haaren herbeigezogen ist, das ganze hat eher was von USA als Schweden, wenn ihr wisst, was ich meine. Aber dennoch unterhält die Idee und macht Spaß beim Lesen, man sollte nur nicht unebdingt alles hinterfragen. Klassische "Kopf aus, Unterhaltung an"-Lektüre eben.

Ebenso unkonventionell finde ich Ohlssons Entscheidung für den Protagonisten. Und der hat es mir im Laufe des Buchs echt nicht leicht gemacht.

Martin Brenner ist ein arroganter, selbstverliebter Oberarsch. Anders kann man es nicht sagen. Der Kerl steht in so einem Widerspruch zu allem, was man eigentlich erwartet von der Hauptfigur eines "finde den wahren Täter und stochere im Trüben"-Krimis. Und gleichzeitig ein liebevoller Vater. Einerseits will man ihm ständig eine runterhauen für seine Oberflächlichkeit, andererseits schafft man es aber nicht, von ihm loszukommen. Er hat was, und ich muss gestehen ich finde ihn als Figur deutlich interessanter als die Charaktere in Ohlssons anderer Serie um Friederike Bermann. Brenner ist ein echter Typ, jemand, den ich zwar nicht mag, dem ich aber trotzdem Begleiter sein will. Das muss man als Autor wirklich erst einmal schaffen.

Kann ich das Buch empfehlen? Mit Abstrichen ja. Es ist keine High-Class-Literatur und auch nicht der hochspannendste Krimi aller Zeiten. Aber er ist unkonventionell und macht dadurch sehr viel Vergnügen im Einheitsbrei aus Schweden. Ich will auf jeden Fall den zweiten Teil lesen, weil sie leider mit einem Cliffhanger endet, den man zu Ende gebracht wissen will :-D

Sonntag, 11. Juni 2017

[Rezensionsexemplar] Benjamin Bidder - Generation Putin

Als sie auf die Welt kamen, war die Sowjetunion bereits Geschichte. Lena aus Smolensk zum Beispiel, die Putin verehrt und von einer Karriere in der Politik träumt. Die Kreml-kritische Journalistin Wera, die sich nach mehr Demokratie sehnt. Alexander, der im Rollstuhl sitzt und darauf hofft, irgendwann ein selbständiges Leben führen zu können. Sie alle eint, dass sie zur »Generation Putin« gehören, dass sie Kinder des derzeitigen Systems sind.

Diese Generation der nach 1991 Geborenen wuchs in politisch wie ökonomisch turbulente Zeiten hinein. Viele junge Russen sind heute hin- und hergerissen zwischen Ost und West, der Sehnsucht nach einem starken Führer und dem Traum von einem anderen, freieren Leben. In ihren Geschichten spiegelt sich die dramatische Entwicklung Russlands in den letzten 25 Jahren, vom Ende der sowjetischen Weltmacht bis zum Wiedererstarken unter Wladimir Putin.

Ich hatte mir das Buch als Rezensionsexmplar über das Bloggerportal ausgesucht, weil ich, je länger ich mich mt Politik beschäftige, immer faszinierter von Russland bin. Gerade auch deshalb, weil die Berichte darüber so wahnsinnig unterschiedlich sind. "Das neue Russland verstehen" klingt nach einer guten Voraussetzung für dieses Buch, dachte ich mir, und tatsächlich war die Lektüre sehr interessant.
Anhand vieler verschiedener Perspektiven versucht Benjamin Bidder, das Leben im heutigen Russland zu erklären. Dabei führt er die Interviews über einen längeren Zeitraum, der Leser kann so Entwicklungen und Veränderungen innerhalb der Biographien miterleben. Mir geht er dabei allerdings zum Teil ein bisschen zu schnell vor, denn manchmal sind die Situationen, in denen sich seine Gesprächspartner bei der Wiederaufnahme finden, doch sehr anders und ich komme nicht mehr ganz mit. Positiv fällt mir aber auf, dass Bidder selbst keine Stellung bezieht, also nicht die Putinverehrerin Lena demonteren will oder Systemkritiker überhöht. Außerdem versucht er, Personen aus allen Teilen Russlands zu verstehen und bringt dadurch noch ein wenig mehr Multidimensionalität ins Bild. Mir als Leser hilft das wirklich weiter, ich kann mir zumindest in Teilen ein sehr gutes Bild von den Beweggründen der Einzelnen machen und veruschen, ihre Perspektiven nachzuvollziehen. Allerdings hätte ich mir hier und da einen weiger salbungsvollen Erzählstil gewünscht, der immer ein bisschen sehr väterlich daherkommt. Aber vielleicht ist das der Situation der Interviewpartner geschuldet.

Ein Kritikpunkt war für mich die Integration der Bilder. Vielleicht liegt es am ebook-Format, vielleich ist es tatsächlich so - jedenfalls sind die Bilder der Interviewpartner zum Teil erst am Ende des jeweiligen Kapitels zu finden. Ich persönlich fand das sehr schade, denn ich mache mir gerne ein Bild von den Personen, wenn sie zu Wort kommen, und hier wirkte das etwas lieblos zusammengewürfelt.

Insgesamt war ich mit der Lektüre durchaus zufrieden. Nein, wirklich verstehen gelernt habe ich diese neue Generation Russlands immer noch nicht, aber zumindest einen kleinen Einstieg bekommen in die Empfindungen, die hinter diesen verschiedenen Entwicklungen stecken. Das ist ja auf jeden Fall schon etwas und deshalb lege ich das Buch jedem Interessierten als Eiführung ans Herz.

Sonntag, 30. April 2017

[Gewinnspiel] Herzlichen Glückwunsch an ....


Unter Wahrung aller Ziehungsgeheimnisse und mit sehr viel Spaß bei der Sache hat das Baby, aka blogeigene Glücksfee, heute kurz vor dem Schlafengehen zugeschlagen und aus seinen mit euren Namen gefüllten Stapeltürmchen einen Zettel gezogen. Also um genau zu sein sechs und fünf davon dann langsam auf der Couch verteilt, nur einen wollte er nicht mehr hergeben. Und dieser glpckliche Jemand war Lisa Koala, die sich ein Buch für ihren kranken Sohn wünscht. Na, wenn das nicht den richtigen getroffen hat ;-)

Email ist raus und ich hoffe, sie meldet sich. Ich wünsche euch allen einen schönen Feiertag und hoffe, ihr hattet beim Welttag des Buches wieder so viel Spaß wie ich. Ich freu mich schon auf nächstes Jahr :-)

[Rezensionsexemplar] Stefan Brijs - Taxi Curaçao

Curaçao, 1961. An einem Septembermorgen bringt der Taxifahrer Roy Tromp seinen zwölfjährigen Sohn Max zum ersten Mal in die weiterführende Schule zu Bruder Daniel. Max ist der erste in seiner Familie, der sie besuchen kann, und erweist sich als talentierter Junge, der davon träumt, Lehrer zu werden und den gesellschaftlichen Aufstieg aus der Armut zu schaffen. Bruder Daniel, der selbst von der Insel stammt, will ihm dabei helfen. Denn so prächtig der azurblaue Dodge Matador ist, mit dem Roy seinen Sohn zur Schule bringt, so bettelarm ist die Familie des Trinkers und Spielers. Vierzig Jahre später ist der Traum geplatzt und Max, der längst selbst Vater eines erwachsenen Sohnes ist, verschwindet aus heiterem Himmel in die Niederlande, womöglich für immer ...

Ahhh, die Karibik. Mal ehrlich, wenn man das Wort hört, hat man doch sofort weiße Sandstrände vor Augen, schmeckt förmlich den Cocktail und hört liebliche Musik - Zeit, sich entführen zu lassen auf die Niederländischen Antillen. Und festzustellen, dass das Leben dort eben auch nicht nur ein Dauerurlaub ist, sondern ebenso seine Schattenseiten aufweist. Über 40 Jahre lang verfolgt man an der Seite Bruder Daniels das Leben der Männer der Familie Tromp und damit auch das Leben der Arbeiterklasse und die politische Entwicklung der Insel. Das wird mit genug Lokalkolorit durch die landeseigene Sprache, durch Gepflogenheiten und Erklärungen geliefert, dass ich als Leser mich freue, gleichzeitig etwas zu lernen und unterhalten zu werden. Was mir dabei jedoch nicht ganz so gefällt, ist die Erzählperspektive durch Bruder Daniel, der zwar alle Beteiligten seit Jahrzehnten kennt, aber eben nicht in ihrer Haut steckt. So schleichen sich gelgentlich Längen ein, wenn er klarmachen will, wie eine Person ich fühlt, statt dass ich als Leser den direkten Weg gehen kann und deren Perspektive einnehme. Andererseits beobachte ich dadurch die Personen sehr viel besser und hinterfrage ihre Handlungen auch durchaus mehr als in anderen Romanen, es kann also durchaus hilfreich sein.

Ich finde das Buch insgesamt aber durchaus gelungen. Vor allem, wie gesagt, weil es einen Einblick in eine doch eher fremde Welt bietet und mit einigen Klischeevorstellunge bezüglich der Karibik aufräumt. Die Personen sind lebensecht und wachsen einem auch ans Herz, je länger man ihnen folgt, und besonders Roy ist mit Ecken und Kanten ausgestattet, aber auch trotzdem jemand, den man nicht missen will. Ja doch, das Buch ist gut, man sollte sich aber ein wenig Zeit nehmen für die Lektüre, statt sie einfach nur schnell zu verschlingen und sofort zum nächsten Buch zu schreiten.

[Rezensionsexemplar] Edney Silvestre - Der stumme Zeuge

São Paulo, Brasilien: Ein kleiner blonder Junge wird mit einer Luxuslimousine von der Schule abgeholt. Minuten später ist der Fahrer des Wagens tot, das Kind in der Gewalt einer Söldnertruppe. Mit der Entführung soll der Vater des Kindes, der mächtige Medienmogul Olavo Bettencourt, zur Aufdeckung eines Korruptionsskandals der brasilianischen Politikelite gezwungen werden. Doch Bettencourt reagiert nicht auf die Forderungen und den Entführern läuft die Zeit davon. Sie bekommen Zweifel: Haben sie den richtigen Jungen in ihrer Gewalt?

 Ein weiteres Mal habe ich mich für die Weltenbummlerchallenge mit einem Rezensionsexemplar eingedeckt, das ich nur wegen des Schauplatzes gewählt habe. Und schon wieder bin ich dabei in den Besitz eines Buches gelangt, das ich ohne diesen Anlass nie gelesen hätte und das ich nicht bereue, gelesen zu haben.

Vorneweg sei gesagt, dass s sich hier nicht um einen klassischen Kriminalroman handelt. Die Geschichte der Entführung ist so etwas wie Aufhänger und Nebenhandlung. Vielmehr ist es ein Psychogramm einer Gesellschaft und ein sehr bedrückender Blick in das Leben in Brasilien. Die Olympischen Spiele letztes Jahre haben es ja immer mal wieder anklingen lassen, dass Brasilien ein Land ist, in dem die Schere zwischen Arm und Reich extrem auseinanderklafft, so sehr, dass man es sich hier in Europa eigentlich gar nicht wirklich vorstellen kann. Olavo und seine Frau gehören dieser Oberschicht an, die sich angenehm zurücklehnt in ihren bewachten Villen, deren Wohlstand in vielen Fällen aber nicht nur harter Arbeit sondern auch einem gehörigen Maß an Korruption und Verbrechen zuzuschreiben ist. Und wenn sich dann herausstellt, dass es sich bei dem entführten Kind eben nicht um den Spössling aus gutem Hause, sondern um den taubstummen Sohn der Putzfrau handelt, ist man schnell in der Überlegung, ob man sich dann für "so einen" vor den Karren der entführer spannen lässt oder nicht ... Olavos Ehefrau Mara stammt aus einem ganz anderen Hintergrund, der im Laufe der Handlung immer deutlicher wird.

Silvestre arbeitet mit sehr gelungenen Erzählpassagen, in denen viele verschiedene Blickwinkel aufgegriffen werden. Beim Lesen muss man in der Hinsicht aber sehr am Ball bleiben, die Perspektivwechsel geschehen absatzweise und sind nicht immer direkt erkennbar. Das Buch ist allerdings kurz genug, um trotz dieser Erzählweise nicht die Lust zu verlieren, sondern sich immer mehr einzulassen auf die Figuren, ihren Hintergrund, ihre Motive und auch Silvestre sehr gelungene Schilderungen. Alles in allem also ein tolles Buch für dieses Jahr.

[Rezensionsexemplar] Gavin Extence - Das unerhörte Leben des Alex Woods

Alex Woods ist zehn Jahre alt, als das Universum es auf ihn absieht - im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Meteorit stürzt genau ins Kinderzimmer und auf seinen Kopf. Nach zwei Monaten Koma und verschiedenen Operationen ist klar, dass Alex weiteres Leben nicht den konventionellsten Weg gehen wird. Gesegnet mit Epilepsie, einer hellseherisch begabten Mutter und dem Wissen, dass selbst die unwahrscheinlichsten Dinge eintreten können, ist er nicht unbedingt der beliebteste Klassenkamerad. Als er dann durch Zufall den zurückgezogenen und sehr misslaunigen Mr. Peterson kennen lernt, schließen aber genau die beiden eine Freundschaft, die dazu führen wird, dass Alex sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird ...

Manchmal finde ich deutsche Titel echt doof. Dieser sehr sperrige, wenn  auch witzig gemeinte Titel hier zum Beispiel wird dem Buch eigentlich nicht gerecht. "The Universe vs Alex Woods", wie das Original heißt, hat etwas viel schmissigeres und trifft den Erzählton des Romans haargenau. Ich habe das Buch trotz zur Zeit sehr quengelig-anhänglichem Baby innerhlab von zwei Tagen verschlungen, weil einen Alex einfach sofort einfängt. Seine Erzählhaltung ist unprätentiös, selbstironisch und sehr, sehr detailverliebt. Mir hat vor allem auch gefallen, wie man direkt Lust gemacht bekommt, sich auch mal selbst durch das Werk Kurt Vonneguts zu lesen, der jetzt auch direkt auf meiner Leseliste nach vorne katapultiert wurde ;-)

Ich hätte bei dem Klappentext nicht direkt erwartet, dass es hier um Sterbehilfe und auch sehr ernste Töne geht, das hat mir extrem gut gefallen, denn Extence nähert sich dem nicht etwa durch einen moralischen Zeigefinger an, sondern gnaz im Stil des Buchs mit einem gewissen Hang zum Sarkasmus, zum Selbstzweifel und zur Tragikomik.

Alles in allem also ein richtig gutes Buch, das ich jedem empfehlen würde, der ein bisschen mehr Biss und Gedankenmaterial haben möchte als es andere aktuelle Romane hergeben.


[Rezensionsexemplar] Elisabeth Herrmann - Die Mühle

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben?

Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus …

Dass Elisabeth Hermann neben Krimis, in denen sie die DDR-Geschichte mit aufarbeitet, auch Thriller für Jugendliche schreibt, ist bislang ein wenig an mir vorbeigegangen. Umso froher war ich, als dieses Buch als Rezensionsexemplar bei mir landete, denn im Moment steht mir der Sinn nach eher ein wenig leichter Lesekost. Beim Lesen habe ich mich sehr zurückversetzt gefühlt in meine Jugend, Ende der Neunziger, als die Kinos in der Folge von "Scream" überflutet wurden von Thrillern, in denen undurchsichtige Serienkiller junge Menschen aufgrund mehr oder weniger weit hergeholter Motive umbrachten. Genau diesem Prinzip folgt Herrmann in ihrem Roman und bietet dabei nicht gerade sehr viel Überraschendes.

Die Figuren wirken schon sehr klischeehaft. Sowohl Lana, der die Rolle der überraschten Außenseiterin, als auch die Mitglieder des Court, die natürlich alle schön, reich, mächtig und geheimnisvoll sind. Gut, ich bin ungerecht, als Teenager hätte ich diese Figuren alle total logisch gefunden und mich mit Lana identifiziert, aber jetzt, mit einer Generation Abstand ist das alles so unglaubwürdig und klischeehaft. Auch die Dialoge sind für meinen Geschmack sehr von der Stange, so wie ma sich halt vorstellt, dass diese Figuren sprechen würden. Ja, ich glaube, das ist das, was mir am meisten aufgefallen ist, dass es hier Figuren sind, die nicht wirklich lebendig werden, sondern alle schön an der Oberfläche der Lektüre bleiben und ihren Zweck erfüllen. Wirksam erfüllen, aber eben nicht großartig darüber hinaus Wirkung entfalten. Insgesamt gibt es nicht viel überraschendes, sondern man merkt dem Buch an, dass hier alles auf eine jüngere Zielgruppe gerichtet wurde, die unterhalten werden soll. Besonders am Ende wurde das für mich deutlich, da wird gewaltsam ein Happy End rangeklatscht, ganz so, wie es das Publikum mag. Wenn man aber Lust hat, auf ei simples Buch, mit dem man sich das Hirn freiblasen kann und sich zurückversetzen lassen will in seine Jugend damals beim Schauen von "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", dann ist das ein durchaus gelungenes Buch. Es tut nicht weh, es ist durchaus spannend, und man klappt es am Ende zu, ohne sich davor zu fürchten, dass der nächste Mörder unterm eigenen Bett lauert ;-)

Montag, 24. April 2017

[Hörbuch] T.R. Richmond - Wer war Alice

Alice Salmon ist erst fünfundzwanzig Jahre alt, als sie eines Morgens leblos in einem Fluss in Southhampton gefunden wird. Eigentlich wollte sie am Abend zuvor nur Freunde treffen – sie ahnte nicht, dass dies die letzten Stunden ihres Lebens sein würden. Aber was ist passiert? Ist sie wirklich ins Wasser gestürzt, weil sie zu viel getrunken hat? War es ein tragischer Unfall? Die Nachricht ihres Todes verbreitet sich wie ein Lauffeuer, auch über Facebook und Twitter. Gleich werden Vermutungen angestellt: über sie, ihr Leben und ihren Tod. Auch ihr ehemaliger Professor Jeremy Cooke ist erschüttert. Wie ein Besessener versucht er herauszufinden, was in jener Nacht tatsächlich geschah. Jeder kleinsten Spur geht er nach und sammelt alles über Alice, was er finden kann ...

Ich habe ewig und drei Tage an diesem Hörbuch gehört. Das lag erstens, klar, an dem kleinen Minibündel, das mich einfach echt fordert, aber zu einem nicht unerheblichen Teil an der Struktur des Hörbuchs. Wie der Roman auch, ist es hier nicht etwa eine lineare Geschichte, die erzählt wird, sondern eine Anhäufung von SMS, Emails, Einträgen in sozialen Netzwerken und dergleichen mehr, anhand deren sich Jeremy Cooke Alices Leben erschließt. Das klingt natürlich wahnsinnig spannend, ist aber eben auch ein Problem, weil man sehr gut zuhören muss, um den Logikschlüssen selbst folgen zu können. Hilfreich dabei ist, dass die einzelnen Personen in der Geschichte individuelle Sprecher haben, sodass man einigermaßen am Ball bleiben kann, und die machen ihre Sache in der Hinsicht wirklich gut. Nicht zu übertrieben, immer erkennbar, und für mich sehr gelungen. Aber, und da sind wir eben beim negativen Punkt angelangt, die Geschichte zieht einfach nicht richtig. Sie ist streckenweise sehr zäh, die Figuren sind sehr wenig entwickelt, sondern bleiben auf ein oder zwei Charakterzüge beschränkt, und das ganze gipfelt in einem doch recht vorhersehbaren Ende. Für mich nicht unbedingt das Highlight, das ich nach dem Klappentext erwartet hatte. :(

Sonntag, 23. April 2017

[Welttag des Buches] Blogger schenken Lesefreude - Das Gewinnspiel

Guten Morgen zusammen.

Ist noch jemand so gut gelaunt wie ich heute? Ich freue mich wie wahnsinnig auf diesen Welttag des Buches und geh gleich mal ein bisschen bei Blogs stöbern.

Lustigerweise war der National Bookday in England schon im Februar, und der wird vor allem an den Grundschulen ganz groß gefeiert. An dem Tag nämlich war keine Schuluniformpflicht, sondern die Kinder kamen verkleidet als ihre Lieblingsfiguren. Die Lehrer übrigens auch. Beim Spaziergang am Morgen kamen mir kleine Hexen und Zauberer entgegen, aber auch Füchse, Matildas, Bären, Coraline und so viele andere. Es war wirklich toll! Ich hab mir an dem Tag dann endlich mal eine neue Kaffeetasse gegönnt, nämlich die Penguin-Verlag-Tassen mit klassichen Bookcovern. Seitdem trinke ich meinen Tee stilecht aus "Wuthering Heights".

Aber ich weiß schon, warum ihr hier seid ;-)



Ja, auch bei mir gibt es etwas zu gewinnen. Und zwar *trommelwirbel* ein Wunschbuch im Wert von 15,-€. Ihr dürft euch also alles aussuchen, was ihr gerne lesen möchtet, allerdings müsst ihr damit einverstanden sein, dass das Ganze per amazon (oder einem anderen online-Händler) an euch verschickt wird. Warum? naja, weil es ein wenig umständlich ist, das Buch nach England zu schicken, um es dann wieder nach Deutschland zu verschicken :-D

Was müsst ihr dafür tun?
Ich mache es euch leicht - hinterlasst mir einen Kommentar unter diesem Post in dem ihr mir mitteilt, welches Buch ihr gerne hättet. Gerne könnt ihr euch auch noch zu viel mehr äußern, mir etwas erzählen oder euer Lieblingsbuch vorstellen oder erklären, warum mein Blog so schlecht ist, dass ihr gar nichts gewinnen wollt - wichtig ist nur eins: gebt bitte eine Kontaktmöglichkeit an.
Das kann ein Link zu eurem Blog sein oder eine verschlüsselte Mailadresse, aber irgendwie müsst ihr ja erfahren,ob ih gewonnen habt.
Solltet ihr unter 18 Jahre alt sein, bräuchte ich eine Einverständniserklärung eurer Eltern.

Die Auslosung findet am 30. April durch meine persönliche blogeigene Glücksfee statt. Daraufhin melde ich mich beim Gewinner und gebe ihn hier auf dem Blog bekannt. Wenn er sich bis 3.Mai immer noch nicht gemeldet hat, wird eine neue Auslosung stattfinden.

Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen, genauso wie ein Umtausch gegen Geld - aber auf die Idee kämt ihr ja sowieso nicht als Buchliebhaber. :-)