Sonntag, 7. August 2016

[Buchgedanken] Hermann Schultz - Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt

Temeo Kirschstein lebt in Afrika und ist der Sohn einer Afrikanerin und eines deutschen Geologen. Als sein Vater auf der Suche nach Edelsteinen in seiner Grube schwer verunglückt, steht die Familie plötzlich vor dem finanziellen Aus. Deshalb wird Tameo von seiner Mutter damit beauftragt, Geld aufzutreiben. Dies ist in Afrika genauso unangenehm wie überall sonst auf der Welt, aber Temeo entwickelt ein unglaubliches Geschick darin, jedem, den er begegnet, sei er Farmer, Fabrikbesitzer, Händler, Pfarrer oder Ordensschwester, einen Betrag aus den Rippen zu leiern ...

Ich habe dieses Buch vor einiger Zeit als Tipp bekommen, um Bücher zu lesen, die in afrikanischen Ländern spielen und auch mal andre Blickwinkel vermitteln. Darüber hinaus war ich eine Zeitlang vor allem stiller Mitleser in einer facebookgruppe über empowernde Kinderliteratur, also Bücher, mit denen vor allem Kinder, die nicht den heterogenen Bilderbuchfamilienhintergrund (Mama, Papa, zwei Kinder und alle weiß) haben, sich identifizieren können. Dazu wollte ich sowieso mal etwas schreiben, merke mir das also mal vor ... Jetzt aber zurück zum Buch.

Ich finde das Buch furchtbar. Punkt, aus, Ende. Natürlich kann ich diese Einschätzung begründen, schließlich handelt es sich hier nich tum irgendein Buch, sondern ein vielfach ausgezeichnnetes Kinderbuch, das sogar in der SZ-Kinderbuchbbliothek mit aufgenommen worden war. Aber wie gesagt, ich hatte von der ersten Seite an gewisse Probleme.
Das erste Problem war schon darin zu sehen, dass ich immer und immer wieder in der Zeit verrutscht bin. Das Buch spielt in der Gegenwart, das ist ziemlich eindeutig zu erkennen an den technischen Gegenständen im Buch. Aber die Darstellung allen voran der Schwarzen ist irgendwie ... so 19.Jahrhundert. Ganz ehrlich, dass Tameos Vater und seine Mutter verheiratet sind, merkt man im ganzen Buch nicht, sie nennt ihn konsequent bei seinem Nachnamen und verhält sich insgesamt eher wie eine Dienstbotin gegenüber dem Herrn als eine gleichrangige Ehefrau. Gut, kann man vielleicht mit kulturellen Unterschieden erklären, wobei die aus verschiedenen afrikanischen Ländern stammenden Frauen, die ich kenne, irgendwie alle nicht so sind. Dieses Verhalten von Mutter und Vater zieht sich auch durch die Beziehung zu den Kindern, auch da ist irgendwie icht wirklich eine Papa-Kind-Beziehung geschildert, wie ich sie mir vorstelle oder sie kenne, sondern es geht mehr um Abhängigkeitsverhältnisse.

Noch mehr gestört hat mich dann aber auch die Darstellung der restlichen schwarzen Bevölkerung als entweder völlig unfähig oder hilfsbedürftig. Hilfsbedürftig natürlich vor allem nach der Unterstützung der klugen Weißen, egal ob im Bereich des Minenbaus oder des alltäglichen Lebens - man merkt es bereits an der Auswahl der Personen, die um Unterstützung gebeten werden, Schwarze werden da konsequent aussortiert, weil die eh nicht weiterhelfen könnten. Hmmmm .... irgendwie überzeugt mich das nicht so richtig. Und dann kam die Szene, bei der ich ehrlich dachte, dass der Autor jetzt grade beim Schreiben einen mittleren Hirnaussetzer . Ein schwarzes Ehepaar fragt "Massa Kirschstein" um Rat bei ihren Eheproblemen - und der bedroht daraufhin die beden mit einer Nlpferdpeitsche und droht ihnen Prügel an, wenn sie nicht seinem Rat folgen! Bitte was??? Sind wir hier doch bei "Onkel Toms Hütte" und ich habe es nicht gemerkt? Mit welchen Recht nochmal kann der Herr sowas machen - und wieso zur Hölle geht das Paar danach friedlich und lachend ab und ist dankbar ob der Güte des Herrn, ihre Probleme gelöst zu haben?

Tut mir Leid, aber spätestens mit dieser Szene war es für mich erledigt, das Buch auch nur im Ansatz guten Gewissens weiterempfehlen zu können. Vermutlich merken wir als durchschnittlicher weißer mitteleuropäischer Leser in vielen Fällen gar nicht mehr, wie klischeelastig viele Kinderbücher tatsächlich sind. Denn klar, selbstverständlich erscheint es uns logischer, dass man die Weißen um Hilfe bittet, die schließlich reich sind und sich um die Bevölkerung sorgen. Aber ist das die Lebensrealität? Und ist es die einzige Realität, die wir hier in unseren Büchern darstellen wollen? Als kindlicher Leser projiziere ich selbstverständlich erst einmal meine eigene Erfahrungswelt in die Bücher, die ich lese. Als Kind war für mich zum Beispiel Maditas Birkenlund ein ziemlich deutsches Wohnhaus - erst als ich in den Filmen ganz andere Häuser sah, wurde mir klar, dass es in anderen Ländern anscheinend andere Hausstile gibt. Und ähnliches ist es, was ich bei empowernden Kinderbüchern als Vorstellung habe, dass sie andere Perspektiven vermitteln und den Horizont des Lesers erweitern. Was könnten jetzt meine potentiellen Kinder aus diesem Buch lernen?
Dass sie froh sein können, nicht in Tansania leben zu müssen, weil man 25 Kilometer zu Fuß gehen muss.
Dass der Vater die Familie ernährt und sein Tod dazu führt, dass der nächste Sohn "Herr im Haus" wird und für Geld sorgen muss.
Dass es okay ist, seine eigenen Vorstellungen mit Gewalt durchzusetzen.

Nee, irgendwie ist es nicht das, was ich möchte ...

Samstag, 6. August 2016

[Buchgedanken] Joseph Conrad - Herz der Finsternis

Auf einem Schiff an der Themsemündung in Gravesend erzählt der Seemann Marlow vier Freunden von dem wohl einschneidensten Erlebnis seines Lebens: Als Kapitän eines Dampfers im Kongo begab sich Marlow einst auf eine zwei Monate lange Reise in die Tiefe der Wildnis. Er stand im Dienste einer Kolonialgesellschaft, die im Dschungel Schätze sammelt und den Einheimischen unsinnige Regeln mit großer Brutalität aufzwingt. Auf der Suche nach dem skrupellosen Kolonialisten Kurtz dringt er in den Tiefen des rätselhaften Dschungels immer weiter in das unfassbare Dunkel, das Innere der menschlichen Seele vor und entdeckt das Grauen ...

Ich hatte bei meinem letzten Besuch zu Hause für die "Rund-um-die-Welt"-Challenge gnadenlos das Bücherregal meiner Schester geplündert, die im Klassikerbereich ein wenig besser ausgestattet ist, sodass ich tatsächlich auch einige in Afrika spielende Romane gefunden habe. "Herz der Finsternis" ist so ein Klassiker, dass ich mich dabei gefragt habe, warum ich den noch nie in die Hand genommen habe, als ich dann aber anfing zu lesen, wusste ich warum. Denn leider hat mich Joseph Conrad mit seiner Erzählung einfach so gar nicht fesseln können :-(

Es liegt vor allem an der getragenen Erzählweise, die mich beim Lesen nicht bei der Stange halten konnte. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass hier so gut wie gar nichts passiert, selbst in handlungsgetragenen Seiten. Die titelgebende Finsternis finde ich persönlich vor allem in der Tiefe des treibenden Kongo, von dessen Ufer Gefahren drohen. Die Darstllung der Kolonialisten ist relativ schonungslos, wenn auch Marlow vom Autor als die positive Figur herausgestellt wird. Seinen großen Gegenspieler hat er in Kurtz, der mir persönlich aber auch so schwarz gezeichnet ist, dass ich das Interesse an ihm verloren habe. Irgendwie war die große Anklage gegen den Kolonialismus zu viel für mich, war zu sehr von ... nicht von Klischee, aber von allem Negativen gekennzeichnet. Sehr verstehen kann ich, dass er die Darstellung von Marlon Brando in "Apokalypse Now" mit geprägt hat, vom Typ her sind das wirklich ähnliche Charaktere, wobei man Brando irgendwie noch nachvollziehen kann.

Diese Erzählung war für mich einfach viel weniger gut zu lesen als ich es erwartet hatte, es zieht sich und ist für mich auf jeden Fall nicht eines der Highlights des Jahres.

Sonntag, 19. Juni 2016

[Rezensionsexemplar] Sarah Fischer - Die Mutterglücklüge

Noch nie ist es mir so schwer gefallen, eine Rezension in Worte zu fassen, weil ich schon beim Lesen, noch mehr aber beim Schreiben ständig hin- und hergerissen wurde, wie ich das Buch nun eigentlich finde. Lesen wollte ich es unbedingt, sodass es sich angeboten hat, es mir über das bloggerportal auch zukommen zu lassen. Gelesen habe ich es dann wirklich innerhalb kürzester Zeit und es einfach nicht geschafft, meine Meinung in Worte zu fassen. Heute versuche ich es aber zumindest einmal ...

Sarah Fischer ist Ende Dreißig, als sie schwanger wird. Kein Unfall, kein wirklich mit allen Wassern geplantes Wunschkind, sondern so, wie man sich das einfach irgendwie wünscht: schnell, relativ schmerzlos und in einer so gefestigten Beziehung, dass klar ist, dass das schon werden wird. Sie ist selbstständig, hält Vortärge und reist viel im In- und Ausland, und schnell ist klar, dass dieses bisherige Leben und ein Kind doch nicht miteinander verinbar sind. Oder doch? Woher kommen eigentlich diese Bedenken, dass sie als Schwangere oder frische Mutter nicht in der Lage sein sollte, ein Projekt zu stemmen, dass es auch nötig macht, im Ausland unterwegs zu sein? Wieso gibt es, egal was sie macht, diese Blicke zwischen "krieg ertmal das Kind" und "also wirklich, wie kann sie nur ...". Als sie danns chlielich mit Kind auf dem Spielplatz steht und sich zwischen Babybreigesprächen und dem Schäufelchenklau langweilt, fängt sie an zu zweifeln. Bereut sie wirklich ihre Mutterschaft?

An dieser Frage scheitere ich auch ein bisschen. Ich glaube, der Titel des Buches führt ein wenig in die Irre. "Regretting Motherhood" ist der Titel einer Studie aus Israel, bei der letztes Jahr zum ersten Mal Frauen offenbarten: eigentlich, im Nachhinein betrachtet, finde ich Mutterschaft gar nicht so toll, wie sie immer verkauft wird. Ich gestehe ehrlich, dass ich mich da deutlich wiederfinde, obwohl bei mir erstmal nur die Schwangerschaft ansteht - aber ernsthaft, an den meisten Tagen könnte sich eine Schwangerschaft für mich auch gerne kürzer gestalten als vierzig Wochen ;-) Diese Studie wird von Sarah Fischer im Buch auch aufgegriffen, allerdings finde ich eben gerade nicht, dass es bei ihrem Fall wirklich ein Fall ist, bei dem sie ihre Mutterschaft bereut. Der Untertitel trifft es viel eher - sie bereut nicht die Mutterschaft, aber sie scheitert an einem System, dass trotz aller vordergründiger Gleichheit immer noch erwartet, dass eine Mutter ein bestimmtes Rollenbild erfüllt und, sollte sie das nciht tun, jede Menge Steine in den Weg legt. Diese Steine sind sowohl gesellschaftlich als auch strukturell bedingt.

Strukturell bedeutet Elternschaft immer noch finanzielle Einbußen, die eine Familie verkraften muss. Da müssen ab Geburt zweieinhalb Personen ernährt werden, dank Elterngeld hat man aber nur noch ein Einkommen und sechzig Prozent Zweiteinkommen. Immerhin sind wir in Deutschland ziemlich gut dabei, was Kindergeld angeht, andere Länder sind da durchaus knausriger. Oder man entscheidet sich, von Anfang an wieder arbeiten zu gehen, dann geht aber genauso ein großer Teil eines Einkommens drauf für die Unterbringung in einer Tageseinrichtung. Also arbeiten, damit man das Geld verdient, das man dafür ausgibt, arbeiten gehen zu können - oder doch zu Hause bleiben? Mal ehrlich, für die meisten Familien ist es keine große Frage der Selbstverwirklichung, sondern eine reine rechnerische Überlegung, wie man als Familie finanziell über die Runden kommt!

Gleichzeitig, und das ist vielleicht das schlimmere, sind wir hier in Deutsschland sehr stark geprägt von einem bestimmten Bild der Mutter. Der Sich-Kümmerin. Der Liebenden. Derjenigen, die keinerlei Problem damit hat, ei, zwei, drei Jahre ihre Tage daran auszurichten, Popos abzuwischen, Brei zu kochen und zu fördern. Und dieses Bild macht zunehmend Frauen auch Angst. Frauen, die in Positionen arbeiten, in denen sie geistig gefordert werden und anspruchsvolle Termine organisieren. Plötzlich ein anderes Betätigungsfeld, undd as klingt in der Stellenbeschreibung einfach nicht grade nach High-Life und Spannung. Ich gestehe ehrlich: auch ich habe Angst davor. Ich finde Babys alles andere als spannend. Mir ist egal, wer wann wie oft die Windel vollmacht, ob Eva-Lottchen ein Zahn wächst oder Fritzchen schon alleine sitzt. Genau darum drehen sich aber sehr oft die Gespräche von Müttern, die ich so mitbekomme als heimlicher Lauscher in Zug, Café oder sonstwo. Überhaupt, es geht imemr wieder um das "Richtige", das "Pädagogisch-Wertvolle", dem man als Mutter quasi genetisch verpflichtet sein muss - und alle anderen Entscheidungen sind egoistisch. Sarah Fischer wird von ihrem Umfeld so lange mürbe gemacht, bis sie eine tolle Jobchance aufgibt - weil sie das erste Sitzen ihrer Tochter verpassen könnte. Das SITZEN! Himmel hilf noch einmal, es kann sein, dass ich die ersten Worte meines Kindes verpasse, weil ich zu dem Zeitpunkt grade auf dem Klo sitze - muss ich sie etwa immer mitnehmen, um die wertvolle Eltern-Kind-Bindung nicht zu gefähren? Argumentiert wird bei diesen gesellschaftlichen Bewertungen nämlich immer damit  der Gefährung von Bindung oder der potentiellen Schädigung des Kindes. Dabei gibte s effektiv keine wirklichen Studien, die zeigen können, welche Auswirkungen etwas auf einen Menschen hat - wir können Kinder nämlich nicht nochmal reinschieben, nochmal gebären und dann etwas anders machen, um wirklich zu erfahren, welche Verhaltensweisen oder Eigenschaften tatsächlich umwelt- und erziehungsbedingt sind. Erstaunlicherweise machen solche Diskussionen über die Vaterrolle deutlich weniger Zeit aus - aber Mütter stehen, egal, was sie machen, unter Rechtfertigungsdruck.

Vielleicht liegt genau daran mein Problem mit dem Buch. Eigentlich hätte Sarah Fischer gar kein so großes Problem bekommen, hätte sie von Anfang an mit ihrem Mann eine Vereinbarung gemacht: Du kommst mit Babys besser zurecht, also bleib du zu Hause. Ich verdiene das Geld. Nein, du musst dich nicht Mama nennen lassen, wir teilen das einfach nur so auf, wie es für uns drei das Beste ist. Deshalb ist das Buch allerdings auch wichtig, deshalb ist die Diskussion, die auch sie mit dem Buch führt, weiterhin wichtig: weil wir als Gesellschaft lernen müssen, umzudenken. "Das Beste" für ein Baby - das ist nicht automatisch "Mama stillt und Papa verdient die Brötchen". "Das Beste" kann auch sein, dass Papa die Flasche gibt (oh Wunder, man kann auch abpumpen) und Mama in ihrem fordernden Job zwar selten zwei Wochen am Stück zu Hause ist, dafür aber verdammt gute Quality Time gibt. Oder in der beide Elternteile so arbeiten, dass es kein großes Gedrängel gibt mit Betreuungszeiten des Kindes. Oder in denen nur einer arbeitet und der andere den Haushalt führt. Egal, wofür sich eine Familie entscheidet: es ist "das Beste". Und es geht letztlich noch nicht einmal die Nachbarn an, warum es das ist.

[Buchgedanken] Elias Canetti - Die Stimmen von Marrakesch

1954 wird Elias Canetti Begleiter eines Filmteams, das in Marokko eine Dokumentation dreht. Er selbst ist als Autor dabei und hält dabei seine Eindrücke von Marrakesch fest. Dies allerdings nicht wie in einem klassischen Reisebericht, sondern als Skizzen und Miniaturen, in denen er seine Leser entführt in die Seiten Marrakeschas abseits der Sehenswürdigkeiten. Elias Canetti streift durch die arabischen und jüdischen Viertel der Stadt, atmet die seltsamen Gerüche, beobachtet die feilschenden Händler in den Suks und die Verkäuferinnen duftenden Brotes, vernimmt die Stimmen der Blinden, Bettler und zungenlosen Krüppel in den Slums, spürt die Nähe des Todes vor den Kamelen mit ihren Schlächtern, staunt über die vielen Gesichter armer Juden in der Mellah und wird Zeuge des Lebens in einer Stadt, die so fern von westlichen Erfahrungen ist und dennoch nicht einfach das Bild des Orients vermittelt ...

Ich habe mich zumindest in den letzten Wochen sehr weit von meinen normalen Leseorten entfernt und bin so dann auch in Marokko gelandet. Das Buch stand schon seit mehreren Jahren bei mir im Schrank, was ich im Nachhinein wirklich bereue. Vielleicht braucht man aber auch ein schwül-warmes Wochenende wie vor kurzem, um sich auf dieses Buch einzulassen und davontragen zu lassen. Zumindest mir ging es so beim Lesen, dass mich umgeben von diesem Wetter Canettis Sprache eingefangen und mir die Bilder sehr nachdrücklich vor Augen geführt hat. Dabei ist er nicht einmal sonderlich sprachgewaltig, sodass ich sagen würde, er haut mich völlig um, aber seine Beschreibungen haben einfach dieses Etwas, das alles, was er gesehen hat, lebendig macht. Ich muss dazu sagen, dass es meine erste Begegnung mit Canetti war, bisher habe ich ihn einfach als Autor so gar nicht wahrgenommen. Das werde ich schleunigst ändern und mich bei seinen Marokko-Büchern noch ein bisschen länger aufhalten, wenn möglich :-)

[Rezensionsexemplar] Simon Borowiak - Sucht

Cromwell hat sieben verschiedene Hausärzte. Die braucht er auch, denn einer alleine würde den tablettensüchtigen Beinnahe-Privatdetektiv nicht mit der Menge an Uppern und Downern versorgen, die er benötigt, um durch den Tag zu kommen. Doch eines Tages klappt das nicht mehr und seine beiden Freunde beschließen, ihn in eine Klinik zu bringen. Entzug, so heißt das Zauberwort - aber dann taucht seine Ex- oder doch nicht Ex-Freundin auf der Station auf und mit einem Mal will nicht nur Cromwell aus der Psychiatrie raus, sondern sein bester Freund um jeden Preis rein ...

Das Buch klang irrsinnig vielversprechend. Irgendwie witzig, irgendwie abgedreht, irgendwie nicht so deprimierend wie das Leben mit einer Sucht. Allerdings ... ach, ich weiß auch nicht. Je länger ich gelesen habe, desto öfter habe ich mich gefragt "Warum willst du das überhaupt noch lesen?" Auf mich wirkte das Buch sehr gewollt witzig und gewollt "haha, Sucht ist gar nicht so, wie ihr euch das vorstellt". Ich fand weder die Sprache, die irgendwo zwischen bewusst schockierend und jämmerlich provozierend tänzelt, sonderlich mitreißend, noch die Story zielgeführt genug. Was genau soll ich als Leser aus dem Buch mitnehmen? Nach em tieferen Sinn muss man nicht fragen dabei, wenn dann wenigstens irgendein tieferer Humor damit verbunden wäre. Aber der beschränkt sich auf den meisten Seiten auf dem Niveau der Pennäler-Klamotten aus den Siebzigern. Kann man haben, muss man aber eigentlich nicht. Für mich kein wirklicher Gewinn in diesem Jahr ...

Mittwoch, 25. Mai 2016

[Buchgedanken] Will Hill - Department 19. Die Wiederkehr

Es ist erst kurze Zeit vergangen, dass Jamie mit dem Department 19 gemeinsam gegen die Vampire kämpfen musste, die sich zum Ziel gesetzt hatten, Dracula zu reanimieren. Und dennoch hat sich bereits viel getan. Nicht nur, dass deren Ziel geglückt scheint und sich der gefährlichste Vampir der Welt irgendwo dort draußen herumtreibt. Nicht nur, dass Jamie mit Frankenstein seinen Mentor und Freund verloren hat. Nicht nur, dass seine Mutter eine Vampirin wurde. Sondern er selbst ist Mitglied im Department, trainiert den kampf gegen Ungeheuer und vor allem: muss damit klarkommen, dass er sich ausgerechnet in das Vampirmädchen Larissa verliebt hat.Und damit beginnen die Probleme erst, denn natürlich sorgt dieses komplizierte Liebesgeflecht für Spannungen, die man ausgerechnet jetzt nicht gebrauchen kann - denn Dracula bereitet seine Rückkehr vor. Da kommt es gut, dass ausgerechnet einer seiner Handlanger dem Department seine Hilfe anbietet - aber ist er wirklich zuverlässig? Eines ist klar: der letzte Kampf war erst der Anfang!

Ich hatte den ersten Band ja vor längerer Zeit als Hörbuch gehört und fand die geschichte wirklich gut. Eine temporeiche, packende Geschichte mit vielen Verweisen in den Dracula-Klassiker, keine glitzernden Jungmädchentraumvampire und auch noch Frankensteins Monster mit im Schlepptau! Die Forsetzung habe ich dann ganz klassisch erlesen und hatte dabei ziemlich viel Spaß. Zwar ging mir dieses Beziehungsgeflüster gelegentlich auf den keks, aber besonders die Storyline um Frankenstein (ja, er lebt, aber wie!) und seine Vergangenheit und die Ausflüge in die Vergangenheit Draculas haben mir gefallen. Drum herum knallt und kracht es in diesem Band ganz gewaltig, das Department ist neu formiert und kämpft mit allen Mitteln, die sich bieten. Hills Erzähltalent hält jugendliche Leser mti Sicherheit lange bei der Stange und es macht ziemlich Spaß, sich in dieses Getümmel zu werfen. Dass er dann dieses Buch mit zwei großen Cliffhangern beendet, ist echt gemein - ich will einfach wissen, wie es weitergeht und sollte dann mal Ausschau nach Band drei halten ;-)

[Rezensionsexemplar] Eve Chase - Black Rabbit Hall

Auf der Suche nach einer Hochzeitslocation fahren Lorna Smith und ihr Verlobter Jon durch Cornwall. Eigentlich sind alle Herrenhäuser, die sie sehen, zu teuer, aber Lorna hat diese reise auch in erster Linie deshalb gemacht, weil ihr seit ihren Kindertagen ein Haus, das sie bei ihren Ferienausflügen in Cornwell gesehen hat, nicht mehr aus dem Kopf geht. Und tatsächlich finden sie Black Rabbit Hall, wie es genannt wird - ein heruntergekommenes, aber irgendwie idyllisches Herrenhaus, dessen Besitzerin Mrs Alton einen eher extravaganten Eindruck macht. Lorna fühlt sich dem Haus auf unerklärliche Weise verbunden und findet schließlich in einem Baum eingeritzt die Namen der vier Alton-Kinder ... In der zweiten Zeitebene erleben wir 1968, das letzte Jahr der Ruhe für die Familie Alton. Wie jedes Jahr verbringen sie ihre Ferien auf dem Familiensitz in Cornwall, doch wird in diesem Jahr etwas gesschehen, was vor allem das enge Verhältnis der Zwillinge Amber und Toby für immer zerstören wird ...

Ich bin in der Hinsicht ja ein Cover-Victim, dieses Buch musste ich haben, weil es so hübsch auf dem Bidl aussah. Und dann bekomme ich die gebundene Ausgabe zugeschickt udn stelle fest: sie ist noch toller. Hinter einem milchig-weißen Umschlag, auf dem die Schrift prangt, versteckt sich ein Hardcover, das das Haus und seine Umgebung zeigt - sehr schön gemacht und ein echter Blickfang in meinem Regal ;-)

Aber, und man merkt es schon, wenn ich anfange das Cover zu rezensieren, es wird ein großes aber - dieses Cover allein reicht nicht, wenn die Geschichte an sich einfach so vorhersehbar und dünn ist wie in diesem Buch. Es war ein einziger Satz, gesprochen irgendwo auf Seite 30 (jedenfalls noch innerhalb des ersten Bekanntwerdens mit Jon und Lorna), der mich quasi mit dem Holzhammer darauf steiß, was hier passieren wird. Für mich hat das Buch keine große Überraschung bereitgehalten, sondern war sehr durchschaubar und in der Hinsicht auch irgendwie langweilig. Jede der Figuren war genau das, was man sich davon erwarten musste, damit die geschichte genau so verläuft und nicht anders. Von tiefgründigen Charakteristiken habe ich da nicht viel vorgefunden, der interessante Ansatz bei zumindest einer Figur wird nicht weiter verfolgt, sondern nur so nebebnbei weiter mit abgehandelt. Das fand ich persönlich sehr schade, für mich hat dabei einfach die Qualität gelitten. Ich hätte mit dem sehr, sehr, sehr kitschigen happy End durchaus leben können (manchmal braucht man einfach etwas fürs Herz), wenn die Figuren auf ihrem Weg dahin den ein oder anderen Stolperstein gehabt hätten. so läuft es aber zu glatt, zu zielgerichtet und irgendwie auch zu oberflächlich ab, um mich wirklich mitzunehmen. Da hilft auch nicht noch so viel Atmosphäre auf dem Titelbild.

Mittwoch, 18. Mai 2016

[Rezensionsexemplar] Minette Walters - Der Keller

Muna weiß nicht, wie alt sie ist. Oder wo genau sie in London wohnt. Alles, was sie weiß, ist wie sie die Familie Songoli zufrieden stellen kann. Denn diese hält Muna als Haussklavin in ihrem Eigenheim. Nachts wird sie in den Keller gesperrt, vor die Tür darf sie nicht gehen, ein Telefon hat sie nie gelernt zu benutzen. Doch dann verschwindet eins Tages der jüngere Sohn auf dem Schulweg und die Familie Songoli muss Muna vor den ermittelnden Polizisten als geistig zurückgebliebene Tochter ausgeben. Was niemand ahnt, Muna ist alles andere als geistig zurückgeblieben - in ihr stecken viel mehr Pläne als jeder sich vorstellen kann ...

Kaum hatte ich die Inhaltsangabe gelesen, war für mich klar, dass ich das Buch lesen muss. Da kam es mir grade Recht, es als Rezensionsexemplar für das bloggerportal zu besprechen, und tatsächlich habe ich die Seiten gradezu verschlungen. Denn Minette Walters beherrscht es, fesselnd zu schreiben und immer wieder neue Wendungen einzubauen, die mich als Leser überraschen. In diesem Fall muss ich aber auch sagen, dass mich mit zunehmenden Verlauf des Buches diese Wendungen eher irritiert haben, denn die Autorin zaubert immer neue Kaninchen aus dem Hut, die die Geschichte zwar vorantreiben, dabei auch immer unglaubwürdigere Wege beschreiten. Und dann hört das Buch auch schon auf mit einem offenen Ende, das auf mich eher so wirkt, als wäre Minette Walters keine wirkliche Lösung mehr eingefallen, sodass es einfach nur schnell beendet wird.

Dazu kommt, dass mich die Charaktere nicht zu fesseln vermochten. Gerade Muna ist effektiv am Anfang weder groß bemitleidenswert (dazu erfährt man vor ihrem Wandel zu wenig von ihr) und nach ihrer allmählichen Wandlung ist sie aber auch keine großartige psychologisch ausgefeilte Bösewichtin, sondern bleibt immer noch fade und grau. Es war mir effektiv ziemlich gleichgültig, was genau mit ihr passiert, und daslieggt vor allem an ihrer Darstellung. Sie fesselt nur über die Handlungen, nicht über ihre Charaktereigenschaften, wenn man versteht, was ich meine. Für einen Psychothriller war das Buch zu kurz und zu wenig ausgefeilt, es ist eher eine Vorstudie, die sich schnell lesen, sich aber ebenso schnell wieder vergssen lässt. 

Donnerstag, 12. Mai 2016

[Rezensionsexemplar] Bill Bryson - Shakespeare wie ich ihn sehe

In diesem Jahr rundet er sich wieder einmal - der Todestag des Barden von Stratford. William Shakespeare, Theatermacher, Schauspieler, vor allem aber Autor einer Vielzahl von Stücke, die das klassische elisabethanische Theater begründeten und gleichzeitig revolutionierten. Und seit meiner Teenagerzeit eine heimliche Leidenschaft (danke, Buz Lurman ;-) ).

Dieses Buch als Rezensionsexemplar zu erhalten, war für mich einfach nur ein Muss. Shakespeare und Bill Bryson auf einem Titelbild, da kann nur etwas Gutes dabei rauskommen. Wenn man es schafft, das Titelbild auszuhalten, dessen fahriger Druck zwar dem Thema sehr gerecht wird, das allerdings bei mir immer wieder für Schwindel gesorgt hat. Ein Grund mehr, das Buch aufzuschlagen und sich dem Text zu widmen.

Bill Bryson stellt direkt am Anfang fest, dass dieses Buch alles andere als eine klassische Biografie werden wird. Denn effektiv wissenw ir von William Shakespeare nahezu nichts. Wir können seinen Geburtstag relativ gut annehmen, haben aber erst seine Taufe wirklich als Anhaltspunkt. Wir kennen einie Namen von Familienmitgliedern und wissen, abgesehen vom Tauftag, von drei weiteren Tagen seines Lebens, wo er sich an diesen aufgehalten hat. Das ist dürftig? Gemessen an der Tatsache, dass wir von seinen Zeitgenossen noch weniger Ahnung haben, ist das sogar eine ganze Menge. Bryson nähert sich dem Phantom Shakespeare dann auch weniger dadurch an, dass er akribisch recherchiert, sondern dass er zusammenfasst und vor allem auch ein Porträt der Zeit liefert - denn das ist Shakespeare eben auch, ein Produkt des Elizabethanischen Zeitalters, in dem er geboren wurde und in dem er gelebt hat. Bryson erzählt über das Theater an sich (und auch hier stellen wri fest, dass wir effektiv viel weniger wissen, als wir glauben), über Zeitgenossen und natürlich geht es auch um die alles entscheindende Frage: War Shakespeare wirklich Shakespeare?

Das ganze Buch erfolgt wieder in Brysons typischem Tonfall, der einierseits informativ, andererseits witzig bis ironisch ist. Vor allem im Kapitel über die Anti-Stratfordianer ist er zum Teil beißend sarkastisch, in den übrigen Kapiteln hält er sich mit Bewertungeng dagegen angenehm im Hintergrund. Das Buch hat mir wieder richtig Lut aufs Lesen gemacht, nachdem ich eine Zeitlang eine ziemliche Leseflaute hatte - alles in allem also eine tolle Empfehlung.

Montag, 25. April 2016

[Rezensionsexemplar] Liz Balfour - Das Haus bei den fünf Weiden

Hanna ist eien junge Anwältin, die allerdings gekündigt wurde. Deshalb ergreift sie das Angebot ihrer Mutter, für diese die Schätzung eines Nachlasses zu übernehmen. In einem einsam stehenden Haus in Cork lebte der alte Mr. Oliver, der kürzlich mit 99 Jahren verstarb und sich vor allem verdient machte um das Sammeln historischer Alltagsdokumente. Schon bald wird sie hineingezogen in eine tragische Liebesgeschichte, die ihren Anfang 1938 im Haus der Olivers nimmt ...

Ach, es war schon nett. Ich habe im April mal wieder ein Buch gebraucht, mit dem ich schnell ins Lesen reinkomme, und dabei fiel meine Wahl auf dieses Buch, das ich über das bloggerportal bekommen habe. Rein objektiv betrachtet sind diese knapp 300 Seiten doch ziemlich dünn und geradlinig erzählt, ich hätte mir ein wenig mehr Biss gewünscht und die Figuren nicht ganz so eindimensional gestaltet. Insbesondere Hanna als Anwältin der Armen war mir eine Spur zu sehr idealisiert. Andererseits hat Liz Balfour einen sehr angenehmen Schreibstil, der sofort ins Buch zieht und mich unterhält, mehr wollte ich gar nicht. Das Buch lebt vor allem von der Ebene in den Vierziger Jahren, die alles in allem die spannendere Geschichte bildet und sogar noch ein wenig zurückreicht in die Anfänge der irischen Republik, und ich hätte mir hier gewünscht, dass da ein bisschen mehr Atmosphäre geschaffen wird. Dazu muss man wissen, dass ich bei historischen Romanen immer ganz gerne paralle so ein bisschen auf wikipedia recherchiere, wenn irgendwelche berühmten Namen oder Ereignisse erwähnt werden. Wenn dann der Abschnitt Michael Collins einfach nur aus den Fakten besteht, die ich auch nachlesen kann, bin ich als Leser immer ein wenig enttäuscht. Viel interessanter für mich wäre es gewesen, diese Linie ausgebaut zu bekommen, wirklich einzutauchen in die Zwanziger und dadurch auch zu verstehen, warum diese Liebesgeschichte so tragisch wird. So habe ich nämlich ein bisschen das Gefühl, die Autorin wollte halt schnell was auf den Markt werfen und konnte sich da für keine Lösung entscheiden oder hatte keine Idee, also wird das einfach weggelassen. Für mich macht aber grade das den Reiz historischer Romane aus, dass ich als Leser die Möglichkeit habe, durch die Erzöhlung mehr zu erfahren als es vielleicht der Protagonist des Gegenwartstrangs im Buch tut.

Insgesamt würde ich durchaus wieder zu Liz Balfour greifen, wenn ich ein unterhaltsames Buch suche, das an meinen Kopf keinen großen Anspruch stellt, mich aber bei der Stange hält und z.B. auf den Balkon begleiten darf.