Donnerstag, 24. Mai 2018

[In eigener Sache] Der Blog zieht grade um

Nicht wundern, wenn es etwas ruhiger ist hier - ich nutze eine Woche Ferien, um meinen Blog endlich auf ein wordpress-Format umzustellen und etwas umzuändern. ;-)

Sonntag, 13. Mai 2018

[Rezensionsexemplar] Sarah Graves - Die anderen Mädchen

Mit dem Fall der vermissten vierzehnjährigen Tara droht Lizzie Snow von der Mordkommission Maine an ihre Grenzen zu kommen, als sich eine Verbindung zu einem alten Verbrechen auftut. Ein Mann, der mehrere Mädchen entführte, ist aus dem Gefängnis entkommen und hält sich in den Wäldern von Bearkill auf. Hat er Tara in seiner Gewalt? Während Lizzie gleichzeitig nach dem Mädchen und dem Psychopathen sucht, breitet sich ein verheerender Waldbrand aus. Ein fieberhafter Wettlauf gegen die Zeit und das Feuer beginnt.

Was für ein fulminanter Klappentext, bei dem ich sofort auf dem bloggerportal zugegriffen habe. Leider war ich beim Lesen dann doch ziemlich enttäuscht und muss gestehen, dass ich die letzten 50 Seiten dann nur noch quer gelesen habe, um zum Ende zu kommen. Lizzie Snow und ihre Männergeschichten, ihr natürlich tragischer Hintergrund-Kriminalfall, Rückereinnerungen in den Fall des Entführers vor einigen Jahren, das aktuelle Verschwinden von Tara - und dann auch noch ein Waldbrand oben drauf. Mir war in diese Seiten einfach zu viel Dramatik auf einmal gepackt. Dass dann auch noch mein am Anfang mal spaßeshalber gedachter Verdacht sich als die tatsächlich richtige Spur entpuppte, hat nicht dazu beigetragen, das Buch zu mögen.Es war ja nicht direkt schlecht, aber so viel und in vielen strecken ein wenig unausgeführt und immer nur auf den nächsten Effekt hin erzählt. Ich konnte und wollte mich wirklich nicht in die Handlung fallen lassen, Lizzie bot mir keine hinreichende Identifikationsmöglichkeit. Insgesamt also leider eine wenig beeindruckende Lektüre für Nebenher.  

[Rezensionsexemplar] Titus Müller - Der Tag X

Das Leben der Gymnasiastin Nelly Findeisen wird mit jedem Tag komplizierter. Es reicht nicht, dass sie ihren Vater, der vor sieben Jahren nach Russland abkommandiert wurde, nie mehr sieht, auch ihre Mutter wird ihr zusehends fremder. Hinzu kommt ihr Engagement in einer kirchlichen Jugendorganisation, was im Frühjahr 1953 zum Rauswurf aus der Schule führt. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

Hiermit verkünde ich, dass ich das Lesehighlight für 2018 für mich gefunden habe. Vielen Dank, bloggerportal, das du mir dieses Buch als Rezensionsexemplar ermöglicht hast, denn ohne dich wäre ich nicht darüber gestolpert! Ja, wirklich, im Ernst, liebe Leser, dieses Buch ist für mich einer der besten historischen Romane über zeitgenössische Geschichte, den ich gelesen habe, trotz Liebeswirrungen umd einem Klappentext, der diesen wirklich dichten und mit Figuren vollgedrängten Roman auf eine Dreiecksbeziehung reduziert. Denn eigentlich sind Nelly, Wolf und Ilja nur ein winziger Teil ll dieser miteinander verbundenen Pesonen, die von Titus Müller geschickt gesetzt werden, um dem Leser ein extrem umfassendes und breit gestreutes Spektrum des jaahres 1953 zu bieten.

Man merkt dem Buch an, dass Müller hervorragend recherchiert hat, aber er beherrscht es, diese Informationen zu vermitteln ohne dröge zu werden und zu sehr nach wikipedia zu klingen. Gleichzeitig zeichnet er realistische Figuren, mit denen man sich beim Lesen identifiziert oder deren Handlungen man nachvollziehen kann, wenn auch nicht immer billigt. Ich habe das Buch völlig begeistert verschlungen und mich so in der Geschichte verfangen, dass es mir wirklich schwer gefallen ist, das Buch zuzuklappen. Also werde ich mir jetzt gleich die nächsten Bücher von Titus Müller besorgen ;-)

{Rezensionsexemplar] Isabelle Broom - Wintersterne

Eine Reise ins magische, verschneite Prag: Für Megan, Hope und Sophie ist das die perfekte Gelegenheit, um vor ihren Problemen wegzulaufen. Sie lernen sich in einer Hotelbar kennen, und obwohl die drei Frauen völlig unterschiedlich sind, verstehen sie sich auf Anhieb. Gemeinschaftliche Streifzüge durch die winterlich verzauberte Stadt konfrontieren sie mit ihrer Vergangenheit und führen sie zu besonderen Begegnungen. Und vor allem zu sich selbst.

Müdigkeitsbedingt hatte ich im April das Bedürfnis nach einfacher, wenig belastender und möglichst netter Lektüre und habe mir deshalb beim Bloggerportal ein Rezensionsexemplar ausgesucht, dessen Klappentext genau danach klang. Drei Frauen und ein winterliches Prag, vielversprechend. Und tatsächlich habe ichd as Buch auch in einem Rutsch runtergelesen, mich dabei aber ein wenig verloren gefühlt.

Das liegt erst einmal daran, dass sich das Buch stellenweise schon liest, als wäre es vom Prager Toursimusverband in Auftrag gegeben worden. So ziemlich jede wichtige Handlung des Buches findet auf, an oder in der Nähe einer genau beschriebenen Prager Sehenswürdigkeit statt, inklusive des doch recht überdramatischen Finales auf der Karlsbrücke. Das ist natürlich nett, um Atmosphäre zu schaffen, liest sich aber in der Ausführung wirklich mürbe. Getrübt wurde mein Lesevergnügen dann aber auch von den Figuren, die ich allesamt einfach nur nervig, doof, belanglos oder alles zusammen fand. Megan, die aufstrebende Fotografin, die mit ihrem angeblich platonischen Freund aufbricht und deren "wasch mich, aber mach mich nicht nass"-Haltung mir wirklich zu sehr auf eine klassische Liebesschnulze hinsteuert. Hope, die ihren Ehemann für ihren Fahrlehrer verlassen hat und ihre neue Liebe hinterfragt, während er selbstlos im Übermaß ist. Und dann natürlich Sophie. Ehrlich gesagt, ich hatte einen gewissen Verdacht - wenn ich mich auch in der betroffenen Person dann geirrt habe - und diese Dramatik in Prag war mir dann einfach zu viel des Guten.

Insgesamt bin ich also leider nicht wirklich zufrieden mit dem Buch. Es liest sich schnell, un vermutlich würden die Pragbeschreibungen im Winter auch schöner auf mich wirken, aber die übertriebene Charakterzeichnung hat mich zu sehr geärgert, um wirklich genußvoll lesen zu können.

[Rezensionsexemplar] Magnus Brechtken - Albert Speer. Eine deutsche Karriere

Seit 1931 NSDAP-Mitglied und bald ein Vertrauter Hitlers, wurde Albert Speer rasch zum Architekten des Rassenstaates. Im Krieg engagierte er sich als Rüstungsminister unermüdlich für den totalen Kampf und die Vernichtungsmaschinerie. Gleichwohl behauptete er nach Kriegsende, stets distanziert, ja eigentlich unpolitisch und gar kein richtiger Nazi gewesen zu sein. Magnus Brechtken zeigt, wie es Speer gelang, diese Legende zu verbreiten, und wie Millionen Deutsche sie begierig aufnahmen, um sich selbst zu entschulden.

Ich erzähle ja immer wieder gerne die Anekdote von meinem ehemaligen Nebenjob-Kollegen. Nach einer Museumsführung mit einer sehr sympathischen Gruppe älterer Australier kam einer von denen auf ihn zu, klopfte ihm jovial auf die Schulter und erkundigte sich in fröhlichem Ton: "So, tell me, Marcus, who is your favourite Nazi?" Das eigentlich erstaunliche daran ist, dass jeder von uns, die wir davon hörten, diese Frage beantworten konnten, wenn wir "favourite" eher übersetzten als "derjenige, bei dem du völlig irritiert bist, wenn du etwas über ihn erfährst." Und wir alle konnten zumindest eine Einigung finden: derjenige, der für diesen Titel nicht in Frage kommt, ist Albert Speer. Deshalb war ich neugierig darauf, diese Biografie zu lesen, und habe mich sehr gefreut, als das bloggerportal mich dafür ausgesucht hat.

Wersich hier jetzt ein schnell zu lesendes Buch vorstellt, dass von Geburt bis Tod chronologisch Speers Leben schildert, könnte das Buch schon sehr bald ein wenig genervt aus der Hand legen. In dieser Biographie analysiert Magnus Brechtken erstmals wirklich ausführlich Speers Selbstbild vom Architekten und zerlegt es mehr als nur konsequent. Dabei geht er zwar weitestgehend chronologisch vor, strukturiert die Abschnitte ber auch noch thematisch und kommt so immer wieder zu Dopllungen in Erzählung oder Beleg. Detailliert zeigt er immer wieder eins: dass Speer nicht der naiv-weltfremde Baukünstler war, der irgendwie in den Nationalsozialismus gestolpert ist und eines Tages - huch, wie ist denn das passiert - vor Gericht stand, sondern jemand, für den der Ausdruck "karrieregeiler Blender" wie gemacht scheint. Von Anfang an baut er sich schon während des Dritten Reichs ein Image als "einer von euch" auf, entwirft das Gegenbild zu Figuren wie Göring oder Himmler. Und nutzt jede sich bieende Gelegenheit, um seine Karriere als der Star-Architekt des Nationalsozialismus voranzutreiben und seine Ideen von der "Neuen Deutschen Baukunst" durchzusetzen. Nach dem Krieg nutzt er dann seinen Sympathiebonus dafür, ganz bewusst ein Narrativ über das Dritte Reich zu schaffen, das bis heute zum Teil kolportiert wird, einfach weil es so oft wiederholt wurde. Gerade diese Krtik und Darstellung fand ich im Buch sehr interessant, weil ich gestehen muss, dass anscheinend auch ich bei den Führungen gelegentlich darauf zurückgegiffen habe.

Die umfangreiche Sektion von Speers Motiven und Handlungen führt allerdings im Buch streckenweise zu ganz schönen Längen, bei denen ich oft längere Zeit pausiert habe. Aus Lesersicht wären zwei oder drei weniger Beispiele immer ganz schön gewesen - aus der Sicht des Historikers ist es hervorragend, dass Brechtken hier wirklich detailliert arbeitet und alles belegt (ich bin ja erst erschrocken, als ich die Seitenzahl gesehen habe, allerdings sind knapp ein Drittel davon dann Fußnoten und Anhang gewesen). Gelegentlich werden Bilder als Unterbrechung und Ergänzung mit eingefügt, von denen ich mir ein paar mehr gewünscht hätte. Insgesamt aber war das eine extrem lohnenswerte Biographie, die meinen ereader vermutlich nie wieder verlassen wird.

Dienstag, 1. Mai 2018

[In eigener Sache] Kurzes Lebenszeichen

Ich bin noch da und es ist alles gut - aber in den letzten zwei Monaten hatte ich abends kaum Energie übrig, um mich aufecht auf der Couch zu halten, von Bloggen ganz zu schweigen. Der Grund dafür ist inzwischen sechs Zentimeter lang und wird im November für einigen Trubel sorgen - Baby Nummer 2 hat sich plötzlich dazu entschieden, in unser Leben zu treten ;-)

 Die Auswertung für die USA-Challenge für März, April und Mai werde ich deshalb Ende Mai in einem Gesampost machen, wenn ich es mal schaffe, mich konzentriert auf dem Bildschirm zu halten. Und jetzt hoffe ich, wenigstens ein paar Rezensionsexemplare besprechen zu können, die mich schon sehr vorwurfsvoll vom Regal anschauen.


[Buchgedanken] Andy Weir - Artemis

Jazz Bashara ist kriminell. Zumindest ein bisschen. Schließlich ist das Leben in Artemis, der ersten und einzigen Stadt auf dem Mond, verdammt teuer. Und verdammt ungemütlich, wenn man kein Millionär ist. Also tut Jazz, was getan werden muss: Sie schmuggelt Zigaretten und andere auf dem Mond verbotene Luxusgüter für ihre reiche Kundschaft. Als sich ihr eines Tages die Chance auf einen ebenso lukrativen wie illegalen Auftrag bietet, greift Jazz zu ...

Dieses Buch ist in meinem amazon-Korb gelandet, kaum dass es ein Veröffentlichungsdatum gab. Nachdem mich "Der Marsianer" ja wirklich extrem begeistert hatte, wollte ich einfach wissen, ob Weir es schafft, mich auch diesmal für Science-Fiction und Naturwissenschaften zu begeistern. Und ich kann schon einmal vorneweg sagen, dass er es mit einigen Abstrichen auch tut.

Wirklich schwach fand ich zunächst einmal die Figuren in diesem Buch. Immerhin, Weir schafft es ziemlich überzeugend, aus der Sicht einer Frau zu schreiben, ohne die ganze Zeit über ihr Aussehen zu schwadronieren. Aber ehrlich gesagt ging mir Jazz ziemlich auf den Keks. Die schnoddrige Art von Mark Watley wird hier leider so stark überzeichnet, dass ich jedesmal irritiert war, wenn sie ihr tatsächliches Alter nennt. Sie wirkt ungefähr so reif wie eine Sechzehnjährige, über deren Verhalten sie sich die ganze Zeit echauffiert, aus der sie aber einfach nicht herausgewachsen ist. Die übrigen Personen bleiben leider ein wenig blass und sehr eindimensional, sie machen eg´her die Klischeebesetzung in einem Gangster-Buddy-Movie aus.

Während "Der Marsianer" den Leser und seinen Protagonisten in eine Extremsituation geworfen hat, ist "Artemis" zwar angesiedelt in einem völlig anderen Umfeld, das stellt für Jazz aber ihren Alltag dar. Dementsprechen hält sich Weir weniger damit auf, dem Leser Dinge zu erklären, die nicht wichtig sind für die Hnadlung des Romans. Wir erfahren also zwar einige Dinge über die Polizeistreitkräfte in Artemis, über die Versorgung mit Sauerstoff und den Aufbau der einzelnen Kuppeln, aber er geht dabei viel weniger ins naturwissenschaftliche Detail. Das ist jetzt nicht unbedingt vollkommen schlecht, aber mich hatte grade am ersten Buch fasziniert, dass ich viele Dinge verstanden habe, an denen sich meine Lehrer damals die Zähne ausgebissen haben. In "Artemis" lernt man dafür jede Menge Dinge über Schmelzen und Schweißen, was für mich leider ein wenig ermüdend war. Viel lieber hätte ich noch viele Informationen über die Organsiation des Alltags in Artemis bekommen. Solche Informationen wie der Fakt, dass Artemis kenianischer Staatsboden ist - eine tolle Idee, nebenbei, mal ein Land zu nehmen, das man nicht sofort im Weltall vermutet :-) - hätten für mich viel mehr Leben ins Buch gebracht, viel mehr Realismus in die Science Fiction. Dann hätte auch die eher schwache Handlung - effektiv hatten sowohl mein Freund als auch ich nach kurzer Zeit das Gefühl, dass alles rausläuft auf "Oceans 11 im Weltall" - mit einigen eher redundaten Strängen ("Ach sieh mal an, der ist schon wieder da") deutlich gewonnen, weil ich mich im Buch viel mehr wohl gefühlt hätte. So ist das Buch eben vor allem Popcornkino, das aber nicht den Woah-Effekt hat, den "Der Marsianer" zaubern konnte.


Freitag, 13. April 2018

[Rezensionsexemplar] Alyson Richman - Abschied in Prag

Lenkas und Josefs Geschichte beginnt im Prag der 1930er Jahre. Kurz nach ihrer Heirat werden die jungen Liebenden beim Einmarsch der Deutschen auseinandergerissen. Josef emigriert, arbeitet als Arzt in New York, heiratet. Lenka entrinnt im Konzentrationslager dem Tod nur knapp und beginnt nach dem Krieg ein neues Leben in den USA. Obwohl sie glauben, einander nie wiederzusehen, vergessen sie ihre Liebe nie. Bis sie sich sechs Jahrzehnte später in New York zufällig begegnen…

Es gibt Bücher, die werden einem wirklich von allen Seiten empfohlen. Die man sich dann auf die Merkliste setzt und trotzdem sehr lange erstmal nicht für sich besorgt, weil man Angst hat, enttäuscht zu werden oder dem Buch nichts abgewinnen zu können. Und leider zählt mein Rezensionsexemplar von "Abschied in Prag" für mich zu genau diesen Büchern. Warum das so ist, kann ich aber ziemlich genau festmachen.

Als ich das erste Kapitel des Buchs las, dachte ich noch "Ui!", denn es fängt mit einem ziemlichen Knalleffekt an, nämlich dem Wiedersehen nach sechzig Jahren. Also hätte ich dann erwartet, dass ich den beiden in den folgenden Seiten Schritt für Schritt folge, aber tatschlich erlebe ich immer nur Ausschnitte, die dann wieder unterbrochen werden von anderen Zeitebenen. Leider bleibt vor allem Josef einfach unglaublich blass und verschafft mir nicht wirklich Zutritt zu seinem Gefühlsleben. Ja, das wird alles erzählt und ständig gesagt, wie er leidet oder wie er sich schuldig fühlt oder wie er irgendeine Emotion hat ... aber es wird mir eben einfach nur erzählt. Ich bin nie wirklich dabei, er lässt mich nicht an sich ran und je länger das geht, desto mehr frage ich mich, warum die Autorin überhaupt seine Seite mit reingebracht hat. Lenka dagegen wird sehr ausführlich erzählt, aber auch hier schaffe ich es nicht, mich in die Figur hineinzuversetzen. Lenka ist so gut, so nett, so heldenhaft, ... aber so richtig verwickelt in irgendetwas ist sie nicht. Sie interessiert mich als Person irgendwann nicht mehr so richtig, ich lese halt über sie, weil es sonst niemand anderen gibt, aber das alles ohne groß selbst eingesogen zu werden.

Je länger ich im Buch las, desto mehr hat sich in meinem Kopf leider ein Wort gebildet, das ich selbst nicht mag. Holocaust-Romanze. Der gesamte Komplex des Holocaust dient letztlich nur dazu, einen möglihst tragischen Hintergrund für zwei eigentlich sehr langweilige Figuren zu bilden, die nicht zusammenkommen können, Und das finde ich ehrlich gesagt richtig furchtbar. Als wäre Theresienstadt nicht schlimm genug, als würde es nicht ein Setting für einen Roman bilden, in dem man mit realen Personen so viele Sachen darstellen könnte. Als wäre die mir bis dahin nicht bekannte Schneewittchen-Wand in Auschwitz nicht wirklich ein tolles Bild gewesen, dessen Entstehung man hätte zur Handlung eines ganzen Kapitels in einem Roman hätte machen können (statt es in einem Nebensatz zu erwähnen) - nein, stattdessen wird mit dem allgegenwärtigen Tod auf die Tränendrüse gedrückt, weile s ja so gemein ist, dass die arme Lenka ihren armen Josef nicht mehr hat. Geigenmusik im Hintergrund und feuchte Augen, das ist Nicholas Sparks. Und ich finde einfach, dass so eine Behandlung dem Thema nicht gerecht wird, sondern eher so wirkt, als hätte die Autorin nach einer einfachen Möglichkeit geuscht, um möglichst tragisch möglichst viele Bücher verkaufen zu können.

Freitag, 30. März 2018

[Rezensionsexemplar] Lionel Davidson - Die Rose von Tibet

Januar 1949: Der britische Filmemacher Hugh Whittington soll auf einer Expedition in der Nähe des Mount Everest ums Leben gekommen sein. Doch sein Stiefbruder Charles gelangt an Informationen, die ihn an Hughs Tod zweifeln lassen. Er ist entschlossen, nach Tibet zu reisen und ihn zu finden, doch die Grenzen des Landes sind abgeriegelt. Auf gefährlichen Pfaden gelangt Charles schließlich ins verbotene Land, wo sein Bruder sich in einem Kloster aufhalten soll. Doch statt auf Hugh trifft er dort auf eine faszinierende Frau mit einem tödlichen Geheimnis …

Mount Everest. Mein Schicksalsberg. Kaum sehe ich diesen Namen, muss ich natürlich zuschlagen und habe mir deshalb dieses rezensionsexemplar beim bloggerportal gewünscht. Ich muss ehrlich gestehen: Um ein Haar hätte ich das Buch nach den ersten Seiten abgebrochen. Denn leider hat mich der zu stark an den totalen Reinfall mit den Nazi-Yetis von Dan Simmons erinnert. Dass die Sprache dann auch noch extrem antiquiert wirkte - was daran liegt, das das Buch erstmals 1962 erschienen ist - hat es mir nicht leichter gemacht, am Ball zu bleiben. Zum Glück hatten wir dann aber zwei Tage schneefrei an der Schule, sodass ich die Zeit einfach genutzt habe, um mich durch den Anfang zu kämpfen, den ersten Teil in rasantem Tempo zu verfolgen und dann in Teil zwei immer wieder Fragezeichen ins Auge zu bekommen, weil ich mich fragte, was Lionel Davidson genommen hat, um so abzudriften. Aber der Reihe nach.

Der erste Teil des Buchs, nachdem es mit einer erfundenen Rahmenhandlung als echt identifiziert wird, ist ein wirklich spannender Roman. Ein Abenteuerroman im klassischen Sinn, wie ihn auch ein Jules Verne hätte schreiben können, bei dem ich dieses fremde Land Tibet so deutlich vor Augen geführt bekomme, als wäre ich selbst dort. Die eingeführten Figuren sind interessant gezeichnete Charaktere und der tatsächliche historische Hintergrund über die Annektion Tibets wird interesant eingearbeitet, auch wenn ich nicht komplett von den historischen Details überzeugt bin. Leider schlägt das Buch dann aber im zweiten Teil einen eher wenig betretenen Pfad ein und wird merh und mehr zu einer esoterischen Reise. Diese ist zwar immer noch in einem Stil geschrieben, der mich am Ball bleiben lässt, ich finde das aber so abgedreht, dass sich in mir immer wieder alles geperrt hat und ich für diesen Teil dann deutlich länger gebraucht habe. Dadurch hat ein eigentlich spannendes Buch dann wirklich zwei Sterne verloren (eigentlich 1,5 aber ich kann ja nur runden), und ich empfehle den Roman eingeschränkt begeistert weiter. Immerhin keine Nazis, also eine Steigerung zu Dan Simmons.

[Rezensionsexemplar] Jan-Philipp Sendker - Das Geheimnis des alten Mönches

»Ich habe Burma seit 1995 mehrere Dutzend Male bereist, und bei den Recherchen für meine Romane Das Herzenhören und Herzenstimmen wurden mir immer wieder Märchen und Fabeln erzählt. Zum einen waren das bewegende Geschichten, die von dem mythologischen Reichtum der verschiedenen Völker Burmas erzählten, von der Spiritualität der Menschen und wie tief buddhistisches Denken die Gesellschaft über Jahrhunderte geprägt hat. Andere waren so fremd und skurril und kamen ohne eine sich mir erschließende Moral aus, sodass ich sie gar nicht einordnen konnte. Wieder andere erinnerten mich an die Märchen meiner Kindheit, nur dass hier Affen, Tiger, Elefanten und Krokodile die Fantasiewelt bevölkerten statt Igeln, Eseln oder Gänsen. Die Lehren, die sie vermitteln wollten, ähneln denen der Brüder Grimm oder Hans Christian Andersens und ich verstand, wie sehr sich alle Kulturen in ihren Mythen aus dem universellen Fundus menschlicher Weisheit bedienen.«

Ich hatte mir dieses wunderschöne Rezensionsexemplar beim bloggerportal gewünscht und mich schon beim Auspacken gefreut über ein Buch, das nicht nur neu riecht, sondern sofort Lust macht, es aufzuschlagen, weil bereits das Titelbild fasziniert. Jan-Philipp Sendker hat hier eine Anthologie zusammengestellt, die mich als Leser ganz tief einführt in eine völlig andere Denkweise und Lebensart, und nirgendwo zeigt sich das vielleicht deutlicher als in den Märchen und Fabeln. Ja, bestimmte Versatzstücke ähneln einander, andererseits aber gibt es so deutliche Unterschiede zwischen dem christlichen und dem buddhistischen Denken, dass ich beim Lesen immer mal wieder untebrechen musste, um das zu überdenken.

Ich kann nicht genau bewerten, inwieweit Sendker die Geschichten selbst erzählt oder es sich um die typische Märchensprache Asiens handelt, aber ich kann zumindest sagen, dass diese Sprache einen gewissen Zauber hat, den ich bei den klassischen europäischen Märchen auch empfinde. Lyrisch und mitfühlend, würde ich es bezeichnen. Auch das ermögliht natürlich einen gewissen Einstieg in die Kultur, wenn man kennenlernt, wie Menschen miteinander sprechen und agieren. Da hilft es auch ein wenig, wenn Sendker zumindest am Ende einen kleinen Ausblick gibt, welche Veränderungen die Gesellschaft in Myanmar prägen.

Alles in allem ist das ein Buch, das mein Regal sehr sehr lange begleiten wird. Ich bin immer noch fasziniert und beeindruckt. Vielen Dank, dass ich das lesen durfte :-)