Sonntag, 28. August 2016

[Buchgedanken] Rosa Zapato - Der Duft des Regenwalds

Als die junge Malerin Alice Wegner 1903 in Veracruz eintrifft, will sie eignetlich nur ihren Bruder treffen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft erfährt sie, dass er gestorben ist, ermordet nach einem alten Maya-Ritual. Welchen grund kann es geben, einen jungen archäologen zu beseitigen? Alice gibt nicht auf und stößt dabei auf das Geheimnis einer Maya-Prinzessin ...

Versuchen wir bei dieser Rezension mal einen anderen Ansatz. Stellen wir uns doch erst einmal die Frage, warum ich dieses Buch lesen wollte.

Punkt eins: es spielt in Mexiko. Neues Land, neue Punkte - yay. *häkchen an meiner Landkarte mach* Punkt zwei: der Klappentext klang ziemlich cool. Hey, altes Geheimnis, Maya, Mord! Das sind die Zutaten, aus denen wird bei manchen Autoren ein Mystery-Thriller mit allem drum und dran, klingt doch gut! Dass da außerdem die Rede davon ist, dass einem das Buch Mexiko vor alle Sinne führt, klang noch besser. Und drittens (und ja, das hat mich tatsächlich dazu gebracht, das Buch mitzunehmen) habe ich mich gefragt, wie dieser Inhalt dann in Verbindung steht zu diesem kitschigen Titelbild, das der Piper-Verlag gewählt hat und dessen titelfliegender pinker Schmetterling gemeinsam mit einigen Artgenossen jedes einzelne Kapitel einleitet. Entweder verbirgt sich hinter diesem Buch ein ziemlich cooler Thriller oder eine herzzerreißende Liebesgeschichte, aber wie soll das beides verbunden werden? Die Neugier war geweckt.

Der Einstieg war erst einmal typisch gewählt für den Stil des "großen geheimnises aus der Vergangenheit". Eine Maya-Königin wird geschildert, deren Stadt überfallen wird und der Palast muss deshalb fliehen. Allerdings ist mir so ein bisschen unklar, worauf das alles hinauslaufen soll, denn abgesehen davon passiert nichts, kein Geheimnis wird angedeutet und die Mayakultur wird nur so angerissen ins Spiel gebracht, dass ich eher irritiert bin. Dann bricht die Vergangenheit auch schon ab und wir landen in Berlin 1903 bei der Hauptfigur Alice.

Alice soll wieso oft das Bild der emanzipierten jungen Frau bieten, die sich von den Zwängen der Gesellschaft befreit und bla bla bla, ihr kennt das ja. Selbstverständlich lebt sie alleine, selbstverständlich ist sie von ihrer Familie verstoßen, selbstverständlich trägt sie mit Vorliebe hochgeschlossene Blusen und hochgestecktes Haar (und auch wenn sie blond ist, habe ich bei ihr sofort 1:1 Raquel Welsh in "Die Mumie" vor Augen). Und selbstverständlich liebt sie ihren Bruder heiß und innig. Der ist übrigens meiner Meinung nach noch schlimmer gezeichnet und trägt den liebenswerten Vornamen Patrick. 1903. Zu seiner Geburt so um 1880 herum war das ja der total angesagte Name, kam gleich hinter Jeremy-Pascal. Dieser Patrick soll jetzt also besucht werden im fernen Mexiko. So reist sie denn per Dampfer und macht doch natürlich sogleich Bekanntschaft einer mexikanisch-deutschen Familie, die so herzhaft klischeelastig geschildert wird, dass es fast eine Schande ist, dass sie danach nie wieder auftauchen. Dafür tritt in Veracruz gleich das nächste Klischee aus der Mottenkiste in gestalt von Juan Ramirez. (Ja, das ist sein Vor- und sein Nachname, aber nicht nur ich, auch die Autorin scheint dem feurigen Südländer so verfallen zu sein, dass sie gleich immer den Komplettnamen verwendet. Stellt euch bitte im folgenden nach seinem Namen noch einen feurigen Kastagnettenschlag oder sowas vor). Juan Ramirez ist DER Mann der feuchten Höschen. So sexy. So galant. So wunderbar. So spanisch! bereits nach drei Sätzen hängt er mir zum Hals heraus.

Immer noch erfahren wir nichts über diese Maya-Prinzessin in der Vergangenheit, stattdessen geht es jetzt weiter zur Plantage eines weiteren Deutschen, wo Patrick gewohnt hat. Jetzt sollte eigentlich der Teil losgehen mit "ich will herausfinden, wer meinen Bruder getötet hat", also die Krimihandlung. Die hat sich aber anscheinend im Regenwald verlaufen, denn stattdessen hören wir quasi nur noch, wie toll doch Andrés ist. Wer ist denn jetzt das schon wieder??? Der mögliche Mörder ihres Bruders, dem sie zur Flucht verhilft und der dann doch zu ihr kommt oder auch irgendwie nicht oder ... ach ersnthaft, es ist mühselig, dieses Gesabbel nachzuerzählen, auf dem sich die nächsten 300 Seiten hinschleppen, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. dieses Buch verliert mit zunehmender Seitenzahl mehr und mehr die Handlung und irgendwann ist es dann zu Ende und da taucht dann mal wieder die Königin vom Anfang auf. Fertig.

"Der Duft des Regenwalds" ist für mich nicht einmal ein Cody-Buch. Es ist keins, über das ich mich aufregen könnte, weil es selbst dazu zu belanglos ist. Es erweckt Erwartungen durch geschicktes Verlagsmarketing und die werden ann samt und sonders enttäuscht. Es bleibt nichts zurück, noch nicht einmal ein Gefühl für Mexiko - außer dem Gefühl, seine Lesezeit echt verschwendet zu haben.
 

Samstag, 27. August 2016

[Buchgedanken] Alan Drew - Die Wasser des Bosporus

Als 1999 ein Erdbeben Istanbul verwüstet, bricht die Existenzgrundlage des 42-jährigen Sinan zusammen. Der kurdischstämmige Ladenbesitzer kann gerade noch Frau und Tochter retten, sein Sohn wird er einige Tage später lebend unter den Trümmern des früheren Wohnhauses geborgen. Der sonst so stolze Mann ist plötzlich völlig abhängig von der Hilfe Fremder, und während sich seine Frau von westlichen Hilfsorganisationen unterstützen lässt und sich die Tochter in einen amerikanischen Nachbarsjungen verliebt, klammert er sich immer mehr an die Traditionen und seine Herkunft, die das einzige sind, was ihm geblieben sind ...

Erst einmal ein großes Kompliment an den Autor. Als Amerikaner ausgerechnet aus der Sicht eines relativ ungebildeten Kurden aus den bis heute unruhigen Gebieten der Osttürkei zu schreiben, das hätte stark in die Hose gehen und in einer Aneinanderreihung von Klischees enden können. Aber das ist es nicht - im Gegenteil. Ihm gelingt es, seine Figuren samt und sonders authentisch zu gestalten und dem Leser die Möglichkeit eines Perspektivwechsels zu geben. Ich verstehe sowohl Imre, die Tochter, die aus der engen Welt ihres Elternhauses ausbrechen möchte und das mit amerikanischen Fernsehserien und heimlichen Zigaretten versucht, als auch Sinan, der eigentlich nichts anderes will als seine Familie zu beschützen und dabei einen Fehler nach dem anderen begeht ohne es wirklich zu wollen, aber auch ohne seine Sichtweise vielleicht zu hinterfragen. Im Gegensatz zu "Drachenläufer" wurde mir bei dem Buch wirklich eine andere Sichtweise vermittelt, sodass ich sie nachvollziehen und mich einfühlen konnte, und ich finde grade angesichts der aktuellen Debatten über den Islam tut es ganz gut, sich auch einmal in diese Sicht einzudenken zu versuchen. Dass das ganze dann auch noch in einem sehr gelungenen Sprachstil geschieht, der mich beim Lesen einerseits mitreißt und mir andererseits ermöglicht, die angesprochenen Diskussionsebenen direkt nachzuvollziehen. Ich erlebe Argumentationen, statt sie einfach nur zu lesen. Und genau deshalb war das Buch eines der Highlight in diesem Jahr :-)

[Buchgedanken] Rafik Schami - Eine Hand voller Sterne

Ein Bäckerjunge in Damaskus führt Tagebuch über seinen Alltag. Das ist effektiv die Zusammenfasung des Inhalts eines bezaubernden Jugendbuchs, das ich vor Jahren schon einmal gelesen und einfach komplett vergessen hatte.

Was zunächst wenig spannend klingt, entpuppt sich als ein wirklich fließender Einblick in das Leben in Syrien in den Fünfzigern. Verliebt in die hübsche Nadia und mit Wunsch ausgestattet, Schriftsteller zu werden, beobachtet der Junge seine Nachbarschaft mit offenen Augen. So wird der Leser Zeuge der kleinen und großen Alltagsdramen von Ehebruch bis dem Verzicht auf Träume. Doch noch mehr steckt in dem Buch, denn in Syrien herrscht eben nicht nur Friede und freude, sondern ein System der Denunziation. Der Geheimdienst nimmt Verhaftungen vor und so gerät auch der Journalist Habib, mit dem sich der Ich-erzähler angefreundet hat, in die Mühlen der Justiz. All das wird für jugendliche Leser geschildert, das heißt, viele Dinge werden eher angedeutet als explizit geschildert. Das kann natürlich dazu führen, dass man ohne Hintergundwissen mit dem Buch auch überfordert wird, dass man die sehr realistischen Schilderungen eher an sich vorbeifließen lässt und nicht selbstständig einordnet.

Was das Buch dann aber selbst beim uninformierten Leser zurücklässt, ist zumindest Schamis Sprache. Der Erzählduktus fließt so unglaublich leicht und sanft durch Damaskus, dass ich einfach darin versunken bin. ja, ich weiß, ich kenne es von meinen Schülern, denen ist das relativ egal, aber wenn man einen Jugendlichen vielleicht auch mal dazu bringen möchte, Sprache genießen zu lernen, dann sei einem dieses Buch ans Herz gelegt. Mich zumindest hat es begeistert und diesmal werde ich sicher nicht vergessen, es gelesen zu haben.

[Buchgedanken] Guy Delisle - Aufzeichnungen aus Jerusalem

Da seine Frau im Rahmen der "Ärzte ohne Grenzen" nach Israel geht, zieht die Familie Delisle, die inzwischen aus Vater, Mutter und zwei Kindern besteht, wieder einmal um. Für ein Jahr richtet man sich also ein in Jerusalem, der heiligen Stadt für gleich drei große Weltreligionen, und damit auch mitten hinein in ein Land, das seit seiner Gründung zwischen Bedrohung und Bedrohen schwankt. Während seine Frau täglich in den Gazastreifen fährt und dort die berühmt-berüchtigte Mauer überqueren muss, macht sich der Comiczeichner an ein neues Projekt: das Leben in Israel und Palästina zu entschlüsseln und den Alltag im Leben eines Landes zu erfahren, in dem man an jeder Ecke auf völlig verrückte Dinge stoßen kann ...

Ich hatte so lange schonmal wieder einen Comic lesen wollen und dann bin ich in der Stadtbibliothek über den hier gestolpert. Guy Delisle kannt eich bereits durch "Pjöngjang" und ich war gespannt, ob auch seine Israel-Aufzeichnungen mich wieder fesseln udn gleichzeitig zum Schmunzeln bringen können. Die Antwort lautet: ja, unbedingt. Das liegt vor allem in den sehr reduzierten Panels, in denen auch die Texte nur sparsam eingesetzt werden. Sehr oft zu sehen sind Panels, in denen Landschaft oder Gebäude im Zentrum stehen, insbesondere die Mauer um den Gazastreifen. Hier fährt Delisle immer wieder entlang und schafft es, das Gefühl der Bedrohung und gleichzeitig das Gefühl der Aussperrung gleichzeitig für den Leser zu zeigen. Ich war extrem fasziniert von den geschilderten Lebensumständen in Israel, insbesondere für die palästinensische Bevölkerung in der Westbank. Die Ausflüge an Universitäten zu israelischen und zu palästinensischen Studenten waren ebenfalls sehr spannend, vermitteln sie doch völlig unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben, die Delisle einfängt, ohne sie zu bewerten.

Überhaupt ist es das, was mir an den Aufzeichnungen sehr gefallen hat, man erhält als Leser die Chance, seine eigene Position zu finden, ohne in die eine oder die andere Sicht gedrängt zu werden. So wie der Autor auch einfach reingeworfen wird in dieses Leben, geht es dem Leser, und das ist die größte Stärke des Buchs.

[Buchgedanken] Stefanie Gercke - Ich kehre zurück nach Afrika

1959 wird die junge Henrietta von ihrer Familie aus Hamburg zu Verwandten nach Südafrika geschickt. eigentlich zru Bestrafung, doch Henrietta kann es nicht erwarten, dem engen Leben in Deutschland zu entkommen. In Südafrika ist sie fasziniert von dem neuen Kontinent, gleichzeitig erlebt sie aber immer stärker, wie sehr das Land durch die Rassentrennung gespalten ist. Als sie den Schotten Ian heiratet, gerät sie immer stärker in Konflikt mit den Obrigkeiten und muss schließlich um ihr neuaufgebautes Leben fürchten ...

Positives zum Buch: ich kann Südafrika auf meiner Leseliste abhaken. Und es ist leicht zu lesen. Und wenn ich mir die Biografie der Autorin durchlese, dann hat sie vermutlichv iel von ihrer eigenen Geschichte im Buch in irgendeine Weise aufgearbeitet und das ist ja immer gut, so aus therapeutischer Sicht ...

Und jetzt kommt das Aber.

Ich hatte echt nicht viel erwartet. Der Klappentext klang bereits ein wenig nach verkitschtem Afrikaroman, aber das, was mir dann hier geboten wurde, das ist Rosamunde Pilcher gepaart mit "Reich und Schön" und einer Prise Exotik, damit man sich nicht langweilt. Die eigentlich doch recht politisch inspirierte Geschichte wird so zugekleistert mit dämlichen Handlungssträngen, dass es einfach zu viel des Guten ist. Mein persönliches Albtraum-Highlight ist diese völlig belanglose Eifersuchtsstory rund um den Ex und die Cousine, inklusive Mordanschlag und allem pipapo. Telenovelas können es nicht besser - und auch in den Dialogen hat sich die Autorin fast schon redlich bemüht, den Sprachduktus einer ZDF-Sonntagabendproduktion zu unterbieten, zumindest wir hier in Dialogen nicht einmal im Nebensatz gesprochen. Es ist nicht das schlechteste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe - da gibt es ganz andere Kandidaten - aber es ist so schrecklich belanglos plätschernd. Ein nettes Buch für Strandurlaube vielleicht, wenn man nicht großmitdenken möchte, ein bisschen Action haben will und ganz viel Gefühle. Merke also: orange-geprägte Titelbilder auf Afrika-Romanen sind als Warnhinweis zu verstehen. 

[Buchgedanken] Gaile Parkin - Kuchen backen in Kigali

Angel hat einen Ehemann, fünf Enkelkinder, die sie von ihren verstorbenen Kindern adoptiert hat, eine schöne Wohnung in Kigali, der hauptstadt Runadas. Vorallem jedoch ist Angel in Kigali die Institution für Kuchen. Nicht für langweilige Rührkuchen, sondern für kleine Kunstwerke - das hat sich inzwischen länger herumgesprochen unter den Anwohnern ihres Wohnblocks und deren Bekannten. Und so erhält die von den Wechseljahren geplagte Mitvierzigerin die Möglichkeit, nicht nur regen Anteil an Verlobungen, Geburten, Willkommens- und Abschiedspartys zu nehmen, sondern dadurch auch Einblick zu erhalten in die gesellschaft eines Landes, in dem 1993 der Völkermord an den Tutsi die weltöffentlichkeit schockierte ...

Ich gebe es zu, ich habe das Buch ja in erster Linie in die Hand genommen, weil "Kigali" nach "Land, das ich noch nicht erlesen habe" klang, der Inhalt war mir erst einmal egal. Insofern bin ich an das Buch sehr unbedarft gegangen und hatte mir lediglich erhofft, dass es vielleicht ein wenig so ist wie "Der Friseur von Harare", also ein Buch, das von einem einheimischen Autor einen Blickwinkel auf ein Land bietet, den unsere weiße-westliche Sicht ausgleichen und ergänzen kann. Allerdings muss ich sagen, dass mich das Buch in der Hinsicht ein bisschen enttäuscht hat, denn Gaile Parkin ist weder schwarz noch gebürtige Ruanderin, insofern ist es halt doch wieder ein durch die Brille gefiltertes Lesen. Und das führt dann auch dazu, dass in das Buch einfach mal alles reingestopft wird, was an Problematik in Ruanda auftauchen könnte - von Aidswaisen über den Völkermord zu alleinerziehenden Müttern und Bestechlichkeit - ohne dass eines davon wirklich mal vertieft wird oder mit mehr als nur ein paar Eckdaten versehen wird. Was es wirklich für das Leben in Ruanda bedeutet, erfahre ich als Leser einfach nicht und muss mich zufrieden geben mit so ein bisschen Einblick. Dafür ist das Buch ganz okay und wer zumindest einen Einstieg haben will in moderne afrikanische Literatur, der ist hier nicht ganz falsch. Es ist zwar keine Hochliteratur, aber nett für den Sommer. Und wenn man danach keine Lust auf Kuchen hat, dann weiß ich auch nicht ;-)

[Buchgedanken]Khaled Hosseini - Drachenläufer

Amir und Hassan sind fast gleich alt und wachsen gemeinsam in den Siebziger Jahren in Afghanistan auf. Während Amirs Vater einer erfolgreichen, sehr westlich orientierten Oberschicht angehört, ist Hassan der Sohn seines Dienstboten und Angehöriger der Minderheit der Hazara. Amir selbst ist wegen seiner musischen Interessen eine Enttäuschung für den Vater und versucht immer wieder, ihn zu beeindrucken. Nach einem Wettbewerb im Drachensteigen wird Hassan von einer Gruppe Jungen vergewaltigt - vor den Augen Amirs, der seinem Freund nicht zur Hilfe eilt. Aus Scham geht er sogar soweit, Hassan bei seinem Vater als Dieb anzuschwärzen, um nicht mehr täglich an sein Versagen erinnert zu werden. Jahre später, als die Taliban die Herrschaft übernommen haben und Amir und sein Vater längst emigriert sind, bietet sich nur die Chance, die Schuld von damals wieder gut zu machen ....

Dank der "Rund um die Welt"-Challenge habe ich es jetzt endlich geschafft, diesen Roman zu lesen. Wobei ich wirklich gestehen muss, dass ich schon ewig und ein paar Tage mehr das Buch im Regal stehen hatte und nie so wirklich die Inspiration gefunden hatte, mich damit auseinanderzusetzen. Irgendwie muss ich es geahnt haben, dass das Buch nicht so meins werden würde. Woran das liegt?

Zunächst einmal daran, dass Hosseini sehr, sehr schleppend erzählt. Ich habe fast 100 Seiten gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Sein Ich-Erzähler Amir ging mir dabei vor allem in seiner Jugend mitunter gewaltig auf den Senkel mit seiner sehr weinerlichen Art. Das war für mich einfach kein Lesegenuss, mit dem ich mich gerne in die Geschichte begeben habe, sondern in erster Linie extrem anstrengend. Gekoppelt ist das an sehr langwierige Darstellungen der afghanischen Gesellschaft und Landschaft - das war interessant, auf jeden Fall, gleichzeitig hat es aber die Handlung extrem gestreckt, so dass ich mehrfahc kurz davor war, das Buch einfach abzubrechen.

Besser wurde es erst effektiv nach der Flucht von Amir und seinem Vater, denn besonders die Darstellung des Exillebens mit dem Vater ist gut gewählt, der seiner gesellschaftlichen Stellung in Afghanistan nachtrauert und dennoch versucht, ein neues Standbein zu finden. Anders sieht es in Amirs Schwiegerfamilie aus, in der die traditionellen Strukturen aus der heimat noch sehr stark nachwirken. Und dennoch kann man verstehen, warum Menschen auch weit weg von ihrer Heimat versuchen, sich ein Stück davon zu bewahren durch ihre Traditionen oder Kleidung oder kulturelle und sprachliche Eigenheiten.

Warum ich aber einfach kein Fan vom Buch werde, ist die Tatsache, dass es so furchtbar konstruiert ist. Konstruiert sowohl in Bezug auf die Handlung, die schon sehr klischeehaft und zufallsbetont ist, und noch schlimmer auf die beim Leser hervorzurufenden Gefühle. Das ist alles hochdramatisch und grausam und tieftragisch - ein bisschen zu sehr Bollywood für meinen Geschmack. Die Figuren sind einfach wenig lebendig, sondern sie sind sehr scherenschnittartige Typen, die durch die Handlung gschoben werden, ohne dass ich sie wirklich greifen kann. Insbesondere Amir ist in seiner Dauerschuld so nervtötend, dass ich mit ihm nie mitgefiebert habe. Gekoppelt ist es dann an eine sehr, sehr idealisierte Schwarz-Weiß-Darstellung im Gut-Böse-Schema. Hier das wundervolle afghanische Königreich, der Hort der Literautr und Kultur, dort der böde patschunisch-nationalistische, hitlerverehrende deutsch-afghanische, pädophile Gegenspieler - so einfach ist es dann doch nicht, aber vermutlich wollte Hosseini nicht gerade das amerikanische Lesepublikum die frage nach der Verwikclung der USA in die afghanische Geschichte verschrecken. Schade eigentlich.

Was bleibt mir nun also vom Buch im Gedächtnis? Nicht viel, ehrlich gesagt. Einige wenige interessante Fakten über die Hazara und damit hat es sich. aber das ist immerhin etwas.


Sonntag, 7. August 2016

[Buchgedanken] Hermann Schultz - Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt

Temeo Kirschstein lebt in Afrika und ist der Sohn einer Afrikanerin und eines deutschen Geologen. Als sein Vater auf der Suche nach Edelsteinen in seiner Grube schwer verunglückt, steht die Familie plötzlich vor dem finanziellen Aus. Deshalb wird Tameo von seiner Mutter damit beauftragt, Geld aufzutreiben. Dies ist in Afrika genauso unangenehm wie überall sonst auf der Welt, aber Temeo entwickelt ein unglaubliches Geschick darin, jedem, den er begegnet, sei er Farmer, Fabrikbesitzer, Händler, Pfarrer oder Ordensschwester, einen Betrag aus den Rippen zu leiern ...

Ich habe dieses Buch vor einiger Zeit als Tipp bekommen, um Bücher zu lesen, die in afrikanischen Ländern spielen und auch mal andre Blickwinkel vermitteln. Darüber hinaus war ich eine Zeitlang vor allem stiller Mitleser in einer facebookgruppe über empowernde Kinderliteratur, also Bücher, mit denen vor allem Kinder, die nicht den heterogenen Bilderbuchfamilienhintergrund (Mama, Papa, zwei Kinder und alle weiß) haben, sich identifizieren können. Dazu wollte ich sowieso mal etwas schreiben, merke mir das also mal vor ... Jetzt aber zurück zum Buch.

Ich finde das Buch furchtbar. Punkt, aus, Ende. Natürlich kann ich diese Einschätzung begründen, schließlich handelt es sich hier nich tum irgendein Buch, sondern ein vielfach ausgezeichnnetes Kinderbuch, das sogar in der SZ-Kinderbuchbbliothek mit aufgenommen worden war. Aber wie gesagt, ich hatte von der ersten Seite an gewisse Probleme.
Das erste Problem war schon darin zu sehen, dass ich immer und immer wieder in der Zeit verrutscht bin. Das Buch spielt in der Gegenwart, das ist ziemlich eindeutig zu erkennen an den technischen Gegenständen im Buch. Aber die Darstellung allen voran der Schwarzen ist irgendwie ... so 19.Jahrhundert. Ganz ehrlich, dass Tameos Vater und seine Mutter verheiratet sind, merkt man im ganzen Buch nicht, sie nennt ihn konsequent bei seinem Nachnamen und verhält sich insgesamt eher wie eine Dienstbotin gegenüber dem Herrn als eine gleichrangige Ehefrau. Gut, kann man vielleicht mit kulturellen Unterschieden erklären, wobei die aus verschiedenen afrikanischen Ländern stammenden Frauen, die ich kenne, irgendwie alle nicht so sind. Dieses Verhalten von Mutter und Vater zieht sich auch durch die Beziehung zu den Kindern, auch da ist irgendwie icht wirklich eine Papa-Kind-Beziehung geschildert, wie ich sie mir vorstelle oder sie kenne, sondern es geht mehr um Abhängigkeitsverhältnisse.

Noch mehr gestört hat mich dann aber auch die Darstellung der restlichen schwarzen Bevölkerung als entweder völlig unfähig oder hilfsbedürftig. Hilfsbedürftig natürlich vor allem nach der Unterstützung der klugen Weißen, egal ob im Bereich des Minenbaus oder des alltäglichen Lebens - man merkt es bereits an der Auswahl der Personen, die um Unterstützung gebeten werden, Schwarze werden da konsequent aussortiert, weil die eh nicht weiterhelfen könnten. Hmmmm .... irgendwie überzeugt mich das nicht so richtig. Und dann kam die Szene, bei der ich ehrlich dachte, dass der Autor jetzt grade beim Schreiben einen mittleren Hirnaussetzer . Ein schwarzes Ehepaar fragt "Massa Kirschstein" um Rat bei ihren Eheproblemen - und der bedroht daraufhin die beden mit einer Nlpferdpeitsche und droht ihnen Prügel an, wenn sie nicht seinem Rat folgen! Bitte was??? Sind wir hier doch bei "Onkel Toms Hütte" und ich habe es nicht gemerkt? Mit welchen Recht nochmal kann der Herr sowas machen - und wieso zur Hölle geht das Paar danach friedlich und lachend ab und ist dankbar ob der Güte des Herrn, ihre Probleme gelöst zu haben?

Tut mir Leid, aber spätestens mit dieser Szene war es für mich erledigt, das Buch auch nur im Ansatz guten Gewissens weiterempfehlen zu können. Vermutlich merken wir als durchschnittlicher weißer mitteleuropäischer Leser in vielen Fällen gar nicht mehr, wie klischeelastig viele Kinderbücher tatsächlich sind. Denn klar, selbstverständlich erscheint es uns logischer, dass man die Weißen um Hilfe bittet, die schließlich reich sind und sich um die Bevölkerung sorgen. Aber ist das die Lebensrealität? Und ist es die einzige Realität, die wir hier in unseren Büchern darstellen wollen? Als kindlicher Leser projiziere ich selbstverständlich erst einmal meine eigene Erfahrungswelt in die Bücher, die ich lese. Als Kind war für mich zum Beispiel Maditas Birkenlund ein ziemlich deutsches Wohnhaus - erst als ich in den Filmen ganz andere Häuser sah, wurde mir klar, dass es in anderen Ländern anscheinend andere Hausstile gibt. Und ähnliches ist es, was ich bei empowernden Kinderbüchern als Vorstellung habe, dass sie andere Perspektiven vermitteln und den Horizont des Lesers erweitern. Was könnten jetzt meine potentiellen Kinder aus diesem Buch lernen?
Dass sie froh sein können, nicht in Tansania leben zu müssen, weil man 25 Kilometer zu Fuß gehen muss.
Dass der Vater die Familie ernährt und sein Tod dazu führt, dass der nächste Sohn "Herr im Haus" wird und für Geld sorgen muss.
Dass es okay ist, seine eigenen Vorstellungen mit Gewalt durchzusetzen.

Nee, irgendwie ist es nicht das, was ich möchte ...

Samstag, 6. August 2016

[Buchgedanken] Joseph Conrad - Herz der Finsternis

Auf einem Schiff an der Themsemündung in Gravesend erzählt der Seemann Marlow vier Freunden von dem wohl einschneidensten Erlebnis seines Lebens: Als Kapitän eines Dampfers im Kongo begab sich Marlow einst auf eine zwei Monate lange Reise in die Tiefe der Wildnis. Er stand im Dienste einer Kolonialgesellschaft, die im Dschungel Schätze sammelt und den Einheimischen unsinnige Regeln mit großer Brutalität aufzwingt. Auf der Suche nach dem skrupellosen Kolonialisten Kurtz dringt er in den Tiefen des rätselhaften Dschungels immer weiter in das unfassbare Dunkel, das Innere der menschlichen Seele vor und entdeckt das Grauen ...

Ich hatte bei meinem letzten Besuch zu Hause für die "Rund-um-die-Welt"-Challenge gnadenlos das Bücherregal meiner Schester geplündert, die im Klassikerbereich ein wenig besser ausgestattet ist, sodass ich tatsächlich auch einige in Afrika spielende Romane gefunden habe. "Herz der Finsternis" ist so ein Klassiker, dass ich mich dabei gefragt habe, warum ich den noch nie in die Hand genommen habe, als ich dann aber anfing zu lesen, wusste ich warum. Denn leider hat mich Joseph Conrad mit seiner Erzählung einfach so gar nicht fesseln können :-(

Es liegt vor allem an der getragenen Erzählweise, die mich beim Lesen nicht bei der Stange halten konnte. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass hier so gut wie gar nichts passiert, selbst in handlungsgetragenen Seiten. Die titelgebende Finsternis finde ich persönlich vor allem in der Tiefe des treibenden Kongo, von dessen Ufer Gefahren drohen. Die Darstllung der Kolonialisten ist relativ schonungslos, wenn auch Marlow vom Autor als die positive Figur herausgestellt wird. Seinen großen Gegenspieler hat er in Kurtz, der mir persönlich aber auch so schwarz gezeichnet ist, dass ich das Interesse an ihm verloren habe. Irgendwie war die große Anklage gegen den Kolonialismus zu viel für mich, war zu sehr von ... nicht von Klischee, aber von allem Negativen gekennzeichnet. Sehr verstehen kann ich, dass er die Darstellung von Marlon Brando in "Apokalypse Now" mit geprägt hat, vom Typ her sind das wirklich ähnliche Charaktere, wobei man Brando irgendwie noch nachvollziehen kann.

Diese Erzählung war für mich einfach viel weniger gut zu lesen als ich es erwartet hatte, es zieht sich und ist für mich auf jeden Fall nicht eines der Highlights des Jahres.

Sonntag, 19. Juni 2016

[Rezensionsexemplar] Sarah Fischer - Die Mutterglücklüge

Noch nie ist es mir so schwer gefallen, eine Rezension in Worte zu fassen, weil ich schon beim Lesen, noch mehr aber beim Schreiben ständig hin- und hergerissen wurde, wie ich das Buch nun eigentlich finde. Lesen wollte ich es unbedingt, sodass es sich angeboten hat, es mir über das bloggerportal auch zukommen zu lassen. Gelesen habe ich es dann wirklich innerhalb kürzester Zeit und es einfach nicht geschafft, meine Meinung in Worte zu fassen. Heute versuche ich es aber zumindest einmal ...

Sarah Fischer ist Ende Dreißig, als sie schwanger wird. Kein Unfall, kein wirklich mit allen Wassern geplantes Wunschkind, sondern so, wie man sich das einfach irgendwie wünscht: schnell, relativ schmerzlos und in einer so gefestigten Beziehung, dass klar ist, dass das schon werden wird. Sie ist selbstständig, hält Vortärge und reist viel im In- und Ausland, und schnell ist klar, dass dieses bisherige Leben und ein Kind doch nicht miteinander verinbar sind. Oder doch? Woher kommen eigentlich diese Bedenken, dass sie als Schwangere oder frische Mutter nicht in der Lage sein sollte, ein Projekt zu stemmen, dass es auch nötig macht, im Ausland unterwegs zu sein? Wieso gibt es, egal was sie macht, diese Blicke zwischen "krieg ertmal das Kind" und "also wirklich, wie kann sie nur ...". Als sie danns chlielich mit Kind auf dem Spielplatz steht und sich zwischen Babybreigesprächen und dem Schäufelchenklau langweilt, fängt sie an zu zweifeln. Bereut sie wirklich ihre Mutterschaft?

An dieser Frage scheitere ich auch ein bisschen. Ich glaube, der Titel des Buches führt ein wenig in die Irre. "Regretting Motherhood" ist der Titel einer Studie aus Israel, bei der letztes Jahr zum ersten Mal Frauen offenbarten: eigentlich, im Nachhinein betrachtet, finde ich Mutterschaft gar nicht so toll, wie sie immer verkauft wird. Ich gestehe ehrlich, dass ich mich da deutlich wiederfinde, obwohl bei mir erstmal nur die Schwangerschaft ansteht - aber ernsthaft, an den meisten Tagen könnte sich eine Schwangerschaft für mich auch gerne kürzer gestalten als vierzig Wochen ;-) Diese Studie wird von Sarah Fischer im Buch auch aufgegriffen, allerdings finde ich eben gerade nicht, dass es bei ihrem Fall wirklich ein Fall ist, bei dem sie ihre Mutterschaft bereut. Der Untertitel trifft es viel eher - sie bereut nicht die Mutterschaft, aber sie scheitert an einem System, dass trotz aller vordergründiger Gleichheit immer noch erwartet, dass eine Mutter ein bestimmtes Rollenbild erfüllt und, sollte sie das nciht tun, jede Menge Steine in den Weg legt. Diese Steine sind sowohl gesellschaftlich als auch strukturell bedingt.

Strukturell bedeutet Elternschaft immer noch finanzielle Einbußen, die eine Familie verkraften muss. Da müssen ab Geburt zweieinhalb Personen ernährt werden, dank Elterngeld hat man aber nur noch ein Einkommen und sechzig Prozent Zweiteinkommen. Immerhin sind wir in Deutschland ziemlich gut dabei, was Kindergeld angeht, andere Länder sind da durchaus knausriger. Oder man entscheidet sich, von Anfang an wieder arbeiten zu gehen, dann geht aber genauso ein großer Teil eines Einkommens drauf für die Unterbringung in einer Tageseinrichtung. Also arbeiten, damit man das Geld verdient, das man dafür ausgibt, arbeiten gehen zu können - oder doch zu Hause bleiben? Mal ehrlich, für die meisten Familien ist es keine große Frage der Selbstverwirklichung, sondern eine reine rechnerische Überlegung, wie man als Familie finanziell über die Runden kommt!

Gleichzeitig, und das ist vielleicht das schlimmere, sind wir hier in Deutsschland sehr stark geprägt von einem bestimmten Bild der Mutter. Der Sich-Kümmerin. Der Liebenden. Derjenigen, die keinerlei Problem damit hat, ei, zwei, drei Jahre ihre Tage daran auszurichten, Popos abzuwischen, Brei zu kochen und zu fördern. Und dieses Bild macht zunehmend Frauen auch Angst. Frauen, die in Positionen arbeiten, in denen sie geistig gefordert werden und anspruchsvolle Termine organisieren. Plötzlich ein anderes Betätigungsfeld, undd as klingt in der Stellenbeschreibung einfach nicht grade nach High-Life und Spannung. Ich gestehe ehrlich: auch ich habe Angst davor. Ich finde Babys alles andere als spannend. Mir ist egal, wer wann wie oft die Windel vollmacht, ob Eva-Lottchen ein Zahn wächst oder Fritzchen schon alleine sitzt. Genau darum drehen sich aber sehr oft die Gespräche von Müttern, die ich so mitbekomme als heimlicher Lauscher in Zug, Café oder sonstwo. Überhaupt, es geht imemr wieder um das "Richtige", das "Pädagogisch-Wertvolle", dem man als Mutter quasi genetisch verpflichtet sein muss - und alle anderen Entscheidungen sind egoistisch. Sarah Fischer wird von ihrem Umfeld so lange mürbe gemacht, bis sie eine tolle Jobchance aufgibt - weil sie das erste Sitzen ihrer Tochter verpassen könnte. Das SITZEN! Himmel hilf noch einmal, es kann sein, dass ich die ersten Worte meines Kindes verpasse, weil ich zu dem Zeitpunkt grade auf dem Klo sitze - muss ich sie etwa immer mitnehmen, um die wertvolle Eltern-Kind-Bindung nicht zu gefähren? Argumentiert wird bei diesen gesellschaftlichen Bewertungen nämlich immer damit  der Gefährung von Bindung oder der potentiellen Schädigung des Kindes. Dabei gibte s effektiv keine wirklichen Studien, die zeigen können, welche Auswirkungen etwas auf einen Menschen hat - wir können Kinder nämlich nicht nochmal reinschieben, nochmal gebären und dann etwas anders machen, um wirklich zu erfahren, welche Verhaltensweisen oder Eigenschaften tatsächlich umwelt- und erziehungsbedingt sind. Erstaunlicherweise machen solche Diskussionen über die Vaterrolle deutlich weniger Zeit aus - aber Mütter stehen, egal, was sie machen, unter Rechtfertigungsdruck.

Vielleicht liegt genau daran mein Problem mit dem Buch. Eigentlich hätte Sarah Fischer gar kein so großes Problem bekommen, hätte sie von Anfang an mit ihrem Mann eine Vereinbarung gemacht: Du kommst mit Babys besser zurecht, also bleib du zu Hause. Ich verdiene das Geld. Nein, du musst dich nicht Mama nennen lassen, wir teilen das einfach nur so auf, wie es für uns drei das Beste ist. Deshalb ist das Buch allerdings auch wichtig, deshalb ist die Diskussion, die auch sie mit dem Buch führt, weiterhin wichtig: weil wir als Gesellschaft lernen müssen, umzudenken. "Das Beste" für ein Baby - das ist nicht automatisch "Mama stillt und Papa verdient die Brötchen". "Das Beste" kann auch sein, dass Papa die Flasche gibt (oh Wunder, man kann auch abpumpen) und Mama in ihrem fordernden Job zwar selten zwei Wochen am Stück zu Hause ist, dafür aber verdammt gute Quality Time gibt. Oder in der beide Elternteile so arbeiten, dass es kein großes Gedrängel gibt mit Betreuungszeiten des Kindes. Oder in denen nur einer arbeitet und der andere den Haushalt führt. Egal, wofür sich eine Familie entscheidet: es ist "das Beste". Und es geht letztlich noch nicht einmal die Nachbarn an, warum es das ist.