Freitag, 24. Mai 2013

Peter Handke - Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

Der Monteur Josef Bloch war früher ein bekannter Tormann. Jetzt führt er ein Leben im Alltagstrott in Wien. Als er eines Morgens zur Arbeit kommt, schaut nur einer seiner Kollegen zu ihm, woraufhin Bloch glaubt, er sei entlassen worden. Er geht zu einem Taxi, lässt sich in die Stadt fahren, steift ziellos umher, lernt eine Kinokassiererin kenne, verbringt eine Nacht mir ihr, erwürgt sie, fährt weiter in einen Grenzort und ihm wird immer mehr klar, dass er mit dem Leben um sich herum nichts mehr zu tun hat ...
So würde ich diese Erzählung Handkes zusammenfassen und ja, so distaanziert ist sie letztlich auch geschrieben. Man muss schon sehr warmwerden mit diesem Buch, das eben kein locker-flockiges Fußballkomödchen ist, wie man es vielleicht durch den Titel erwarten würde. "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" ist eigentlich ein sehr geschickter Titel - denn wenn man sich mal in einen Torwart hineinversetzt, der den Gegner sieht und vor der Frage steht, in welche Ecke er wohl springen soll, dann steht der Mann vor einem unlösbaren Dilemma: denn natürlich denkt auch der Gegner, dass der Torwart denkt, der Gegner denkt, der Torwart denkt, der gegner denkt, der Torwart denkt die linke Ecke soll es werden - und wohin schießt man dann? So ungefähr fühlt sich Bloch in der Geschichte, das Leben um ihn herum steht still und läuft gleichzeitig in einem unebkanntn Takt, er selbst findet keinen Zugang mehr zu den Menschen und ihren Handlungen, alles erscheint seltsam, alles muss immer wieder neu sortiert und bewertet werden. In dieses Denken kann der Leser nicht eindringen, er erlebt Bloch ebenfalls nur von außen und muss dessen irrationales Handeln erklären und seine Motive rekonstruieren. Das Buch ist eine wahnsinnige Herausforderung beim Lesen, irgendwann habe ich es aufgegeben, es völlig verstehen zu wollen und mich einfach nur auf Handkes bodenständigen Erzählfluss eingelassen, der ohne Schnörkel und ohne Tamtam von einem Mann erzählt, der an der Welt um ihn herum scheitern muss. Wenn man mal wieder gehobene moderne Literatur lesen will, dann sollte man in Erwägung ziehen, zu Handke zu greifen :-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen