Dienstag, 14. Mai 2013

Josh Lieb - Ich bin ein Genie und unsagbar böse

Oliver Watson ist zwölf Jahre alt, ein bisschen zu dick und ein bisschen zu uncool. Und er besitzt den IQ des gegrillten Käsesandwiches, das ihm seine Mutter als Nachmittagssnack zubereitet. Zumindest ist das der Eindruck, den man von Oliver hat - und der trügt. Denn in Wirklichkeit ist Oliver der dreittreichste und intelligenteste Mensch der Welt und Chef eines internationalen Unternehmensrings, der offiziell durch einen von ihm ausgewählten alten Herrn geführt wird. Bloß, dass all diese Macht Oliver nicht wirklich befriedigt - denn tatsächlich will er das, was jeder Zwölfjährige will: die Achtung seines Vaters. Dumm nur, dass der sich so überhaupt nicht um seinen Sohn kümmert. Aber jetzt stehen in der Schule die Wahlen zum Jahrgangssprecher an - und es wäre doch ein Klacks für Oliver, würde er da nicht gewinnen ...
Mir hat Oliver beim Lesen wirklich verdammt Leid getan. Weniger in den total absurden Szenen, in denen er mit den täglichen problemen eines Pubertierenden zu kämpfen hat, der gleichzeitig cleverer ist als alle anderen, sondern vor allem in den Szenen mit seinem Vater. Hier ist Josh Lieb nicht nur ein bisschen böse, sondern wird richtig heftig. Wenn man als Leser Zeuge wird, wie der Vater vor den Ohren seines kleinen Sohns am telefon erklärt, er wünschte sich, keine Familie zu ahben, weil die für ihn eine Last ist - das ist harter Tobak und macht Olivers Versuche, seinem Vater endlich, endlcih nur ein einziges Mal ein Lob abzuringen, nur noch verzweifelter. Abgesehen von diesen Szenen ist das Buch aber vor allem eins: unglaublich witzig. Bedingt durch sein Vermögen stehen Oliver natürlich Arsenale an Möglichkeiten zur Verfügung, den Wahlkampf nach seinem Gusto zu manipulieren. Und so wird dann auch mal eine echte spin doctor angeheuert, um seinen Herausforderer zu pimpen, damit Olivers Sieg tatsächlich zum Sieg wird; Olivers unbekannte Personenschützer laufen zu Höchstformen auf und es wird bewiesen, dass man eine Kampfmaschine als dauersabbernden Hund tarnen kann. Diese völlig anarchischen gags und Ideen machen das Buch wirklich lesenswert, allerdings sollte man Olivers Gefühlslage wirklich ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen

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