Montag, 27. Mai 2013

Oliver Hilmes - Liszt. Biographie eines Superstars

Franz Liszt geht selbst in Bayreuth immer ein klein wenig unter neben seinem Schwiegersohn Richard Wagner. Viele seiner Kompositionen werden heute kaum noch gespielt (was ich persönlich schade finde) und über sein Leben weiß man tatsächlich sehr wenig. Oliver Hilmes, der seit seiner Biographie über Cosima Wagner in gewisser Weise zum Experten der Familiengeschichte geworden ist, hat sich ihm letztes Jahr angenommen und es ist jetzt endlich mal an der zeit, euch diese fantastische Biographie vorzustellen.

Franz Liszt kommt in Österreich-Ungarn zur Welt. Seine Eltern sind der Meinung, an ihm sei ein zweiter Mozart verloren gegangen und so wird der Knabe zum gefeierten Pianisten, der in Europa auf Konzentrtournee geht. Als junger Mann ist er kein kostverächter, seine Liebschaften sind zahlreich, aber schließlich geht er ein Verhältnis mit Marie Gräfin D'Agoult ein. Die ist einige Jahre älter als er, aber den beiden macht es nichts aus. Drei Kinder gehen aus der Beziehung hervor (Cosima wird später zunächst seinen Schüler, den Dirigenen Bülow, heiraten) und werden von den Eltern mehr oder weniger gekonnt ignoriert. Im Alter wird Franz Liszt zum Abbé geweiht, er wird fromm und storbt schließlich während der Festspielsaison einen ziemlich unbemerkten und durchaus nicht wünschenswerten Tod in Bayreuth. Soweit die Fakten.

Oliver Hilmes recherchiert dieses Leben sehr genau und detailliert, er zitiert aus Briefen Liszts, aber auch aus Cosimas Tagebüchern, die das Verhältnis zu ihren Eltern etwas genauer aufzeigen. Liszt, so stellt er fest, ist ein Mann, der sehr gerne an der eigenen Legende mitstrickt und nicht davor zurückschreckt, auch mal extreme Charakterwandlungen durchzuführen. Selbst im gesetzten Alter und als Abbé schart er junge Frauen um sich, ist für viele ein gottähnliches Symbol - und das trotz der niedrigen Weihen. Er war in jeder Hinsicht ein erster Superstar einer völlig neuen Konzertwelt, die sich im 19.Jahrhundert bildete. Auch von dieser erfährt man viel. Hilmes erklärt Hintergründe und macht gelegentliche Exkurse, die helfen, die historischen Rahmenbediungen aber auch die Beweggründe der Personen mehr zu verstehen. Gerade bei der Person Liszts ist das nicht nur vonnöten, sondern der Leser muss sich auf diese Weise ein wenig mehr mit ihm beschäftigen.
Zusätzlich schreibt Hilmes nicht staubtrocken, sondern sehr locker und unterhält dadurch mit der Biographie natürlich sehr gut. gelegentlich erfreift er durchaus Partei für oder gegen Handlungen, jedoch kann man seine Position auch nachvollziehen anhand der im Vorfeld erklärten Aktionen. Wenn man nach einem passenden Adjektiv suchen würde, wäre "vergnüglich" vielleicht das beste, um den Schreibstil zu bezeichnen.

Wer gerne mal etwas über Franz Liszt erfahren möchte, sollte sich von der Seitenzahl nicht abschrecken lassen, sondern einfach loslegen - es lohnt sich.

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