Montag, 27. Mai 2013

Jean G. Goodhind - Mord ist schlecht fürs Geschäft

Hannah Driver, von Freunden nur Honey genannt, ist verwitwet, hat eine achtzehnjährige Tochter (die erwachsener ist als die eigene Mutter) und eine Mutter, die sie gerne wieder unter die Haube bringen möchte. Zu allem Überfluss leitet sie auch noch ein kleines Hotel in Bath und wurde unter Protest zur Verbindungsfrau der Hotelvereinigung von Bath mit der Polizei ernannt. Denn, und das ist eine unumstößliche Tatsache, Mord und andere Verbrechen wären sehr schlecht für das Tourismusgeschäft in Bath. Kaum in Amt und Würden verschwindet tatsächlich ein amerikanischer Tourist und da die Polizei – allen voran Detective Steve Doherty – das Ganze zunächst als wenig dringlich empfindet, beginnt sie selbst zu ermitteln. Bis dann nicht nur die Leiche des Amerikaners sondern eine weitere Leiche auftauchen und Honey bei ihren Ermittlungen dem Täter zu nahe kommt ...
Beginnen wir mit dem Positiven am Buch: die Stadt Bath erhält dadurch vermutlich extrem viel Werbung. Die Sehenswürdigkeiten werden erläutert, es gibt Ausflugtipps in die Umgebung und die Stadt wirkt so reizend wie im Prospekt. Ebenso reizend wirken die Figuren, die wie aus einem Agatha Christie entnommen sein könnten, aber ein wenig mehr Pfeffer als diese besitzen. Alles in allem also wirklich ein nettes Setting in hübscher Umgebung garniert mit dem einen oder anderen Mördchen. Wenn da nicht – ihr ahnt es bestimmt schon – das große, düster ABER stünde. Dieses Buch ist als Krimi betrachtet extrem langweilig und, noch schlimmer in meinen Augen, unschlüssig. Honey ermittelt irgendwo, irgendwie, irgendwas und hat dann plötzlich ganz großartige Schlüsse, aber ich als Leser konnte ihr absolut nicht folgen. Das liegt daran, dass die Autorin dazu neigt, sich sehr in Details zu verlieren und abzuschweifen bei Schilderungen. Für mich als Leser hat das bedeutet, dass ich immer mal wieder Absätze übersprungen habe, weil Honey schon wieder irgendwo eine Tür aufmacht und mir dann erstmal das Interieur beschrieben wird. Dazwisachen plätschert der Fall dahin, der dann irgendwie gelöst wird, ohne dass ich diese Lösung sonderlich glaubhaft finde. Ich habe ja schon hier und da erwähnt, dass ich bereits bei Agatha Christie finde, dass mir da mitunter Motive und Mörder präsentiert werden, die ein wenig hergezaubert wirken – aber die Lösung hier toppt an Absurdität wirklich alles, was ich mir habe träumen lassen. Es mag ja ganz nett gemeint sein, aber wirklich lesen muss man Honey Driver eigentlich nicht.

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