Sonntag, 5. Januar 2014

[Rezension] Susanne Ayoub - Engelsgift

Marie ist eine junge Drehbuchautorin, die vor kurzem Mann und Kind verloren hat. Nachdem sie sich zunächst völlig verkrochen hat, meldet sie sich eines Tages bei ihrem Chef und legt ihm ein Exposé für einen großartigen Filmstoff auf den Tisch. Die Geschichte des "blonden Engels", der Giftmischerin Karoline Streicher. 1938 wurde sie in einem spektakulären Prozess in Wien des vierfachen Mordes an Ehemann, Tochter, Tante und Untermieterin schuldig gesprochen und hingerichtet. Doch dann nimmt Marie Kontakt zu Herrmann Streicher auf, Karolines einzigem Sohn. Der alte Mann beteuert, dass seine Mutter einem Justizirrtum zum Opfer gefallen ist ...

Ich habe dieses Buch vor Jahren zum ersten Mal gelesen und danach stand es im Schrank. Ich weiß noch, dass ich es damals vor allem interessant fand, weil es einen wahren Fall zum Vorbild hat, nämlich die Versicherungsbetrügerin und Giftmischerin Martha Marek. Das Buch bot mir damals vor allem Nervenkitzel und das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Heute, mit viel Abstand zum ersten Lesen, habe ich das Buch unter neuen Aspekten gelesen. Ich wollte im Rahmen der "Lieblingsbücher"-Challenge einfach noch einmal in dieses Buch eintauchen. Noch mehr als damals bin ich eingetaucht, denn "Engelsgift" ist weniger Krimi als vielmehr ein Psychogramm einer Frau, die das Gefühl hat, immer zu kurz zu kommen, und einer Mutter-Sohn-Beziehung, die es in sich hat. All das wird von Susanne Ayoub in einer märchenhaft schönen Sprache erzählt, die manchmal ein wenig zu getragen zu sein scheint, dann aber doch wieder genau ins Bild passt. Wiener Schmäh und feinsinnige Beschreibungen treffen aufeinander und haben mich wirklich gefangen genommen. Das Buch enthält eine Vielzahl an Perspektivwechsel, die einerseits den Reiz ausmachen, andererseits aber auch sehr viel Konzentration beim Lesen fordern.

Aber warum dann kein vor Begeisterung strahlender Smilie? Weil das Buch leider den Fehler macht, sich nicht auf die Mutter-Sohn-Geschichte zu beschränken, sondern mit Marie eine - wie ich finde - völlig irrelevante Figur erschafft, die keinen wirklichen Zweck verfolgt. Wieso sich nicht einfach nur auf Herrmann beschränken, sein Psychogramm noch ausbauen und den Leser damit konfrontieren? Stattdessen wird hier Energie in ein in meinen Augen sehr übertriebenes Finale gelegt, das es so gar nicht gebraucht hätte.

Nichtsdestotrotz, ich bin von diesem Buch wirklich gefangen genommen worden und es wird nicht noch einmal so lange dauern, bis ich es erneut lese, das steht fest.

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