Mittwoch, 1. Januar 2014

[Rezension] Sophie Hannah - Das fremde Haus

Ganz ehrlich, diese Rezension juckt mir seit Monaten in den Fingern und gleichzeitig weiß ich nicht, wie ich sie schreiben soll, um euch auch nur den Hauch des Eindrucks zu vermitteln, WIE bescheuert ich das Buch fand.

Fangen wir mit dem Grund an, warum ich das Buch gekauft hatte: das Cover. Das sieht aber auch extrem stylish aus - auf dem festen Umschlag befindet sich lediglich ein Grundriss eines Hauses, Titel und einige blutige Fingerabdrücke befinden sich auf einem milchigen Überumschlag. Dieses Buch macht im Regal einen großartigen Eindruck und sieht sowas von verheißungsvoll aus, dass ich einfach nicht reinfallen kann. Dachte ich.

Dann begann ich. Das Buch haut den Leser völlig unvorbereitet in eine Szene, die er sich irgendwie zusammensuchen muss. Eine Ich-Erzählerin liegt blutend auf einem Boden und ein gewisser Kit scheint irgendwie darin verwickelt zu sein. Außerdem gibt es, so scheint es, vier weitere Leichen, die Familie Gilpatrick, irgendwo. Cool, das verspricht Thrilleratmosphäre!

Ja, und dann? Dann springe ich als Leser plötzlich zurück zu einem Abend eine Woche vorher. Connie kann nicht schlafen. Also steht sie auf und geht an den Computer. Sie ruft eine Website einer Maklerfirma auf und klickt sich durch das Angebot. Beim Objekt "Bentley Grove 11, Cambridge" hält sie an und klickt sich durch die Bilder. Warum, wieso? Man weiß es nicht. Connie ergeht sich in düsteren "dieses Haus hatte so großes Unglück gebracht"-Andeutungen. Schließlich öffnet Connie den virtuellen Rundgang und erstarrt. Denn dort, in diesem Haus, liegt eine Leiche auf dem Wohnzimmerteppich. Aber als sie Kit ruft, sieht der auch nach x-Wiederholungen nur ein leeres Zimmer. Die Polizei hält Connie für eine Spinnerin, bis auf  Simon Waterhouse, der sich aber zur Zeit in den Flitterwochen befindet. Woher Connie Waterhouse kennt? Warum Waterhouse diese unglaubwürdige Story sofort für wahrscheinlich hält? Ach was, das muss Ms. Hannah doch dem Leser nicht erklären! Ab diesem Zeitpunkt begann die Geschichte für mich im Kreis zu laufen. Ständig wurden irgendwelche düsteren "oh, wie schrecklich dieses Haus ist"-Andeutungen gemacht, ohne mir aber zumindest mal nahe zu bringen, warum zur Hölle dieses Haus überhaupt eine Rolle spielen sollte! Das erfahre ich erst nach fast 100 Seiten!

Vor einem halben Jahr nämlich hat Connie das Auto ihres Mannes benutzt und im Navi "Zuhause" eingegeben. Das Navi führte sie nicht etwa zu ihrem Cottage, sondern schlug ihr eben die Adresse Bentley Grove 11, Cambridge vor. Kit behauptet, sie müsse die Adresse selbst eingegeben haben oder es handele sich um eine Voreinstellung des Verkäufers. Wie gesagt, das ist vor einem halben Jahr passiert. Seitdem fährt Connie ihrem Kit jeden Freitag nach, um ihn bei seinem Doppelleben zu überraschen - aber er scheint gar keines zu führen.

An dieser Stelle bin ich gedanklich einfach nicht mehr mitgekommen. Diese bescheuerte Hauptfigur hat mich ab diesem Zeitpunkt einfach nur angekotzt. Connie Bowskill, geborene Monk ist Anfang dreißig. Sie lebt mit ihrem Ehemann Kit in Little Holling in der Nähe von Cambridge. Ein Ort, den Connie nie verlassen hat, genauso wenig wie ihre Schwester und ihre Eltern. Denn eine Monk tut das nicht. Sie besucht ihre Familie regelmäßig, arbeitet halbtags für das elterliche Unternehmen und den Rest der Zeit für die Firma, die sie vor einigen Jahren mit Kit gegründet hat.     Diese Figur ist sowas von doof, weltfremd und in ihren Handlungen eingeschränkt - was prädestiniert sie dazu, Protagonistin zu werden, die mich als Leserin zur Identifikation einladen soll? Sie macht ja nicht einmal im Ansatz etwas, was logisch wäre. Stattdessen verrennt sie sich in dieses alberne Beschattungsspielchen - also bitte. Entweder, sie glaubt Kit irgendwann mal, dass er keine andere hat, oder sie zieht die Konsequenzen aus ihrem Misstrauen. Aber dieses permanente Rumgeeiere und stille Leiden NERVT!!! In Großbuchstaben. Ich muss auch ehrlich sagen, ich konnte und wollte ihr nicht mehr folgen und habe den Verlauf der Handlung immer weniger verstanden. Auf mich wirkte das Ganze einfach nur wie eine durch Psychopharmaka verursachte Halluzination und ich habe drauf gewartet, dass mir das als Ende präsentiert wird. Bedauerlicherweise wurde mir jedoch alles als todernst verkauft und damit habe ich Probleme. Dieses Buch war so ziemlich mit das mieseste, das ich im letzten Jahr gelesen habe und ich bin nur froh, es für einen Euro bei ebay bekommen zu haben.
   
   

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