Mittwoch, 1. Januar 2014

[Rezension] Peter Robinson - Im Sommer des Todes

Yorkshire, im Oktober 2005. Detective Chief Inspector Alan Banks wird nach Fordham gerufen. Nach einer Gewitternacht wurde der Mieter von Moorview Cottage tot aufgefunden. Niemand weiß, wer der Fremde ist, bis Banks ihn als den Musikjournalisten Nick Barber identifiziert. Barber arbeitete für die Musikzeitschrift MOJO an einer Story über die Mad Hatters, eine Band, die in den Sechziger und Siebziger Jahren von Yorkshire aus die Welt eroberte. Inzwischen jedoch sind die Mad Hatters zwei Mitglieder weniger, denn Vic Greaves, Songwriter, Keyborder und Hintergrundsänger hat sich mit mentalen Problemen (offenbar durch zuviel Drogengenuß) völlig zurückgezogen. Robin Merchant, Bass und Songwriter, ist gaanz à la Brian Jones von den Rolling Stones nach einer Drogennacht in einem Swimmingpool zu Tode gekommen. Aber jetzt, zu ihrem vierzigsten Jahrestag, sollen die Mad Hatters eine große Revival-Tour starten. All dies war für Barber Anlass genug, in der Vergangenheit zu bohren und auf ein dunkles Kapitel der Band zu stoßen. 1969, bei einem Musikfestival in Brimleigh, wurde die Leiche eines jungen Mädchens gefunden wurde. Die18jährige Linda Lofthouse heraus war jung, hübsch, Mitglied einer Kommune und früh Mutter geworden. Detective Inspector Stanley Chadwick war der Ermittler in diesem Fall. Er ging - infolge einer Tochter im etwa gleichen Alter wie die Ermordete - nicht ganz unvoreingenommen verschiedenen Spurern nach, die ihn zum einen auf das im Backstage-Bereich versammelte Umfeld der Mad Hatters und b) auf die örtliche Hippie- und Hasch-Kolonie junger und nicht mehr ganz junger Leute, die mehr oder weniger alle das Konzert besucht hatten, bringen. Schließlich wird ein offensichtlich verhaltensgestörter Hippie und Hasch-Dealer festgenommen und verurteilt. Bald darauf wird er im Gefängnis ermordet. Barber scheint einen Zusammenhang zu den Mad Hatters zu vermuten - wurde er deshalb ermordet? ...

Als ich das Buch begonnen hatte, bin ich zum CD-Player und habe Janis Joplin eingelegt. Nicht nur, um Hintergrundmusik zu haben, sondern nicht zuletzt, weil das Buch im Original den Titel "Piece of my Heart" trägt und Janis wie dafür gemacht zu sein scheint.  Besonders die Ausflüge in die Sechziger und der Zusammenprall des konservativen Chadwick mit der neuen Welt der Rockmusik waren eines meiner Highlights im letzten Jahr. Die Darstellung der Mad Hatters war überzeugend und glaubwürdig, die Ermittlungsversuche Chadwicks spannend. Abzug erhält Robinson eigentlich eher für die Verbindung in die Gegenwart, die mir dann doch einmal zu oft auf überraschende Wendung gezogen worden ist. Die Lösung der beiden Fälle ist überzeugend, wenn auch nicht unbedingt die naheliegendste der Welt. Die Grundgeschichte rund um Annie Cabbot, Alan Banks, seine Familie und die Kriminalpolizei wird - dem Seriengesetz folgend - weitergeführt, hält sich aber dezent zurück und nimmt nur einen Bruchteil des Romans ein. Dafür besonderen Dank an den Autor, andere hätten sich da viel breiter gemacht - das Buch ist auch ohne Vorwissen lesbar geblieben. Robinson dagegen hat einen spannenden Roman geschrieben, in dem die Musik ein absolutes Zentrum bildet - wenn der Verlag jetzt noch den Soundtrack dazu spendieren würde und es die Mad Hatters tatsächlich gegeben hätte, das wäre einfach nur brillant gewesen.

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