Dienstag, 20. August 2013

Uwe Klausner - Eichmann-Syndikat

Berlin im Jahr 1962. In Jerusalem findet gerade der Jahrhundertprozess statt: die Verhandlung gegen Adolf Eichmann wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In Deutschland ist die NS-Vergangenheit noch nicht wirklich aufgearbeitet und da würde das Angebot, das Polizeikommissar Tom Sydow erhält, einschlagen wie eine Bombe. Eine BND-Sekretärin bietet eine Karteikarte mit brisantem Inhalt an: den Beweis dafür, dass bereits seit 1952 Tarnname und Adresse Eichmanns in Deutschland bekannt waren, die Ermittlungen aber nicht vorangetrieben wurden (eine Tatsache, die Klausner zum Roman inspiriert hat). Doch noch während der Verhandlungen wird die Frau erschossen und auf ihren Partner, einen Journalisten, wird Jagd gemacht. Nicht nur, dass Sydow plötzlich im Kreuzfeuer zwischen BND, Polizei und amerikanischem Geheimdienst steht, zu allem Überfluss muss er sich jetzt auch noch mit der Nazivergangenheit seiner Familie auseinandersetzen. Hat etwa seine verstorbene Schwester Eichmanns Flucht mit organisiert?

Die letzten Zeilen der Inhaltsangabe fassen mein größtes Problem mit diesem Buch zusammen. Ich hatte beim Lesen ständig ein „boah, nicht auch noch das“ im Hinterkopf und konnte mich nicht einigen genervten Augenrollens enthalten. Ich finde die Ausgangssituation verdammt interessant und man hätte da viel rausholen können, aber Klausner will fast zu viel rausholen. Nicht nur, dass zu der Karteikartengeschichte die Familiengeschichte der Sydows aufgerollt wird (die sich als relativ langweilig und vorhersehbar entpuppt), am meisten hat mich diese Linie um den Journalisten genervt. Denn natürlich ist er einer, der im Nationalsozialismus als kritischer Journalist nicht veröffentlicht hat. Und natürlich ist er Jude. Und natürlich ist er in einer schweren jüdischen Identitätsstörung gefangen, die sich im Roman dadurch auszeichnet, dass innerhalb eines Satzes immer wieder sein Name wechselt zwischen hebräischem Zweit- und deutschem Erstnamen. Es ist echt ermüdend, den Anschluss in Büchern allein dadurch verlieren zu können, dass der Autor es nicht schafft, einigermaßen Logik walten zu lassen, und die wird hier immer mal wieder zugunsten spektakulärer Szenen geopfert. Ein alles in allem durchschnittliches Buch mit gelegentlichen Ausreißern ins Schlechte.

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