Dienstag, 20. August 2013

Die Stunden (gelesen von Gottfried John)

Eine Inhaltsangabe hierzu ist jetzt ein wenig verzwickt. In dieser Handlung begleitet man drei Frauen, deren Leben eng mit dem Roman Mrs.Dalloway verknüpft ist. Da ist zunächst einmal Virginia Woolf, die Autorin des Romans, die am Anfang von „Die Stunden“ Selbstmord begeht und deren Arbeit an „Mrs. Dalloway“ vom Leser begleitet wird. Dann ist da die Geschichte der Mittfünfzigerin Clarissa, die in den 2000er Jahren in New York eine Party für ihren besten Freund und früheren Beinnahe-Liebhaber Richard ausrichtet, weil er einen Literaturpreis gewonnen hat. Und da ist der Handlungsstrang um „Mrs.Brown“, eine junge Frau mit kleinem Sohn, die in den späten Fünfzigern in einer Kleinstadt an Depressionen leidet. All diese Handlungen sind miteinander verwoben und verstrickt, zitieren immer wieder Passagen aus dem Originalroman oder variieren Motive daraus. Das heißt, es macht eigentlich sehr Sinn, im Vorfeld zu „Die Stunden“ zumindest mal von „Mrs. Dalloway“ gehört zu haben oder sich vorzunehmen, es zu lesen, um diese ganzen Anspielungen ein bisschen besser einordnen zu können. Die Geschichte ist wirklich verstrickt und ich gestehe, dass ich diesen letzten Handlungsstrang um ein Haar nicht verstanden hätte, weil es so nebenbei erwähnt wird.

Damit bin ich auch beim größten Kritikpunkt am Hörbuch. Ich wette, „Die Stunden“ ist ein großartiger Roman und ich werde ihn mir definitiv besorgen. Aber als Hörbuch floppt es, weil es zum einen – zumindest meinem Hörempfinden nach – stark gekürzt wurde und dadurch einfach einiges an Handlung verloren ging, die man als Hörer aber bräuchte um den Anschluss zu finden. Zum anderen, und das wiegt noch schwerer, bin ich mit Gottfried John als Sprecher sehr unzufrieden. Er hat eine wahnsinnig angenehme, ruhige Stimme, aber er liest so emotionslos vor, dass ich mich irrsinnig konzentrieren musste beim Hören, weil der Text sonst nur an mir vorbei geflossen wäre. Das ist für mich aber eher kontraproduktiv, denn Hörbücher sollten eigentlich so in den Alltag integriert werden können, dass man daneben noch zu anderen Handlungen in der Lage ist – sonst kann ich mich auch gleich mit dem Buch auf die Couch legen und es selbst lesen ;-) Ich kann dieses Hörbuch nicht wirklich ans Herz legen, dann eher den Roman selbst lesen, ich glaube, damit hat man mehr Vergnügen …

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