Dienstag, 16. April 2013

Manfred Gregor - Die Brücke

Deutschland im Mai 1945. Das Ende des Nationalsozialismus ist für jeden spürbar, aber offiziell wird an Kampfgeist appelliert und die Treue zum Führer beschworen. Tief in der bayerischen Provinz werden sieben Jugendliche von der Hitlerjugned zur Wehrmacht eingezogen. Dass ihnen die Uniformen eigentlich zu groß sind und das Schießen fremd - wen kümmert das schon? Stattdessen erhalten sie den ehrenwerten und völlig sinnlosen Befehl, die Ortsbrücke vor den heranrückenden Amerikanern zu verteidigen ...
Manche Bücher liest man erst viel zu spät, weil man sie immer wieder zur Seite schiebt. So ging es mir eindeutig mit "Die Brücke", denn schließlich durfte ich - meinem Deutschlehrer in der 8.Klasse sei Dank - schon im zarten Alter von 14 Bernhard Wickis Verfilmung des Romans anschauen. Mich hat der Film wirklich nachhaltig verstört, so dass ich erst jetzt gewagt habe, das Buch in die Hand zu nehmen - und es tatsächlich bereue. Auch das Buch ist verstörend, doch während Bernhard Wicki im Film in erster Linie wert auf die Darstellung der Ereignisse am Tag der Brückenverteidigung legt, liegt im Buch der Fokus mehr auf der Frage nach den Beweggründen der Jungen. Jeder von ihnen kommt aus anderen Gründen zu seiner Handlung, egal ob aus verschmäter Liebe oder unbedinger Führertreue. Das fand ich sehr interessant, denn gerade durch die zum Teil völlig irritierend-absurden Gründe wirkt die Geschichte noch einmal realistischer beim Lesen. Hier sind keine reinen Klischeefiguren, sondern sehr individuelle Persönlichkeiten, deren Motive man zwar zum teil bereits kennt, die man aber sehr gut nachvollziehen kann. Relativ blass bleiben dagegen die Ereignisse an der Brücke, das ist dann doch ein bisschen zu schnell abgehandelt. Klar, ein Kunstgriff, den man schon aus "Im Westen nichts Neues" kennt, aber dennoch gelegentlich etwas unbefriedigend als Leser ... Ich empfehel das Buch in jedem Fall weiter, aber warne durchaus vor: es ist harter Tobak, gerade beim Lesen.

Kommentare:

  1. Den Film, den ich auch im sehr jungen Alter gesehen hab, hat mich auch nachhaltig ziiiiemlich mitgenommen...da kommt das Buch leider nicht so ganz ran, aber trotzdem auf jedenfall lesenswert..schöne Review =)

    AntwortenLöschen
  2. Das sollte ich mir auch mal vornehmen und auf meine Liste schreiben. Danke!

    AntwortenLöschen