Samstag, 20. April 2013

Hörbuch: "Raum" (gelesen von Matthias Brandt)

Den Roman "Raum" von Emma Donoghue habe ich hab bereits vor einiger Zeit wirklich euphorisch rezensiert. Ich hatte es auf englisch gelesen und war wirklich ziemlich begeistert. Als ich dann neulich durch die Bibliothek streifte, stolperte ich über die Hörbuchfassung und habe sie mitgenommen. Dank der Tatsache, dass ich diese Woche eigentlich immer mit dem Auto zur Arbeit fahren musste, hatte ich dann auch direkt die Gelegenheit, die Umsetzung anzuhören. Leider bin ich nicht allzu euphorisch, da ich die Umsetzung alles andere als gelungen fand.
Das beginnt in diesem Fall wirklich mit der Übersetzung. Die gesamte Geschichte wird ja aus der Sicht des fünfjährigen Jack erzählt. Im Original ist das eine sehr faszinierende Mischung aus Grammatikfehlern und Altklugheit, bedingt durch die Sprachentwicklung eines Fünfjährigen einerseits und die Erziehung durch seine Mutter andererseits. In der Übersetzung hat man sich eher dazu entschieden, den ersten Aspekt zu betonen und das hat mich extrem angenervt. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, Jacks "gebringt" und Co. zu verbessern, einfach, weil ich das bei einem Kind auch automatisch tun würde, und fand es irgendwie irritierend, dass seine Mutter das nicht tut. Beim Lesen hätte mich das vermutlich nicht einmal so sehr gestört, beim Hörbuch wird es noch verstärkt durch den Sprecher. Matthias Brandt hat sich dafür entschieden, Jack einen ungemein nöligen Tonfall zu verpassen, den ich schon bei kleinen Kindern gelegentlich nicht abkann (dieses singenden Verdoppeln aller Silben, "wahann geeheeen wihir?"), in der Stimmlage eines Erwachsenen wirkt das auf mich nach kurzer Zeit nicht niedlich oder naiv, sondern nur enervierend. Bereits die stimmliche Umsetzung ist also nicht gerade optimal, aber mir missfällt auch sehr die Kürzung des Buchs, vor allem im zweiten Teil. Während die Geschichte in Raum sehr viel Platz einnimmt (drei CDs von fünf), wird der zweite Teil dann nur noch auf zwei CDs gepackt und dabei gehen etliche Szenen verloren oder werden so rapide eingekürzt, dass sie ihre Wirkung total einbüßen. Dieses langsame sich-in-der-Welt-Zurechtfinden wird nur noch episodenhaft erzählt und wirkt sehr hopplahopp. Für mich alles andere als überzeugend - und damit ein klarer Rat: greift zum Buch, das Hörbuch ist nicht der Burner.

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