Dienstag, 30. April 2013

Donna Leon - Venezianische Scharade

In dem ganzen Trubel über die Verlosung zum Welttag des Buches habe ich fast vergessen, einige Rezensionen zu schreiben ;-) Das sei hiermit nachgeholt ...

Venedig im Juli. Die Bevölkerung leidet unter der Hitze und Commissario Brunetti freut sich auf den am Wochenende beginnenden Urlaub mit Frau und Kindern fernab der Hitze und leicht übel riechenden Kanäle. Doch dann stolpert einer der Schlachter in Mestre über eine Leiche. Wer ist der Unbekannte in Frauenkleidern, dem der Schädel eingeschlagen wurde? Brunetti wird mit der Lösung des Falls beauftragt und gemeinsam mit seinem Team stochert er schon bald in den trüben Wässern der Moral. Dass Vice Questore Patta zur Zeit eine Ehekrise durchlebt und seine Launen an den Untergebenen auslässt, vereinfacht es nicht gerade, schnell in den Urlaub zu kommen ...
Meine Mutter hat vor Jahren angefangen, Donna Leon zu lesen und dann irgendwann bei Band 14 aufgehört, konnte aber nie genau sagen, warum. Sie hatte sich einfach satt gelesen, sagt sie, und so habe ich jetzt einfach mal die Chance ergriffen und ihr die vierzehn Bände abgenommen, die bei meinen Eltern auf dem Dachboden standen. "Venezianische Scharade" ist der dritte Band der Reihe, wobei man eignetlich immer ganz gut einsteigen kann, die über-Bücher-hinweg-erzählten Handlungsstränge halten sich dezent zurück. In diesem Band taucht mit Pattas neuer Sekretären, Signorina Elettra, eine dauerhaft bestehende Figur auf, die ein bisschen frischen Wind reinbringt - und den braucht das Buch meiner Meinung nach ziemlich stark. Das Problem ist für mich, dass Donna Leon so wahnsinnig gerne italienischen Lebensstil vermitteln würde. Das tut sie zumeist durch den exzessiven Gebrauch von italienischen Wörtern und Floskeln, die allerdings allzu oft völlig zusammenhanglos im Text stehen. Dass Brunetti zum aqua minerale statt zum Mineralwasser greift, zum Beispiel (und ja, die Kursivschreibung ist auch im Buch Original so verwendet) - irgendwie vermittelt das eher das Gefühl, die Autorin will beweisen, dass sie Italienisch spricht. Schöner wäre gewesen, sie hätte ein bisschen mehr Wert auf einen spannenden Plot gelegt. Also, nicht dass wir uns falsch verstehen, es passiert schon etwas im Buch, es gibt Tote und Verfolgungsjagden, aber irgendwie plätschert das alles so vor sich hin und am Ende war ich ziemlich enttäsucht von der Auflösung - weniger vom Täter als von den Begleitumständen. Als hätte ihr der mut gefehlt, da noch tiefer einzutauchen in moralische Verstrickungen. Deshalb war ich beim Lesen ziemlich enttäuscht - das Buch ist okay, aber mehr auch nicht.

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