Sonntag, 29. September 2013

Heinz Strunk - Fleisch ist mein Gemüse

Heinz ist 17 und aus Harburg - mit diesen sechs Wörtern kann man das gesamte Elend des Knaben zusammenfassen. Harburg, das ist halt der falsche Stadtteil von Hamburg, wenn man in den Achtzigern groß rauskommen möchte, wenn man Erfolg haben möchte, wenn man alles außer Spießer sein will. Heinz einzige Hoffnung ist seine musikalische Grundausbildung, hat er doch so ziemlich alles an Blasinstrumenten parat - und das will er nutzen. Also steigt er bei "Tiffanys" ein, der angesagtesten Combo für Vereinsfeiern und Schützenfeste. Doch die Band ist nicht gerade der Reißer, sondern führt allzu oft zu langen Gesichtern im Publikum. Das kann vielleicht daran liegen, dass man das verdiente Geld in erster Linie für Fleischorgien opfert, die nach dem Auftritt gefeiert werden. Oder daran, dass die Mitglieder außer Heinz mit ihrem Schicksal bereits abgeschlossen haben. So begleiten wir als Leser eins durch dieses Tal der Depressionen und Spielsucht ,in das der Weg ins Erwachsenenleben nun einmal führt ...
Ich kann mir nicht helfen, aber als ich dieses Buch gelesen habe, war ich immer wieder versucht, an den Verlag zu schreiben und ihn zu fragen, was genau in dazu bewogen hat, Heinz Strunk zu veröffentlichen. Ich habe selten ein Buch gelesen, das so gut beworben worden, dessen Klappentext so viel versprechend klang, und das sich dann als ein solcher Reinfall entpuppt hat. Es ist nicht einmal so, dass das Buch schlecht wäre, sondern das große Problem ist, dass Heinz Strunk sich um jeden Preis bemüht, nur nicht einfach nur komisch zu sein, sondern zu der Art Leute gehören zu scheint, die so „indie„ sein wollen, dass ein einfacher Witz nicht genügt. stattdessen ist das Buch eine einzige Ansammlung Teichs ekliger teils extrem langweiliger Szenerien. Wer das Bedürfnis hat, seitenweise Informationen über den Inhalt der Eiterpickel von Heinz Strunk zu erhalten, oder alte Schlagertexte zu lesen die eins zu eins über mehrere Buchseiten geschrieben werden, der ist hier mit Sicherheit gut aufgehoben. Das Problem ist tatsächlich, das Buch ist einfach nicht lustig. Es ist weder anarchisch wie Helge Schneider – was es vermutlich sein soll – es ist auch nicht obszön – was vermutlich Strunks Intention war – und es ist nicht komisch – was der Verlag vermutlich gehofft hat. Es ist einfach nur langweilig, und das ist vermutlich das Schlimmste was man über ein Buch sagen kann, dass ein Skandal sein will. Verdammt, man hätte echt was draus machen können, aber das ist hier leider nicht geschehen.

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