Donnerstag, 26. September 2013

Elisabeth Herrmann - Das Dorf der Mörder

Die junge Streifenpolizisitn Sanela Beara wird zum Schauplatz eines brutalen Mordes gerufen. Ausgerechnet im Berliner Tierpark wurde ein Mann betäubt und den Schweinen zum Fraß vorgeworfen. Als Sanela im Tierpark nach Kaffee sucht, lernt sie Charlotte kennen, die in der Futtertierzucht arbeitet und gerade Ratten tötet. Charlie ist nett und erzählt von ihrem Beruf - deshalb kann Sanela es nicht fassen, als sie schließlich im Krankenhaus zu sich kommt, weil Charlie sie niedergeschlagen hat. Ihre neue Bekannte wurde für den Mord im Tierpark verhaftet, doch Sanela kann nicht daran glauben. Auch der Psychologe Jeremy Saaler, der Charlie für die Gerichtsverhandlung untersuchen soll, hegt Zweifel an ihrem Geständnis. Unabhängig voneinander glauben beide, dass die Wahrheit hinter dem Mord in Charlies Heimatdorf in der Brandenburgischen Provinz zu suchen ist ...

Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich auf der letzten Seite so hin- und hergerissen war, ob mir das jetzt gefallen hat oder nicht. Fangen wir mal mit dem Positiven an: ich finde das Buch deutlich spannender als das letzte, das ich von der Autorin gelesen habe. Diesmal ist die historische Ebene nicht Spionage in der DDR, sondern das langsame Ausbluten der Dörfer im ehemaligen DDR-Gebiet nach der Wende. Und was mir sehr gut an Herrmanns Stil gefällt: sie schafft es, dieses Dorf lebendig werden zu lassen. Die Bücher wirken zunächst einmal sehr dicht und man taucht ganz ab, kann sich die Umgebung gut vorstellen, fühlt den Wind, riecht die frischen Pflaumen ... erzählen kann sie also. Darüber hinaus hat sie einen sehr interessanten Plot geschaffen, bei dem man gerne mitfiebert. Die lang anhaltende Ungewissheit, ob Charlie tatsächlich die Mörderin ist oder nicht, hält mich am Ball.
Und dennoch bin ich nicht zufrieden mit dem Buch. Das liegt vor allem daran, dass hinter dieser sehr hübschen atmosphärischen Kulisse ein Lektorat steckt, das den Namen nicht verdient hat. Das fängt bei Kleinigkeiten an wie der Tatsache, dass das Wirtshaus "Zur Linde" mit einem Baum gesegnet ist, der Wahlweise Kastanie, Buche oder Eiche ist, aber mit Sicherheit keine Linde. Viel schwerwiegender für mich sind aber die Schnitzer in Bezug auf Psychiatrie und Psychologie. Hier wird einfach alles durcheinander geschmissen und irgendwie verwurstet, aber wirklich Ahnung scheint die Autorin nicht gehabt zu haben bzw. auch nicht den Willen eine kurze Recherche durchzuführen. Es gibt nun mal einen Unterschied zwischen Psychologen und Psychiatern und der beginnt bereits bei der Ausbildung. Solche Fehler bereiten mir beim Lesen keinen Spaß, sondern fast schon Schmerzen, und das kann ich nicht ab. Andererseits hat der Lesegenuss in beschreibenden Passagen nicht gelitten und so ist das Buch halt genau wieder Smilie: indifferent. Wer möchte, sollte es lesen, dabei aber sein Wissen ein bisschen ausschalten ;-)

1 Kommentar:

  1. hallo, ich habe dich getaggt. würde mich freuen, wenn du mitmachen würdest.
    lg, jana

    http://jana-goes-to-wonderland.blogspot.de/

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