Sonntag, 24. März 2013

Paul Grossman - Kindersucher

Berlin im Jahr 1929. Willi Kraus ist Polizist, einer der wenigen Juden, die es in die Berliner Mordkommission geschafft haben. Seine Kollegen machen ihm mit alltäglichem Antisemitismus das Leben schwer und obwohl Polizeidirektor Bernhard Weiß selbst Jude ist, würde er keinen Polizisten bevorzugen. Kraus steht also allein auf weiter Flur und versucht zumindest, seine Arbeit zu erledigen - auch wenn er immer nur die Fälle bekommt, die wenig Aussicht auf Erfolg haben. So wie zum Beispiel die Suche nach dem Auslöser der Listerien-Infektion von Wurst, die bereits zu mehreren Todesopfern geführt hat. Während sich auf den Straßen die NSDAP immer stärkerer Beliebtheit erfreut, wird in Berlin ein Sack mit sorgfältig ausgeknochten Kinderknochen aus einem Kanal geschwemmt. Wer sind diese verschwundenen Kinder? Was ist mit den weiteren Überresten geschehen? Und wer ist der Mörder? Kraus beginnt gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten und seiner Ehefrau zu ermitteln und gerät selbst in Gefahr ...
Ach Mensch, was soll das? Ich hatte mir das Buch ausgeliehen, weil ich dachte, ich hätte hier die Chance, ein Buch zu lesen, das ähnlich ist wie die Reihe von Volker Kutscher. ein Zeitgemälde des Jahres 1929, gepaart mit einem spannenden Fall. Ja, irgendwie ist es das Buch schon, aber wirklich gefallen hat es mir nicht. Es ist mir - und glaubt mir, ich habe lange nach dem passenden Wort gesucht - zu amerikanisch. Das fängt an mit der Schilderung Berlins 1929. Ja, das ist schon alles richtig recherchiert, aber trotzdem wird diese Stadt nicht so wirklich greifbar, da entsteht keine Originale Atmosphäre, sondern es hat mehr etwas von einem Reiseführer. Zusätzlich finde ich sehr viel in diesem Buch extrem plump, auch das wirkt eben eher wie von außen betrachtet. Ein Beispiel dafür sind die Szenen in denen der Antisemitismus in Deutschland deutlich gemacht werden soll. Das sind immer nur Szenen, in denen selbst der Dümmste erkennen soll, wie stark Antisemitismus verbreitet war - viel gefährlicher war dagegen der nicht sofort erkennbare, der unterschwellige, der einem vielleicht entgeht beim ersten Lesen, und der taucht halt mal so gar nicht auf. Würde ich als Amerikaner dieses Buch lesen, würde ich mich wahrscheinlich immer nur fragen, warum die Juden überhaupt in Deutschland waren, weil sie ja doch nur von jedem offensichtlich gehasst wurden. Ein anderes Beispiel ist z.B. die Tatsache, dass in dem Buch nicht einfach nur die NSDAP thematisiert wird, sondern natürlich müssen da permanent Goebbels oder Hitler aufmarschieren (und dass Hitler eine Rede hält, die im Wortlaut identisch ist mit einer vom Parteitag 1934, das ist halt auch so ein vordergründiges "Wir zeigen jetzt mal, was Hitler gesagt hat"-Ding ...) Total bescheuert finde ich übrigens die Wahl des Mörders, denn mal ehrlich: was soll die Kacke, sich den Namen einer bekannten Person zu leihen, die aber nichts mit der fiktiven im Buch gemeinsam hat? Auch hier ist es in erster Linie wieder ein plumpes "ja, ja, so grausam waren die Nazis, immer schon"-Ding, das zwar total ins Schema des Romans passt, mich als Leser aber ärgert.
Das Titelbild des Buches mag verschiedene Grautöne zeigen, im Buch selbst haben wir einfach nur ein Schwarz-Weiß-Bild, das auch noch daran krankt, dass es quasi zwei Enden gibt, von denen eins hundert Seiten vor dem anderen aufhört (und ich habe das Gefühl, ursprünglich sollte es nur das erste Ende geben und er hat auf Verlangen des Verlags weitergeschrieben)

 

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