Freitag, 15. März 2013

Alan Moore/Eddie Campbell - From Hell

Es gibt Dinge, die werden vermutlich noch in mehreren hundert Jahren die Menschen beschäftigen. Wie Ludwig II. starb. Oder wer John F. Kennedy erschoss. Und natürlich: wer er war. Der Schrecken des Londoner East Ends 1889. Der Mann mit dem Messer. Jack the Ripper.

In „From Hell“ greifen Autor Alan Moore und Zeichner Eddie Campbell eine der ausgefeiltesten Verschwörungstheorien auf. Jack the Ripper ist niemand anders als William Gull, Chirurg und könglicher Arzt,  der sich im Auftrag der Krone durch Whitechapel schlitzt. Anlass, so die Theorie, ist die Ehe zwischen dem Thronfolger Albert Victor und der Verkäuferin Annie Crook. Beide heiraten nicht nur, sondern zeugen mit der kleinen Alice auch noch eine Tochter, die als Erbprinzessin weitreichende Ansprüche der Königsfamilie gegenüber hätte. Dass Königin Victoria dagegen einiges hat, kann man sich vorstellen – noch mehr hat sie aber gegen fünf Freundinnen Annies, die sich als Erpresserinnen betätigen. Ihre Namen? Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary Jane Kelly.

Die Idee der Verschwörungstheorie ist abenteuerlich und so sehr sie einen Leser auch fesselt, es ist gut, dass sich die beiden Autoren nicht allein auf die Geschichte verlassen. „From Hell“ ist ein faszinierend gezeichnetes und erzähltes Werk über das victorianische London, das weit über Jack the Ripper hinausreicht. Moore und Campbell haben etwa zehn Jahre recherchiert, was es nur zu recherchieren gab, von Kleidung über Lebensgewohnheiten und Feindetails. Die Strichführung erinnert mitunter an Skizzen, dennoch kann man sich in Campbells Bildern verlieren und entdeckt immer wieder Einzelheiten. Mit dieser Graphic Novel fing bei mir alles an, meine Eltern haben sie mir zu Weihnachten geschenkt, als ich 16 war. Seitdem bin ich fasziniert davon, was man erreichen kann durch eine gelungene Kombination aus Bild und Geschichte – und rate deshalb jedem, der es noch nicht kennt, einen Blick in dieses Buch zu werfen. Oder vielleicht auch zwei ;-)

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