Freitag, 15. März 2013

Andrea Maria Schenkel - Kalteis

München, Anfang der 30er Jahre. Kati ist ein junges Mädchen vom Land, das sich eins geschworen hat: sie will nicht wie ihre Mutter und ihre Freundinnen auf dem Dorf versauern. Nein, sie will in der Stadt in Stellung gehen, eine Dame werden, Großstadtluft schnuppern. Doch der Anfang in München entpuppt sich als schwerer als gedacht. Ohne Stellung, ohne Wohnung ist sie angewiesen auf die Hilfe einiger zwielichtiger Freunde, schon bald lernt sie einen netten Herrn kennen …  Zur selben Zeit und immer wieder findet man in der Münchener Umgebung Frauenleichen. Vergewaltigungen nehmen zu. Und immer wieder ist die Spur ein Fahrradfahrer, der die Frauen verfolgt. Bis eines Tages Bruno Kalteis am Tatort verhaftet wird und damit einer der Serienmörder der deutschen Geschichte vor Gericht gestellt werden kann.
Wie schon im Vorgänger „Tannöd“ besticht Andrea Maria Schenkels Buch vor allem durch eine Komposition verschiedenster literarischer Texte. Da ist die linear erzählte Geschichte von Kati, die Kalteis erstes Opfer sein wird. Da sind Protokolle von den Verhören mit Kalteis und den Vernehmungen seiner Ehefrau. Da sind Zeugenaussagen zu den einzelnen Morden und Vergewaltigungen. Das alles ineinander verwoben und verstrickt, so dass man immer wieder zwischen den Zeiten pendelt. Dabei verliert man als Leser eigentlich nie den Überblick, weiß, wo man ist und welches Ereignis im Vordergrund steht. Deshalb habe ich das Buch auch schon mehrfach gelesen und jedes Mal gerne gelesen. Was allerdings wirklich zu bemängeln ist, ist einfach, dass man das Gefühl hat, schon alles zu kennen. Andrea Maria Schenkel behält einfach das altbewährte Prinzip aus „Tannöd“ bei. Wie auch dort ist ein realer Kriminalfall die Grundlage (in diesem Fall Johann Eichhorn), wie auch dort wird teils in Mundart geschrieben, teils auf hochdeutsch, wird teils linear erzählt, teils kombiniert, wie auch dort wird ein vor allem zeitgenössisches Colorit verwendet, vor dem die Geschichte etwas schwimmt und dümpelt. Im Klartext heißt es, dass man als Leser sehr genau weiß, worauf man sich einlässt und genau das bekommt, was man nach „Tannöd“ erwartet hat. Wer Innovation will, ist hier nicht unbedingt gut aufgehoben. Wer einen sehr interessanten, fast schon literarischen Krimi lesen will, schon eher.


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