Freitag, 22. Februar 2013

Tess Gerritsen - Leichenraub

Julia Hamill hat das, was man im Allgemeinen ein echt beschissenes Jahr nennt. Erst lässt sich ihr Mann von ihr scheiden und wird demnächst schon wieder heiraten, dann lässt sie sich ein völlig heruntergekommenes Haus in Boston aufschwatzen, und dann findet sie beim Umgraben des Gartens auch noch ein weibliches Skelett, das bereits seit über hundert Jahren dort liegen muss. In ihrem Nachbarn Tom und dessen Onkel Henry Page findet sie Hilfe bei der Suche nach der Identität der Toten, denn Henry, dem das Haus ursprünglich gehörte, ist im Besitz von Briefen, die Licht ins Dunkel bringen könnten. Sie stammen aus den 1830er Jahren und Julia und Henry tauchen bei ihrer Spurensuche ab in eine Zeit, in der Frauen noch nicht studieren dürfen, in der in den Krankenhäusern und Kliniken des Landes epidemisch das Kindbettfieber umgeht und in der die mittellose Rose Conolly ihrer sterbenden Schwester verspricht, auf das gerade geborene Mädchen aufzupassen. Schon bald wird klar, dass jemand alles tut, um das Kind an sich zu nehmen und dieser Jemand schreckt selbst vor Mord nicht zurück. Mehrere grausig zugerichtete Leichen werden im Umfeld von Rose gefunden und bald gerät nicht nur sie, sondern auch der ehrgeizige Student Norris in Verdacht, etwas damit zu tun zu haben ...
Auch wenn im Klappentext Maura Isles genannt wird, das hier ist kein Rizzoli/Isles-Roman, sondern ein eigenständiger Krimi. Effektiv hätte es die Gegenwartshandlung auch gar nicht gebraucht, denn die historische Schilderung nimmt nicht nur einen Großteil des Buches ein, sie ist auch deutlich spannender, als Julias Stochern im Zufallsnebel. Tess Gerritsen beschreibt nicht nur spannend, sondern vor allem anschaulich das Leben in einer Zeit, in der medizinische Versorgung so ganz anderes bedeutete als heutzutage. Die Schilderung einer Amputation in einer Zeit, in der es noch keine Narkose gibt, sondenr maximal Morphium (das aber nicht einmal im Ansatz die Schmerzen lindert) ist wirklich übel zu lesen! Die Auflösung dieses Krimis war mir dann aber doch etwas zu schnell und gewollt, leider, aber bis dahin war ich sehr fasziniert und begeistert von diesem historischen Medizinthriller.Wenn man über die flache gegenwartsgeschichte hinwegsieht, ist es wirklich ein gutes Buch, das man gut weglesen kann.

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