Mittwoch, 13. Februar 2013

Minette Walters - Der Außenseiter

Bournemouth, 1970. Howard Stamp ist Anfang 20 und ein Außenseiter wie er im Buche steht. Körperlich missgebildet und geistig unterentwickelt wie er ist, ist seine Großmutter Grace seine einzige Vertraute. Und dann ist diese plötzlich tot, erstochen in ihrem Haus, und Howard wird verurteilt, obwohl er alles abstreitet. Nach nicht einmal einem Jahr begeht er im Gefängnis Selbstmord und der Fall wird nicht weiter diskutiert. Bis 2003 der Anhropologe Jonathan Hughes die Prozessakten für ein Buchprojekt analysiert und glaubt, dass Howard damals von der Polizei unter Druck gesetzt wurde. Gemeinsam mit der Stadtabgeordneten George Gardener, die seit 30 Jahren von Howards Unschuld überzeugt ist, versucht er, den Fall noch einmal aufzuschlüsseln. Und stolpert dabei über das Verschwinden der Dreizehnjährigen Cill nur wenige Tage vor dem Mord an Grace. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fällen? Zumindest eine Reihe von Leuten scheint ein großes Interesse daran zu haben, die Vergangenheit ruhen zu lassen ...

Na also, es geht doch - Minette Walters kann durchaus auch verwirrende Krimis schreiben, die dennoch logisch sind und mit einem nicht aus dem Hut gezauberten überraschenden Ende aufwarten. Gut, "Der Außenseiter" ist streckenweise doch ein wenig schwer zu lesen, was an zwei Dingen liegt. Erstens wird keine lineare Geschichte erzählt, sondern es werden zwischen die Handlungspassagen munter andere Dingeee montiert wie eMails, Auszüge aus Büchern, Polizeiprotokolle etc. Auf diese Weise ist man als Leser auf der einen Seite Jon und George im Wissen mitunter etwas vorraus, andererseits muss man sich ziemlich konzentrieren, um den Überblick über die ganzen Details zu behalten. Ich war wirklich eine Zeit lang versucht, eine Liste mit den genauen Zeitabläufen zu schreiben, so verwirrt war ich nach der x-ten Variation der Tatabläufe. Gerade das machte das Buch aber auch sehr spannend für mich, diese vielen verschiedenen Aspekte. Zäher waren da für mich schon ein bisschen die Passagen, in denen es um die inneren Konflikte von Jonathan geht, denn ehrlich, der Typo ging mir einfach sowas von auf den Senkel! Für mich ist er in seinem Selbstmitleid und seinem Leidenswillen eine der unsympathischsten Hauptfiguren aller Zeiten, davon bitte nicht noch mehr. So wechselt der Krimi immer wieder zwischen zähen und spannenden Passagen, die mich auch noch in mein geliebtes Bournemouth entführen - allein dafür mag ich das Buch ;-)

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