Freitag, 8. Februar 2013

Daniela Winterfeld - Der geheime Name



Seit sie denken kann ist Fina mit ihrer Mutter auf der Flucht vor ihrem Vater. Der ist ein Psychopath, der sie bedroht und verfolgt, und sobald es Hinweise gibt, dass er sie gefunden hat, ziehen die beiden Frauen weiter. Doch jetzt ist Fina 19 und hat genug von dem Nomandenleben, sie will studieren und ein ganz normales Leben führen. Also flieht sie zu ihrer Großmutter, die in einer verfallenen Mühle am Rand eines Moors lebt. Schon bald fühlt sich Fina von der unheimlichen Landschaft angezogen und trifft im Moor auf Mora, einen seltsamen, verwilderten jungen Mann. Die beiden nähren sich immer mehr an, ohne zu wissen, dass sie nur Figuren in einem Pakt sind, der vor Jahren geschlossen wurde ...
Daniela Winterfeld hat sich vorgenommen, eines der wohl deutschsten Märchen in die Gegenwart zu versetzen und aus einer ganz anderen Perspektive zu erzählen: Rumpelstilzchen aus der Sicht des Königskindes, das die Müllerstochter versprochen hat. Doch was, wenn Rumpelstilzchen um seinen Preis betrogen worden wäre? Starker Tobak und ein Thema, bei dem man viel falsch machen kann. Aber ich sage nur eins: wow! Ich habe noch nie ein Buch so schnell gelesen wie "Der geheime Name", es geht wirklich runter wie Öl. Die zeit ist beim Lesen verfolgen und ich habe mich in dieser Geschichte völlig verloren.
Das liegt zum einen an einem mitreißenden Schreibstil, der zwar mitunter etwas oberflächlich wirkt, aber einfach mitzieht. Darüber hinaus aber ist es vor allem die Figurenzeichnung von Fina und Mora, die mich gefesselt hat. Dieses langsame sich Annähern, das zum Teil quälend vorangeht und unterbrochen wird, das konsequente Durchhalten von logisch erklärbaren Verhalten (vor allem auf Moras Seite) und natürlich diese Verbindung von Märchenwelt und Gegenwart - das ist einfach nur unglaublich. Gerade "der Geheime" ist eine so herrliche Figur, die so faszinierend ausgearbeitet ist und so erschreckend beschrieben wird, dass sie jedem Märchen Konkurrenz macht.  Eigentlich gibt es nur einen einzigen Kritikpunkt: das Ende ist dann ein bisschen schnell und unspektakulär im Vergleich zum restlichen Buch. Aber irgendwie macht das gar nicht viel aus, denn ich würde am liebsten gleich nochmal von vorne anfangen!

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