Sonntag, 8. Juli 2012

Philip Sington - Das Einstein-Mädchen

Berlin 1932. Die Presse nennt sie nur "Einstein-Mädchen", diese junge frau, die nackt am Ufer eines Sees gefunden wurde und in ihren Händen eine Eintrittskarte zu einem Vortrag Albert Einsteins hält. Sie leidet an Gedächtnisverlust und wird in die Psychatrische Abteilung der Charité eingeliefert, wo Martin Kirsch, ein junger Psychologe und Überlebender des 1.Weltkriegs, sie zu erkennen glaubt, denn er hat sie desöfteren in einer zwielichtigen Spelunke gesehen. Aber das kann er, der angesehene Arzt und Verlobte einer Dame aus besten Kreisen, schlecht zugeben. So macht er sich alleine daran, das Geheimnis um seine Patientin zu entschlüsseln...

Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn ein Autor in der Lage ist, eine Geschichte zu erzählen, in der er nicht einfach nur geradlinnig von A nach B schreitet, sondern bewusst Umwege in Kauf nimmt, um dem Leser die Zeit, in der sein ROman spielt, vor Augen zu führen. Sington schildert das Jahr 1932, diese Umbruchphase der Weimarer Republik, so deutlich, dass man merkt, wie sehr er recherchiert hat. Gleichzeitig gibt es noch obendruaf eine Einführung in Psychiatriegeschichte und die Ideengeschichte der nationalsozialistischen Rassenlehre, in die Lebensgeschichte und den Charakter Albert Einsteins und, darüber hinaus, eine spannende Krimihandlung, die er dabei nie aus den Augen verliert. Das alles sehr schön langsam erzählt, ohne ins Betuliche oder in die Langeweile abzugleiten - ein Buch, das man wirklich mehrfach lesen kann.

1 Kommentar:

  1. Besten Dank für Deine Rezension. Ich hatte das Buch schon in der Buchhandlung liegen sehen, konnte mich aber nicht entschließen. Jetzt kommt es auf die Leseliste :)
    Liebe Grüße,
    Harald

    AntwortenLöschen