Samstag, 14. Juli 2012

Muriel Barbery - Die Eleganz des Igels

Renée ist 54 Jahre alt und arbeitet seit 27 Jahren als Concierge in einem herrschaftlichen Stadthaus in der Rue de Grenelle 7 in Paris. Paloma ist 12 Jahre und Tochter in einer sehr wohlhabenden Familie. Auch sie lebt in Rue de Grenelle 7. Beide Menschen könnten in ihrem sozialen Status nicht unterschiedlicher sein und doch sind sie sich sehr ähnlich. Denn sowohl Renée als auch Paloma sind sehr intelligent. Weit intelligenter als Familie, Freunde, Bekannte. Diese Intelligenz macht sie aber sehr einsam, denn weder bei einer gewöhnlichen Concierge noch bei einem jungen Mädchen erwarten die Menschen kluge Gedanken. Während Renée sich einzig ihrer besten Freundin Manuela, der Putzfrau, anvertrauen kann, schreibt Paloma ihre Gedanken in einem Tagebuch nieder und nimmt sich vor, sich zum Ende des laufenden Schuljahres das Leben zu nehmen - sollte nicht etwas ganz Besonderes sie davon überzeugen, dass ihr Leben wert ist, weitergeführt zu werden. Das geschieht, als eines Tages Kakuro Ozu in die Rue de Grenelle 7 einzieht, ein Japaner, der nicht nur auf beide eine unglaubliche Faszination ausübt, sondern der den beiden "Igeln" eine neue Form der Eleganz zeigt, die so völlig anders ist als das, was sie aus ihrem Leben kennen.

Das Buch macht es einem Leser nicht leiht. Es dauert sehr lange, bis man mit den Figuren einigermaßen warm geworden ist, denn Renée und Paloma teilen nicht nur ihre Geschichte mit, sondern vor allem ihre Gedanken über die Welt, die immer wieder irritierend wirken und sich erst einmal setzen müssen. Hält man allerdings etwa die ersen sechzig Seiten durch, dann wird man belohnt von einem wunderbaren Buch, das ich nicht missen möchte. Vor allem Renée ist eine sehr ungewöhnliche Figur, sie hat wirklich viel von einem Igel. Nach außen hin gibt sie sich dumm und verstellt sich, und die meisten menschen bemerken dieses zum Teil wirklich plumpe Verstellen einfach deshalb nicht, weil sie von einer Concierge nicht mehr erwarten. Palomas Altklugheit dagegen wirkt genauso aufgesetzt, es ist ihr Versuch, sich ihrer Mutter und ihrer Schwester in den Weg zu stellen.Und beide, Paloma wie Renée brauchen einen kräftigen Anschubser, der ihr Leben in eine neue Richtung führt, die aus dem Igel ein dennoch elegantes Tier machen kann.

Am Ende habe ich übrigens geweint - und das passiert wirklich nicht oft, denn ehrlich, ich bin zwar in der Realität nah am Wasser gebaut, Bücher und Filme überwinden diese Sperre jedoch nur sehr selten.

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