Dienstag, 3. Juli 2012

Bill Bryson - Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Bill Bryson ist zurück. Nachdem er zunächst in einem kurzen Büchlein (naja, schlappe 600 Seiten lang) die Geschichte des Universums vorgestellt hat, wendet er sich jetzt den Themen zu, die mich interessieren: der Geschichte.

Die Brysons sind in ein neues Haus gezogen. Eigentlich ein sehr altes, denn das Haus ist ein altes Pfarrhaus aus dem 19.Jahrhundert, und irgendwie gerät Bill Bryson ins Grübeln. Seit wann wohnen wir eigentlich in Häusern und haben die Menschen auch schon in der Steinzeit ihre Haustür abgeschlossen? Warum stellen wir ausgerechnet Salz und Pfeffer auf den Tisch und nicht Chili und Ingwer? Und warum glauben wir, Kinder hätten im Mittelalter nichts getan als zu arbeiten?

All diesen Fragen - und noch vielen mehr - geht er in diesem Buch nach. Er arbeitet sich dabei von einem Zimmer ins nächste vor und gelangt manchmal vom Hölzchen zum Stöckchen zur Zimmerpflanze und irgendwie doch wieder zurück. Das alles aber so vergnüglich, so interessant und so faszinierend, dass man einfach weiterlesen möchte. Alltagsgeschichte ist für mich immer einer der faszinierendsten Aspekte der Geschichte - "wie lebten Menschen früher", "warum leben wir heute so, wie wir leben", das sind Fragen, die mich überhaupt erst zum Geschichtslehrer gemacht haben. Und Bill Bryson scheint es ebenso zu gehen, er stellt neugierige Fragen und liefert Erklärungen, die eingängig sind und spannend, egal wie absurd sie erscheinen mögen. Was das Buch zeigt: die Industrielle Revolution hat viele weitere kleine Revolutionen ausgelöst. Häuser werden größer (und größer - und noch ein bisschen größer als größer), neue Ideen entstehen in allen Bereichen des Alltagslebens, die englische Landschaft, wie wir sie kennen, entsteht zum Teil völlig neu, und das alles selbst in einem kleinen, bescheidenen Pfarrhaus. Nicht zuletzt übrigens dank der Pfarrer, die im 18.und 19.Jahrhundert vor allem natur- und geisteswissenschaftlich forschten (und ganz nebenbei so tolle Sachen wie den Fliegenfischköder erfanden). Ich habe beim Lesen gelacht, gelernt und noch viel mehr gestaunt - und mehr wollte ich von dem Buch nicht. Lest es. Genießt es. Und vielleicht bleibt ein winziges Detail hängen - es lohnt sich in jedem Fall.

1 Kommentar:

  1. Das klingt toll! Ich finde auch die Alltagsgeschichte sehr interessant, ja fast interessanter als die Geschichte der politischen Entwicklungen. Vielen Dank für den Tipp! Das Buch ist gleich auf meinen Wunschzettel gewandert. :)

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