Samstag, 14. Juli 2012

Penny Sumner - Der Engelsbaum

Nina Karsawina wächst im zarinistischen Russland auf. Sie ist fast noch ein Kind, als dieses Leben plötzlich zerbricht, denn nicht nur verstirbt ihre Mutter und der erste Weltkrieg bricht aus, sondern sie sieht - nach einem Experiment mit Kokain - plötzlich einen Engel, der ihr voraussagt, dass sie weggehen wird. Ihr Vater verarbeitet den Schmerz um den Tod seiner Frau mit einem immer herrischeren und wunderlicherern Auftreten, schlägt seine Töchter und wendet sih dem aufkommenden Sozialismus zu. Bis Nina auf einem Ball den Engländer Richard Truelove kennenlernt und die beiden eine reine Vernunftehe schließen, die Nina nach England führt. Dort verliebt sie sich in Harry und wird von ihm schwanger, was ihrem Ehemann nur Recht sein kann, denn Richard möchte sich lediglich eine Außenfassade aufbaune, hinter der er seine Homosexualität ausleben kann. Doch kurz nacheinander sterben sowohl Richard als auch Harry und Nina erleidet einen Nervenzusammenbruch. Ihr Sohn Kyrill wird von ihrer Schwägerin adoptiert und wächst in Australien auf - und dort findet ihre Enkelin Julia schließlich heraus, dass sie eine Großmutter in England hat, die sie kennenlernen möchte.

Das Buch wurde mir von einer Freundin in die Hand gedrückt mit den Worten: "Da, lies das, das ist so toll - der Klappentext klingt richtig doof, aber das Buch ist toll." Und ich kann diese Kurzreszension nur bestätigen :-) "Der Engelsbaum" ist eine unglaublich locker und dennoch wohlformuliert erzählte Geschichte. Nina ist eine sympathische Hauptfigur, die aber genug Ecken und Kanten aufweist, um menschlich zu wirken, und es macht sehr viel Spaß, ihrem Lebensweg zu folgen, der so ganz anders ist als das, was man erwartet. Was mir gefallen hat, war die Tatsache, dass trotz aller Offenheit der Beziehung mit Richard die Ehe ganz den Konventionen der Zeit entspricht - Ninas Affäre ist verboten, Richard darf sich austoben, so hat man das schließlich schon immer gemacht. Nur auf dieser historischen Basis ist Ninas späteres Verhalten eigentlich zu erklären, denn auch der Leser geht eigentlich von völlig anderen Voraussetzungen aus, mit denen diese Ehe geschlossen wird. Auch die Nebenfiguren, allen voran Ninas Vater, sind sehr realsitisch und trotz ihrer Absonderlichkeiten sehr liebenswert. Ich hoffe, das Buch findet noch ein paar Leser, es gehört zu den Büchern, die man gerne übersieht, die aber wirklich empfehlenswert sind.

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