Sonntag, 30. September 2012

Petra Hammesfahr - Erinnerung an einen Mörder

Felix ist acht Jahre alt, als seine Kindheit eine schauerliche Unterbrechung erfährt. Schwer verletzt läuft er durch die Straßen seiner Heimatstadt, befleckt mit dem Blut seiner kleinen Schwester und seiner Mutter. Wegen Mordes und Mordversuchs wird sein Vater verurteilt und stirbt im Gefängnis – doch Felix selbst erinnert sich nicht mehr an die Tat. Erst mit 16 kommen plötzlich die Erinnerungen an seine Kindheit, die geprägt war von den Auseinandersetzungen zwischen seinen Eltern und den Strafen der Großmutter, und an die blutige Tat in ihm hoch. Im Laufe der Jahre rekonstruiert Felix für sich immer mehr den Fall und kommt zu einem einfachen Schluss: sein Vater war nicht der Mörder. Aber wer dann?
Den Titel „Meisterin des Psychothrillers“ fand ich für Petra Hammesfahr noch nie wirklich geeignet. Sie schreibt eigentlich keine Psychothriller, denn der Thrill ist den Büchern kaum zu Hause, sondern psychologisch interessante Romane, die zumeist an Krimiplots gekoppelt sind. Das ist sehr nett, in vielen Fällen wirklich gut zu lesen und ich freue mich, wenn mir mal ein Krimi von ihr in die Hände kommt. Bei „Erinnerung an einen Mörder“ ist sie jedoch von der Spur abgekommen. Sicher, die Geschichte liest sich flüssig und zieht mit, aber dennoch finde ich den Plot viel zu konstruiert. Dass ein kleines Kind natürlich eine Sperre einbaut in seinem Gedächtnis, verstehe ich absolut. Aber dieses allmähliche Herausbrechen und Felix naives Auffüllen der Erinnerung mit allem, was ihm angeboten wird, ist mir dann doch zuviel. Genauso wie die Nebenhandlung um Franka und die Mafia, das wird dann grob unrealistisch und passt einfach nicht mit der Familiengeschichte zusammen. Wenn sie sich auf einen Strang konzentriert hätte und innerhalb dessen verschiedene Optionen verfolgt hätte, wäre ich sehr zufrieden, aber hier wirkt es so, als hätte um jeden Preis noch etwas Kurioses reingebracht werden müssen. Ach, und wo wir schon dabei sind: die ständigen Black-Outs, die Felix hat, sind mir ebenfalls zu viel. Einmal, okay. Aber mehrfach? Und dann noch in einer solchen Intensität, dass er da gleich noch eine zweite Realität daraus konstruieren könnte? Irgendwie klappt das meiner Meinung nach nicht und dadurch verliert das Buch an Glaubwürdigkeit, ich kann in die Geschichte nicht so gut folgen, weil jedes Mal meine innere Stimme ein gedehntes „ja, klaaaaaaaar“ ausstößt. Das Buch ist bislang definitiv das Schwächste von Petra Hammesfahr, was schade ist, denn die Idee ist ja ganz nett erzählt.


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