Dienstag, 18. September 2012

Mark Benecke - Mordspuren

„Du, der ist schon ein bisschen speziell, oder?“ fragte mich eine Freundin, als ich mit diesem Buch in der Handtasche bei ihr auftauchte. „Der“ ist in diesem Fall der Autor Mark Benecke, der in großem Bild vorne auf dem Cover zu sehen ist – ja, „speziell“ trifft es ganz gut. Mark Benecke ist ein doch recht schillernder Wissenschaftler, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass er Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Vampirismus ist, mit Vorliebe Schwarz trägt und ein Totenkopfring sein ständiger Begleiter ist. Die Vorstellung, dass er im Anzug vor Gericht als Gutachter aussagt, wirkt befremdlich, tatsächlich ist das aber sein Brotwerwerb, denn Benecke ist eine der anerkanntesten Persönlichkeiten im Bereich der Insektenkunde, er ist vereidigter Gutachter und Herausgeber diverser internationaler Magazine, hat Forschungsaufträge an verschiedenen Universitäten weltweit und war bereits mehrfach auf der „Body Farm“ zu Gast, die weit mehr ist als eine makabere Sammlung von Leichen irgendwo auf einem Uni-Gelände. (Übrigens schaffe ich es sogar, bei meinem Wochenendritual über ihn zu stolpern. Am Samstag lese ich immer die „Zeit“ und stolpere dort letzte Woche über einen Artikel über Mumien in einem italienischen Kloster – noch während ich denke „das ist doch was für den Benecke“ lese ich den Namen des daran mitarbeitenden Kriminalbiologen ... den Rest könnt ihr euch denken. )
Was Benecke außerdem ist: rühriger Autor. Inzwischen hat er drei populärwissenschaftliche Bücher über Kriminalbiologie und Kriminalfälle geschrieben, „Mordspuren“ war der zweite Band davon. Es sind keine hochwissenschaftlichen Bücher, sondern in erster Linie Unterhaltungsliteratur, die einen Einblick in die Arbeit geben und leichtes Gruseln hervorrufen soll, insofern erwartet und hier natürlich ein Who is Who des Makaberen. Es geht um Vampirismus und Kannibalismus, gefälschte Mumien und vom Erfolg gekrönte Ermittlungen. Gelegentlich, z.B. im Fall von Armin Meiwes, ergreift Benecke offen Partei, außerdem wünscht man sich als Leser hin und wieder doch etwas mehr Eingehen auf die Fakten eines Falls, um sich in den Ansammlungen zurechtzufinden, aber im Großen und Ganzen stellt das Buch eine bemerkenswert unterhaltsame Lektüre dar, die alles erfüllt, was man von guter Populärwissenschaft erwartet: Klarheit, Faszination mit dem leichten Gruselfaktor und Unterhaltung. All das bietet „Mordspuren“ auf durchaus hohem Niveau.

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