Montag, 27. Juni 2011

Rebecca Gablé - Hiobs Brüder

Ich konnte einfach nicht wiederstehen - obwohl ich mich offiziell mit den Kreuzzügen und Karl dem Großen beschäftigen müsste, damit die Prüfung am Mittwoch was wird, ging es einfach nicht. Ich brauchte was anderes und die Auswahl in meinem Bücherregal hat mir zumindest das Alibi gegeben, mich geschichtlich weiterzubilden, indem ich zu einem historischen Roman greife (das wenn der Professor wüsste ... ).

Ich glaube, jeder Historiker hat so sein Steckenpferd. Meines ist eigentlich vor allem die Weimarer Republik und der Nationalsozialismus, aber wenn ich außerdhalb Deutschlands suche, dann lande ich unmittelbar im englischen Mittelalter, genauer gesagt in der Zeit zwischen Wilhelm, dem Eroberer und dem Rosenkireg der Häuser Lancaster und York. Das ist zunächstmal einer Kurzfassung von "Ivanhoe" zu verdanken, die ich mit 10 gelesen habe, in einem Buch, das schon mein Vater besessen hat - Gott, was hab ich mitgefiebert und mitgelitten, was wurde mein Wortschatz bereichert mit Worten wie "Mündel" :-D Über einen kleinen Umweg landete ich vor drei oder vier Jahren dann bei Rebecca Gablé, einer Autorin, um die ich allein schon wegen des Namens (der immer so ein bisschen nach "Liebesschmonzette in der Ritterrüstung" klang) immer einen Bogen gemacht hatte. Ich musste mein urteil schon lange revidieren, ich finde, dass Gablé die wohl besten historischen Romane über das englische Mittelalter schreibt, die es gibt. Das liegt vor allem daran, dass sie es schafft, eine irrsinnige Anzahl an realen Personen in die Romane einzubinden (was bei anderen Autoren schnell zu einem Name-Dropping gerät, das irgendwann ein wenig langeilt), die aber so mit Leben anzureichern, dass sie völlig realistisch, normal und am Platz wirken. Vor allem aber ist das alles historisch so fundiert recherchiert, dass man einen wunderbaren Eindruck in die Geschichte Englands erhält - deshalb empfehle ich hier an dieser Stelle auch ein anderes Buch, "Von Ratlosen und Löwenherzen", ihr Sachbuch über das englsiche Mittelalter, das einfach nur wundervoll ist!!!

Zurück zum Roman, um den es hier gehen soll. "Hiobs Brüder" spielt am Ende der Anarchy, jenes düsteren Zeitabschnitts, als Kaiserin Maud und ihr Cousin König Stephen das Land mit ienem Bürgerkrieg überzogen, weil sie sich um die englsiche Krone stritten - und ich hab ehrlich immer mehr das Gefühl, beide wollten sie eigentlich gar nicht, kamen aber einfach nicht mehr aus der Sache raus. Zu Beginn des Romans wird der 15jährige Simon de Clare von eingigen Mönchen dorthin gebracht, wohin er ihrer Meinung nach gehört: in eine stillgelegte Lepra-Anstalt vor der Küste, wo der Epileptiker sich mit einer Horde Irrer vergnügen darf und gute Christen nicht mit seinem Anblick belästigt. Simon trifft auf eine Gruppe unterschiedlicher Menschen, geistig Behinderte werden dort ebenso wie von Geburt an körperlich Behinderte gehalten, ein dezent psychopatischer Mörder lebt mitten drin, und zusammengehalten wird diese bunte Truppe von zwei Männern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Edmund, vermutlich ein ehemaliger Priester, der sich für den heiligen König Edmund hält, und Losian, ein Kreuzfahrer, der sein Gedächtnis verloren hat und dessen Erfahrungen als Heerführer eine gewisse Disziplin einhalten lassen. Bei einem Sturm auf der Insel gelingt ihnen die Flucht und eine Truppe von zehn Männern bricht auf in eine Welt, die sie eignetlich gar nicht haben will. Dass sie dabei auf einen Vierzehnjährigen treffen, der auf den Namen Henry Plantagenet hört und sich in den Kopf gesetzt hat, englischer König zu werden und seine Mutter Maud zu rächen, sich dabei aber im Wald verlaufen und seine Ritter verloren hat (und absurderweise ist diese Episode tatsächlich wahr!) erweitert ihr Abenteuer um einige politische Intrigen, Ränke und Fallstricke ...

Ich werd nicht mehr verraten, keine Sorge. Ich habe das Buch verschlungen und werde wieder mal bestätigt: das ist großes Kino im Buchformat. Ich hasse die Bezeichnung "prall", aber das ist das Buch nunmal: angefüllt mit so vielen Ideen, so vielen Körnchen, so vielen schönen Szenen und so vielen Persönlichkeiten, dass es einfach nur Spaß macht, es zu lesen ;-)

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