Mittwoch, 22. Juni 2011

Cornelia Funke: Reckless. Steinernes Fleisch

Oh verdammter Mist, was mach ich nur? Wie sage ich es nur, dass ich von Cornelia Funke, einer meiner liebsten Kinderbuchautorinnen, so fürchterlich enttäuscht bin? Es ist ja nichtmal so, dass das Buch schlecht ist, nein, viel schlimmer, es ist durchschnittlich und belanglos. Verdammt, Frau Funke, was haben Sie nur gemacht?

"Reckless" sollte die fulminante Rückmeldung nach der Tinten-Trilogie werden, in die ich mich von der ersten Seite verliebt hatte. Ich hatte noch nie zuvor ein Buch gelesen, in dem die Lust am Lesen, am Schmökern und Sich-Verzaubern-Lassen so sehr gefeiert und so liebevoll dargeboten wurde. Und genau deshalb klang "Reckless" einfach nur wundervoll: es ist die Geschichte von Jacob Reckless, der durch einen Spiegel in eine Welt eintaucht, in der Märchen wahr sind. Die Welt der Märchenfiguren und der Abenteuer hat seinen Vater schon vor Jahren weggelockt und auch Jacob gerät immer mehr in ihren Bann. Doch dann folgt ihm sein jüngerer Bruder Will in diese Welt und wird mit einem Fluch beladen. Seine Haut verwandelt sich in Stein, und Jacobs einzige Aufgabe besteht darin, ein Gegenmkittel zu finden ...

Ach, Frau Funke. Es hätte so schön werden können, dieses Buch. Und an einigen Stellen, da bemerkt man sie auch, diese Lust am Fabulieren und an den verrückten Ideen. Diese Märchenwelt gerät allmählich aus den Fugen, ähnlich wie am Ende der Romantik die Industrielle Revolution steht, dringt auch hier die Technik langsam aber sicher in die beschauliche Welt dere Feen und Zwerge ein. Und der Schneider ist eine so wundervolle gruselige Figur direkt aus dem Schauerroman, man hört es klippen und klappen und gruselt sich so wie damals, als der Wolf vor dem Haus der sieben Geißlein stand ... Und dann? Dann machen Sie einfach nichts draus. Dann wird das alles so runtergeschrieben, einfach nur abgehandelt. Und ja, man merkt dem Buch an, dass da ein Co-Autor beteiligt war, der als Drehbuchautor arbeitet. Denn nichts andere ist das Buch, das Drehbuch für einen Film, das mit ein paar erklärenden Sätzen angereichert wurde. Und die Geschichte folgt dem Schema F, so stur, dass man als Leser immer wieder hofft, dass es nicht so ist, nur um wieder enttäuscht zu werden. Es sit nichts Neues, nichts Originelles in diesem Buch, und das soll noch mindestens zwei Bände so weitergehen? Vielleicht wäre es besser, das noch einmal zu überdenken, zur Ruhe zu kommen udn etwas ganz anderes zu schreiben ...

1 Kommentar:

  1. Ohhh, wie schade! Ich habe die tintenherz-Bücher auch so geliebt! Ich hätte nicht gedacht, dass C. Funke überhaupt was mieses schreiben kann. :-/

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