Sonntag, 12. Juni 2011

Ingrid Hedström - Die Gruben von Vilette


Vilette, 1994. In dem kleinen belgischen Ort wird die Untersuchungsrichterin Marie Poirot mit einem neuen Fall konfrontiert. Die Leiche eines jungen Journalisten wird auf einem Kahn gefunden. Er war eier heißen Sache auf der Spur, so viel ist sicher, aber worum geht es genau? Hat es mit seiner Arbeit für die Museumsinitiative zu tun, die eine Gedenkstätte für die 1954 verunglückten Grubenarbeiter errichten will? Oder mit seinen Nachforschungen über den Verkauf der Stahlfirma? Und welche Rolle spielt der dubiose Stéphane Berger, ein ehemaliger Schauspieler, der heruntergekommene Betriebe aufkauft? Als schließlich auch noch Birgitta Matson, eine schwedische Kommunalpolitikerin, die zu einer Tagung in Brüssel weilt, erschossen wird, nimmt der Fall tatsächlich internationale Dimensionen an...

Ach, es hätte so spannend werden können. Das Buch habe ich gekauft, nachdem ich am Bahnhof noch etwas Zeit hatte, der Klappentext klang vielversprechend, grade die tragische und geheimnisvolle Geschichte in der Vergangenheit hat doch echt viel versprochen. Aber ich muss gestehen: ich habe selten einen zäheren und irgendwie auch langweiligeren Krimi gelesen als "Die Gruben von Vilette".

Erstmal sei gesagt, dass es sich hier um den zweiten Teil einer Serie handelt, das macht aber nichts, man kommt sehr gut ins Personal hinein, es gibt keine großen Spoiler über den letzen Band. Ich muss aber sagen, von dem, was man so über den ersten band erfährt, hat man bei dem auch nicht viel verpasst. Ingrid Hedström schient vor allem Wirtschaftskriminalität zu interessieren, dazu Korruption und Kritk an der Politik - das ist okay, aber irgendwie wirkt es in "Die Gruben von Vilette" mitunter etwas zu gewollt. Dass das Buch 1994 spielt, also im Jahr des schwedischen EU-Beitritts, ist interessant, die Geschichte setzt diese Zeit voraus, aber auf der anderen Seite ist diese Zeitreise auch immer ein bisschen störend beim Lesen. Die Geswchichte würde auch heute funktionieren, wenn man statt Schweden z.B. Estland wählen würde, aber dann könnte man ja nicht diese unglaublichen familiären Wendungen verwenden ...
Damit kommen wir zu meienr Hauptkritik, die mich beim Buch echt gestört hat. Dass Marie mit einem Halbschweden verheiratet ist, der zufällig auch noch der Sohn einer bekannten Malerin und der Bruder einer bekannten Schauspielerin/Regisseurin ist - geschenkt, kein Problem. Dass man aber beim Lesen das Gefühl hat, die Welt sei ein einziges Dorf, so dass rein zufällig Person A auch Belgien gleich noch der Buder vom Nachbarn in Schweden ist (als willkürliches Beispiel), ist mir einfach zu sehr aus der "Überraschung"-Kiste gezogen worden. Dazu kommt Frau Hedströms Neigung, Hinweise auf Verdächtige nicht etwa subtil, sondern mit der Holzhammer-Methode zu veröffntlichen. Normalerweise bin ich bei Krimis vom Ende immer überrascht, weil ich dies eliebevoll platzierten Hinweise gerne überlese - aber wenn dieses Mal selbst ich schon auf Seite 47 weiß, wie der Hase läuft und wo er sein Loch hat, dann wwar es doch zu viel des Guten. Nee, ehrlich, ich möchte nicht spoilern, aber dieser dezente Hinweis mit den Zweitnamen *räusper* davon hab ich mich fast schon veralbert gefühlt.

Ich hätte mir für dieses Buch sehr viel mehr Spannung gewünscht, mehr Zeitkolorit (mir hätte es gefallen, das Geschehen von 1954 noch ein bisschen öfter dargestellt zu erfahren, statt immer nur als Erzählung von jemandem serviert zu bekommen). Allein das wäre dem Buch zu Gute gekommen, denn es ist streckenweise dermaßne zähflüssig und doof - ehrlich, ich rate euch zu jedem anderen schwedischen Krimi :-?

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