Samstag, 3. März 2012

Isabel Allende - Das Geisterhaus


Ich habe so lange einen Bogen um das Buch gemacht, dass ich die Hoffnung, es jemals von der "Liste der 100 Bücher" streichen zu können, fast aufgegeben hatte. Dann habe ich es doch mal in der Bibliothek mitgenommen (naja, es stand eben auch grade rum und ich hatte ja noch Platz in der Tasche) und mich dran gemacht...

Die ersten 100 Seiten waren fürchterlich, fürchterlich zäh. Ich war nahe dran, es endgültig wegzupacken. Mich hat alles an dem Buch genervt. Diese betuliche, getragene Sprache. Die Eigenart, alle paar Seiten plötzlich vom auktorialen Erzähler in die Ich-Form zu wechseln. Die Langeweile, mit der die Familie geschildert wird. Das alles änderte isch erst ungefähr ab dem zweien Teil. Die Geschichte gewann nicht nur an Fahrt, sondenr vor allem an interessanten Informationen über die chilenische Geschichte. Und das hat mich wirklich entschädigt, denn ich weiß effektv so gut wie nichts über Chile und die Militärdiktatur unter Pinochet, geschweige denn seinen Vorgänger Allende (der der Onkel Isabell Allendes war), und gradedadurch hat sich das Buch gelohnt. Auch wenn die Sprache weiterhin zäh und betulich war ;-)

Nein, im Ernst, "Das Geisterhaus" ist wirklich gut. Die Geschichte entführt einen, wenn man sich auf sie einlässt, in einen unfassbaren Sog aus Familiengeschichte und Historienepos. Und obwohl es deutlich dünner ist als russischen Familiensagas, ist auch dieses Buch eben eine solche: eine Familiensaga im besten Sinne.

1 Kommentar:

  1. Hallo und Vielen Dank für Deine Rezension!
    Südamerikanische Erzähler neigen gerne zum thematischen Abschweifen und geraten leicht vom Hundertsten ins Tausendste (siehe auch in meiner Rezension zum Geisterhaus im Biblionomicon). Trotzdem zählt Isabel Allendes Geisterhaus zum Literaturkanon. Ich habe gesehen, dass wir einige Überschneidungen in der Rezensionsliste haben. Bind schon gespannt darauf, Deine Meinung zu diversen gemeinsam gelesenen Büchern zu erfahren...
    Viele Grüße,
    Harald

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