Freitag, 5. August 2011

Jodi Picoult - Schuldig

Ich bin ja ein kleiner Comic-Fan, tief in meinem herzen. Deshalb hab ich auch gar nicht lange nachgedacht, als ich in der Stadtbibliothek ein Buch von Jodi Picoult gefunden habe, in dem die Hauptfigur ein Comiczeichner ist und das im Laufe der Geschichte immer mal wieder Seiten aus seinem Comic präsentiert.

"Schuldig" ist die Geschichte von Daniel Stone. Er zeichnet Comics, sein neues Werk basiert auf den Uni-Vorlesungen seiner Ehefrau Laura, die als Expertin für Dante gilt. Da Lauras Karriere an der Universität die Familie finanziell versorgt, ist Danel auch Hausmann und zuständig für die vierzehnjährige Trixie, die einzige Tochter der Stones. Daniels heile Welt gerät eines abends aus den Fugen, als er seine Tochter im Badezimmer vorfindet - sie wurde von ihrem Freund vergewaltigt...

Der Plot klingt zunächst mal nach einem typischen Jodi-Picoult-Roman. Eine Familie, deren beschauliches Leben auseinanderbricht und die jetzt sehen muss, wie sie damit zurecht kommt, dass nichts mehr so ist, wie es früher einmal war. Trixies Aussagen erweisen sich hier und da als gelogen oder geschönt, ihr Freund als allseits beliebter Eishockeyspieler wird als das Opfer der Sache betrachtet, und die Ehe von David und Laura steht kurz vor dem Scheitern. Bis hierhier ist die Sache klar, ich habe einen richtig guten Roman gelesen, die Sache war spannend, die Figuren in ihren Handlungen und Aussagen wahnsinnig persönlich gezeichnet und vor allem ungeheuer menschlich gerade in ihrem Versagen, Weitermachen, Lügen und die Wahrheit sagen - und ich hätte diesem Buch bedenklos fünf von fünf Sternen gegeben.

Und dann wird der potentielle Täter auch noch unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden. Von da an nimmt das Buch eine rasante Wendung, die mir persönlich nicht gefallen hat. Trixie haut ab nach Alaska und ohne zu spoilern, ehrlich, alles was danach passiert, ist einfach nicht mehr gut. Es wirkt zusammengeschustert, ein bisschen zu sehr auf "Friede, Freude, Eierkuchen" bemüht, das Ende ist abzusehen und echt nicht sonderlich überzeugend. Ich hatte das Gefühl, Jodi Picoult wollte um jeden Preis etwas anderes schreiben, was schade ist, denn mit "Beim Leben meiner Schwester" hat sie ja bewiesen, dass sie es kann: dichte Familiengeschichten, die an keiner Stelle kitschig wirken und die am Ende eine Wenung nehmen, die man beim Lesen nicht erwartet hat, die aber völlig logisch vom Auotrenstandpunkt her wirkt. Aber das ist bei "Schuldig" einfach nicht gelungen.

Zu den Comics ist zu sagen, dass ich da die Tiefe noch mehr vermisse als im Roman selbst, die sind echt ungeheuer plakativ. Ein nettes Gimmick am Rand, aber ich hab mir ein bisschen mehr versprochen, die reißen die Geschichte auch nicht mehr raus.

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