Sonntag, 3. Januar 2016

[Buchgedanken] Terry Pratchett - Die Krone des Schäfers

Tiffany Weh hat es geschafft. Sie ist die Hexe des Kreidelands und wird in dieser Rolle trotz ihres jungen Alters mehr und mehr akzeptiert. Doch tief unter dem Kreideland rührt sich etwas - die Elfen rufen erneut zum Aufstand. Und Tiffany hat plötzlich nicht nur einen alten Feind und die Wir-sind-die-Größten am Hals, sondern eine Doppelhexenstelle und chronische Arbeitsüberlastung. Wo zuerst ansetzen? Zum Glück hat sie nicht nur kleine Kobolde, sondern auch einige Hexen zur Unterstützung ...

Ich habe das Buch kurz vor Silvester in der Bibliothek gesehen und sofort eingesteckt. Ich wollte einfach Abschied nehmen können von Terry Pratchett mit seinem letzten Roman, mit dem auch die Reihe um Tiffany Weh abgeschlossen wird. Nicht nur mit ihr gibt es ein Wiedersehen, sondern auch mit vielen anderen liebgewordenen Hexen, allen voran Nanny Ogg und Oma Wetterwachs. Und natürlich TOD, denn - so viel Spoiler muss sein - von einer der Figuren heißt es eben auch, Abschied zu nehmen. Der Geschichte merkt man an, dass Pratchett bis zum Ende dran gearbeitet hat und immer noch Leerstelen hätte füllen können. So ist etwa der Schuppen als Freizeitbeschäftigung für die chronisch unterbutterten Männer des Kreidelandes eine gute Idee, die aber noch ausgebaut hätte werden können, so steht es am Anfang etwas sinnfrei in der Gegend, um am Ende im Showdown eine Rolle zu erhalten. Auch Gottfried, die erste männliche Hexe der Scheibenwelt, hätte noch viel mehr Raum verdient, nich zu vergessen die unterschiedlichen Hexencharaktere ... aber ach, dafür hat die Zeit nicht mehr gereicht und so nimmt man eben Abschied mit einer unvollendeten Geschichte, die aber bereits den typischen Witz von Pratchett erahnen lässt.

Dieser Witz jedoch geht in der deutschen Übersetzung ziemlich zugrunde, da die neue Übersetzerin zum einen völlig sinnlos dazu übergeht, Personen ihren Originalnamen zu geben (man mag ja dagegen sein, Figurennamen überhaupt zu übersetzen - aber wenn man es schon so lange so macht, kann man das doch auch beim letzten Band beibehalten ...), zum anderen einfach extrem vordergründig übersetzt und Sprachwitz dabei hintenanstellt. Das ist besonders zu spüren, sobald es in die "obszönere" Ecke geht, sei es bei Nanny Ogg oder an anderen Stellen. Ja, auch Pratchett ist im Original kein Kostverächter, doch schafft er es irgendwie, nicht die vulgärste oder simpelste Wortwahl zu verwenden, sondern ein Augenzwinkern zu behalten  - während in der Übersetzung halt mal vom "Gehänge" und den "Eiern" die Rede ist. Ich weiß auch nicht, mich hat das beim Lesen immer ein bisschen rausgerissen, leider. Denn darunter hat der Abschied gelitten, weil ich mich immer mehr über die Übersetzung geärgert habe. Ich werde es also definitiv noch einmal im Original versuchen müssen.

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