Sonntag, 3. Januar 2016

[Buchgedanken] David Safier - 28 Tage lang

Mira ist 16 Jahre alt und versucht, mit ihrer Mutter und ihrer Schwester im Waschauer Ghetto zu überleben. Dafür schmuggelt sie heimlich Essen aus dem polnischen Teil der Stadt ins Ghetto und trifft dabei einen Jungen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Amos, so sein Name, gehört dem jüdischen Widerstand im Ghetto an und geht davon aus, dass schon bald das Ghetto geräumt werden soll. Als das tatsächlich geschieht, schließt sich auch Mira den Kämpfern an und erlebt mit, wie eine kleine und nur schlecht bewaffnete Gruppe der allggenwärtigen und übermächtigen SS Widerstand bietet. 28 Tage lang wird der Aufstand dauern ...

Ich muss vorneweg eins gestehen: Ich kann David Safier als Autor einfach nicht leiden. Ich finde seine "humorvollen" Bücher immer irrsinnig schlecht geschrieben und meistens irgendwo im Pennälerhumor verankert. Deshalb habe ich auch ganz lange einen Bogen um das Buch gemacht, denn eins war mir klar: Dieses Thema und David Safier - das ist eine Herausforderung.

Und jetzt kann ich nur sagen: Chapeau, Herr Safier.

Sicher, ganz selten bricht er durch, der typische Safier-Ton, der mich dann beim Lesen kurz hatinnhealten lassen. Aber meisntes hat er eine sehr klare Sprache, ohne großen Vulgärwortschatz - und die setzt er ein. Safier hält den Finger gerade so lange auf den Leser, damit er versteht, wie willkürlich, grausam und grauenhaft das Leben im Ghetto ist. Die für mich wohl schlimmste Szene ist die Beschreibung der Räumung des Waisenhauses von Janusz Korszac, die ich nicht mehr aus dem Gedächtnis bekommen werde - Korszac, der die Mögichkeit gehabt hätte, sich retten zu lassen, geht mit seinen Kindern gemeinsam zum Zug. Wie auf einem Wandertag, in Zweierreihen und händchenhaltend, ein Lied singend und mit der Fahne des Waisenhauses. Keine Angst zu vermitteln, selbst wenn klar ist, wo er endet - ich habe nach dieser Szene nicht weiterlesen können. Und dann doch wieder weiterlesen müssen. Das Buch fesselt. Es schmerzt. Es brignt zum Weinen und zum Nachdenken. Weil immer wieder diese eine Frage im Raum steht: Was für ein Mensch willst du sein?

Das Buch ist gut. Der einzige wirklich gute Safier, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Was für ein Start ins Jahr 2016!

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