Montag, 29. Juni 2015

[Buchgedanken] Josef Kraus - Helikoptereltern. Schluss mit Förderwahn und Verwöhnung

Jeder Lehrer kennt sie - die Eltern, die beim Elternabend aufstehen und diskutieren wollen. darüber, wieviele Salatblätter auf den Pausenbrötchen liegen, darüber, wie viele Vokabeln die neue Spanischlehrerin aufgibt, dass die Schule ergonomische Schulbänge einführen muss, dass die Jolanda und der Henri viel besser lernen könnten, wenn sie während des Untrrrichts über ihren Ipad klassische Musdik genießen dürften, und und und. Nicht nur Lehrer kennen sie. Auch Erzieher werden bereits von Eltern auf die besonderen Fähigkeiten des Windelträgers hingewiesen, und selbst an Universitäten gibt es inzwischen Elternwochen, damit die Eltern sich selbst von der Vollwertigkeit der Uni-Mensa überzeugen können. Wenn so eine Person auftritt, dann ist klar: ein Helikopter brummt hier um den Nachwuchs, darum bemüht, das Kidn mit den bestmöglichen Vorteilen zu versehen, um es bestmöglich in den Arbeitsmarkt zu überführen. Genau diese Eltern, nach kraus Einschätzunh etwa 10% der Eltern, sind es, die aber den Alltag für ihre Kinder immer schwerer machen. Die nicht mehr einfach nur erziehen, sondern Kompetenzen fördern und Angst haben, durch nicht-angenommene Maßnahmen das Leben ihres Sprösslings eindeutig zu verbauen. Also rein mit Kindern ins Frühkopfrechnen für Zweijährige, Chinesisch mit drei und Musikfrüherziehung bereits im Mutterleib ...

Ich habe dieses Buch neulich in einer Nachmittagsstunde angefangen, weil ich einen Vortrag von kraus gehört hatte und mal wissen wollte, was er denn jetzt so empfiehlt oder analysiert. Der Vortrag bestand aus netten Anekdoten und Forderungen an Eltern, Kinder Kinder sein zu lassen und autoritativ zu erziehen. Wer von dem Buch mehr erwartet, sei jetzt gewarnt: es ist nicht mehr. Kraus ist gut darin, Probleme aufzuzeigen, letztlich hat er hier aber nichts geschrieben als 200 Seiten "Früher war alles besser". Es findet keien wirkliche Analyse statt, er setzt einem permanent Quellen vor - dabei ist es einerlei, ob halb-lustige Witze wie die "Wir Kinder der 19xx-Jahre"-Dinger, die ständig auf facebook geteilt werden oder wissenschaftlich-pädagogische Werke - aber er unternimmt nicht einmal im Ansatz den Schritt dazu, mehr als nur Thesen aufzustellen. Und das ist schade, denn eine muntere Abrechnung mit bestimmten Eltern - die kann ich auch allein vornehmen. Anekdoten zu erzählen habe ich auch mit weniger Schulerfahrung, aber veröffentliche ich sie? Nein, weil ich finde, dass ein "Hört auf zu fördern und zu verwöhnen" wenig Substanz hat. Genau das fehlt dem Buch aber extrem - substanzielle Beiträge zur Sachfrage.

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