Sonntag, 28. Juni 2015

[Buchgedanken] Peter Prange - Die Philosophin

Paris in den 1750er Jahren. Die junge Sophie arbeitet als Kellnerin im "Procope", einem der zentralen Cafés, in denen die Philosophen Frankreichs ihre radikalen Ideen diskutieren. Hier trifft sie zum ersten Mal einen Mann, der fortan ihr Leben bestimmen wird: Denis Diderot. Der ständig klamme Bewunderer der Schokolade hat einen Plan, der ihn entweder direkt ins Gefängnis oder in die Geschichtsbücher bringen wird: er will eine Enzyklopädie herausgeben, das Wissen der Welt gesammelt in Büchern, geschrieben von den führenden Gelehrten und ganz dem Geist der Aufklärung verpflichtet. Bereits der erste Band gerät zu einem Skandal, der Zensur immer einen Schritt voraus zu sein, ist fortan Diderots Hauptaufgabe. Und dennoch gelingt es ihm gemeinsam mit Sophie die Aufgabe nie völlig zu verlieren ...

Hach, was stand das Buch bei mir lange im Schrank rum. Gestern hatte ich aber extreme Lust auf historischen Roman und das hab Buch in einem Rutsch runtergelesen. Ich hatte aber von Anfang an ein Problem damit, nämlich dass trotz allem Namedropping und trotz der jeweils einen Zeitraum einleitenden "Paris, der Krake"-Kapitel nicht so wirklich die Zeit für mich lebendig wurde. Es war so klischeehaft versatzstückig, z.B. bereits am Anfang der Hexenprozess wie aus dem Lehrbuch ... da hat irgendwas gefehlt, was vielleicht mal zeigt, dass man nicht nur aus Sekundarquellen abschreibt.

Mehr gestört hat mich dann aber nach einiger Zeit die Frage, warum Prange ausgerechnet Sophie Volland zur Heldin seines Romans macht und dann aber nicht die Spur der echten Sophie in ihr unterbringt. Ich mach es ja ganz gerne, dass ich parallel zum Lesen mal bei Wikipedia zumindest grob nachschaue, was es mit den Personen so auf sich hat - und irgendwie finde ich schon absurd, einen Roman um eine Frau zu schreiben, die es wirklich in sich hat und deren Leben auch so spannend ist, nur um deren Leben nicht nur hier und da zu verändern, sondern effektiv eine komplett andere Person draus zu machen, dann aber im Nachwort so zu tun, als hätte man das getan, weil ja schließlich so wenig über die Frau bekannt sei ... Ähm, irgendwie ist die Ausrede nicht sonderlich stichhaltig. Geschichte sollte für einen Autor historischer Romane mehr sein als ein Selbstbedienungsladen, bei dem man sich munter aus den Regalen pickt, worauf man grade Lust hat. Geht es nicht eigentlich darum, dem Leser eine Zeit und Figuren vor den Augen lebendig werden zu lassen?

Abgesehen davon ist das Buch als historischer Roman echt okay. Es liest sich leicht, selbst in den philosophischen Anrissen, es ist doch ganz spannend und die Philosophen sind schon ganz nett geschildert. Alles in allem also keine riesige Enttäuschung, durchaus lesenswert, aber sicher nicht mein Liebling in diesem Jahr.

1 Kommentar:

  1. Hitsorische Romane habe ich eine Zeit lang unheimlich gern gelesen, seit Längerem reizen sie mich so gar nicht mehr...

    Die Auswertung vom Juni findest Du hier:
    http://www.kastanies-leseecke.de/?p=9197

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