Samstag, 20. Juni 2015

[Buchgedanken] E.Annie Proulx - Das grüne Akkordeon

1890 fertigt ein italienischer Akkordeonbauer in kleines grünes Knopfakkordeon an, bevor er sich gemeinsam mit seinem Sohn auf ein Einwandererschiff nach New Orleans begibt. Dort angekommen, gerät er statt in den American Dream schon sehr bald unter die Räder. Ein schwarzer MIssissippi-Matrose nimmt das Akkordeon mit auf seinen Dampfer, es landet über Umwege bei deutschen Einwanderern, wird weiterverkauft und gestohlen, passiert Mexikaner und Polen - und bleibt dabei immer ein Zeuge der vielfältigen Versuche, im Neuen Land heimisch zu werden und an den musikalischen Traditionen festzuhalten ...

E.Annie Proulx macht es einem nicht leicht mit diesem Roman. Sätze, die zwar ein bisschen kürzer als bei Thomas Mann, dabei aber metaphern- und inhaltsreicher sind als bei jedem anderem Schriftsteller, kennzeichnen dieses Buch. Wenn man sich darauf aber einlässt, dann wird man mit einem Roman belohnt, der einen mitten hineinweift in den amerikanischen Schmelztiegel. Egal, welche Nation gerade im Mittelpunkt steht, das Akkordeon taucht immer wieder auf. Nebenbei erfährt man als Leser vermutlich mehr über HErstellung und Geschichte des Akkordeonbaus, als man jemals hat wissen wollen, und irgendwann schwirrt einem der Kopf vor lauter Fachbegriffen. Aber dann hat man wieder, ganz ohne es zu wollen, sofort Akkordeonmusik m Ohr. Seien es Tangoklänge oder Polkas, jede Geschichte hat ihren eigenen ihr innewohnenden Soundtrack, der mich als Leser mitgezogen hat. Es ist vielleicht gar nicht so verkehrt, im Hintergrund youtube laufen zu lassen, um noch tiefer hineingezogen zu werden.

Ich fand das Buch extrem sprachgewaltig und es fiel mir schwer am Balöl zu bleiben - Kunststück, mein Hirn ist grade angefüllt mit Zeugnisformulierungen und diversen privaten Sachen. Aber nichtsdestotriotz habe ich mich durchgekämpft. Nicht gequält, sondern gekämpft. Das Buch ist wie eine Bergbesteigung - man fflucht inenrlich, während man es liest, aber sobald man auf der letzten Seite angelangt ist, weiß man gar nicht mehr, warum es so schlimm gewesen sein soll. :-)

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