Samstag, 8. März 2014

[Buchgedanken] Mila Lippke - Der Puppensammler

Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts. Cecilie ist 19 Jahre alt und damit in ihren Kreisen bereits ein spätes Mädchen, hat sie doch noch keinen Verlobten. Ihr Vater gibt deshalb eine Anzeige auf, auf die sich ein aussichtsreicher Kandidat bewirbt. Der verarmte Adelige möchte von Cecilies Mitgift profitieren, während sie dafür einen schicken Titel erhalten würde. Doch Cecilie hat mit ihrem Leben ganz andere Pläne, sie möchte eigentlich Medizin studieren. Nach einem heftigen Streit mit ihrem Vater läuft sie von zu Hause weg und landet schließlich im düsteren Leichenkeller der Berliner Morgue. Dort herrscht Hektor von Thorwald, ein wortkarger Arzt, der die junge Frau als Putzfrau und schließlich auch als inoffizielle Assistentin beschäftigt. Und die hat er bitter nötig, werden in Berlin doch in letzter Zeit immer wieder Frauenleichen an öffentlichen Plätzen deponiert, die wie Puppen zurechtgemacht wurden. Gemeinsam stoßen Cecilie und von Thorwald in die dunkle Gedankenwelt eines Mörders vor ...

Ich habe dank meiner Leseliste festgestellt, dass ich dieses Buch letztes Jahr zum dritten Mal gelesen habe! Erschreckend daran ist, dass ich ab dem zweiten Mal davon überzeugt war, es noch nie gelesen zu haben. Das Buch ist eine nette Kriminalgeschichte, die historischen Hintergründe sind recherchiert und liefern hübsche Hintergrundatmosphäre, mehr ist aber im Buch fast nicht zu finden. Die Krimihandlung an sich ist so altbekannt, dass man dem Mörder quasi von selbst auf die Schliche kommt - was auch am großen Manko des Buchs liegt, in dem Gut und Böse so klar verteilt sind. Die Figuren waren für mich wenig überraschend, ihre Handlungen sehr vorhersehbar und die emanzipatorische Botschaft so mit dem Holzhammer verbreitet, dass ich diese Stellen ein wenig überblättert habe. Unvergesslich die Szene, in der Cecilie auch noch Zeuge wird, wie der Vater das Dienstmädchen vögelt - noch subtiler hat Frau Lippke es vermutlich nicht hingekiegt, die Scheinheiligkeit des gehobenen Bürgertums zu demonstrieren ... Und in diesem Stil kommen immer wieder Szenen, die mir eher ein Augenrollen abringen können als mit zu ergreifen. Der Mörder und sein Motiv sind schnell durchschaubar, das Finale setzt dem nur ein Tüpfelchen auf, indem man komplett vom Mörder seine psychologische Motivation vorgekaut bekommt.

Nein, das Buch ist nicht schlecht - aber ich weiß jetzt wieder, warum ich es so schnell vergessen habe. An Knochen allein kann man sich einfach nicht sättigen, hier fehlt vor allem das Gewürz, das aus dem Fleisch ein eigenes Gericht macht ...

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