Samstag, 20. Oktober 2012

Johanna Spyri - Schloss Wildenstein

Johanna Spyris Name wird auf immer und ewig mit nur einem Buch verknüpft werden: „Heidi“. Dass sie noch andere Bücher geschrieben hat, geht ziemlich unter, dabei finde ich seit meinem zehnten Lebensjahr, dass sie ein viel besseres und spannenderes Werk hinterlassen hat: „Schloss Wildenstein“.
In einem idyllischen Bergdorf wachsen die Kinder der Familie Bergmann auf. Ihre verwitwete Mutter hat so ihre Mühe mit den fünfen: mit Bruno, dessen Gerechtsgkeitssinn mit einem cholerischen Temperament einhergeht, das ihn immer wieder in Probleme stürzt; Mea, die Nachdenkliche, die sich nichts sehnlicher wünscht als eine Freundin; Kurt, der sich seine gute Laune und seinen Hang zu Streichen durch nichts verderben lässt; Lippo, der Regeln und Ordnung über alles liebt; und Mätzli, die Kleinste, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie alle wachsen auf im Schatten von Schloss Wildenstein, das seit einer Familientragödie vor zwanzig Jahren leer steht. Doch nun heißt es, der Besitzer sei zurückgekehrt – oder ist es doch der Geist des Blutigen Barons, wie es Kurt vermutet?
„Schloss Wildenstein“ ist zunächst einmal ein unglaublich idyllischer Kinderroman, der immer haarscharf an der Grenze zum Alpenkitsch entlangschrammt. Was mich heute an dem Buch so fasziniert ist, dass Johanna Spyri die Kinderfiguren sehr ernst nimmt und auch deutlich Kritik übt an Erziehungsmethoden ihrer Zeit. Strafen, die in erster Linie Schande bringen sollen, die alte „Kinder soll man sehen, aber nicht hören“-Maxime, Freundschaften nach Nutzen auszuwählen statt nach Sympathie – all das wird im Buch angesprochen und dabei wird auf den moralischen Zeigefinger verzichtet, statt dessen durch die Praxis gezeigt, dass es auch anders funktioniert. FürKinder ist das Buch gediegen gruselig und mit symathischen Figuren versehen, auch wenn man vielleicht heute nicht mehr ganz so vertraut ist mit dem Leben zu Zeiten Johanna Spyris. Ich mag das Buch, weil es eine schöne Erinnerung an Sonntagnachmittage ist und ich leichte nostalgische Anfälle besser in den Griff bekomme, wenn es lese ;-)

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