Montag, 11. Juni 2012

Lewis Carroll - Briefe an kleine Mädchen

Eigentlich müsste ich sehr, sehr dringend für eine Klausur am Mittwoch lernen - meine parallele Lehrberechtigungsausbildung in einem weiteren Fach parallel zum Referendariat nähert sich ihrem ersten Höhepunkt - aber ich kann mich nicht aufraffen, weil das so eine furchtbare Laberklausur werden wird, bei der ich schon irgendwie mit "aus den Fingern saugen" durchkommen werde. Und wer profitiert davon? Natürlich ihr, denn zur Tarnung saß ich heute Nachmittag in der Uni-Bibliothek mit einem Buch vor der Nase :-p

Lewis Carroll - oder vielmehr Charles Lutwidge Dogdson - ist als Autor von "Alice im Wunderland" in die Literaturgeschichte eingegangen. Schon relaitv lange weiß ich, dass ich mit diesem Buch nichts anfangen kann, Alice ist einfach nicht meine Welt, egal ob auf englisch oder deutsch. Gleichzeitig finde ichd ie Entstehungsgechichte von Alice sehr interessant und die Person (oder sagen wir in diesem speziellen Fall besser: die Personen) des Autors unglaublich faszinierend. Deshalb bin ich jetzt eben eingestiegen in ein anderes Buch, nämlich einer Sammlung der Briefe, die Carroll/Dogdson im Laufe seines Lebens an seine kleinen Freundinnen schrieb, sei es Alice Liddell oder irgendein anderes kleines Mädchen. Was mich an dm Buch von Anfang an gefesselt hat, war der Schreibstil. Carroll trennt ganz deutlich zwischen seinen beiden Persönlichkeiten, Briefe an "Mr.Carroll" werden rigoros zurückgewiesen, er unterschreibt immer mit seinem richtigen Namen. Aber gleichzeitig schreibt hier eben nicht der stotternde, linkische und immer irgendwie fehl am Platz wirkende Mr.Dogdson, sondern hier schreibt letztendlich Lewis Carroll, der Autor, der die Unsinnsliteratur groß machte. Da werden Briefe in Spiegelschrift geschrieben oder von hinten nach vorne, Rätselbriefe verfasst oder Bilder eingefügt statt Wörtern. Auf den ersten Blick also einfach spielerisch, lustig und unschuldig. Aber irgendwie sind es diese Briefe trotzdem nicht. Sie sind nicht so unschuldig, wie sie daherkommen. Sei es, dass Carroll zickig wie eine alternde Diva reagiert, wenn ihm ein Antwortschreiben zu spät eingeht. Oder er richtig ins Schimpfen und Mahnen gerät, wenn ein Mädchen es wagt, sein Notizbuch als Briefsendung zu schicken statt als Paket. Oder über allen Briefen die Frage hängt: "Warum schreibt ein Mann von über 40 an Zehnjährige Mädchen so etwas?"

Das Buch ist mehr als eine einfache Breifsammlung, es ist, zumindest für mich, ein faszinierends Psychogramm eines Autoren, den man nie richtig greifen kann, sondern der sich zwischen seinen Identitäten immer wieder selbst verliert und mir entzieht. Und genau deshalb war ich davon heute so gefesselt, dass ich immer noch keine Ahnung von meinem Klausurstoff habe.

1 Kommentar:

  1. Huhu!
    Bin jetzt Leserin deines Blogs. Wenn du magst Schau doch mal bei mir vorbei.
    Lg Sonja

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