Dienstag, 8. Dezember 2015

[Rezensionsexemplar] Regina Scheer - Machandel

Machandel, so heißt das kleine mecklemburgische Dorf, das das Zentrum dieses Romans bildet. In Machandel kauft sich Clara 1980 gemeinsam mit ihrem Mann ein heruntergekommenes Haus. Doch schon ihr Vater war 1945 nach seiner Flucht aus dem Kozentrationslager Sachsenhausen hier untergekommen. Und auch ihr Bruder Jan verbrachte einige idyllische Kindheitsjahre hier. Und genauso, wie Claras Familiengschichte verbunden ist mit dem Dorf, ist sie es auch mit der Geschichte der DDR. Ihr Vater, der als kurzzeitiger Minister den Staat mit aufbaute im Gluben an die beste aller Staatsformen, und dessen Kinder sich im Friedenskreis engagieren und die DDR mit zu Grabe tragen ...

Warum schreiben so wenig Autoren über die DDR und wenn sie es tun, sind es ostalgische Rückerinnerungen? Dabei geht es doch auch anders, das beweist dieses Buch. Die Geschichte der DDR im Mikrokosmos eines Dorfes dargestellt und dabei mit Figuren aufgefüllt, die zwar prototypisch für die Gesellschaft stehen, dabei aber nicht zu Stereotypen verkommen, sondern mit genügend Hintergrundgeschichte versehen werden, um ihr Verhalten zu erklären. Die Sprache ist unaufdringlich und jede der Erzählperspektiven hat ihre eigene unverwechselbare Stimme erhalten, mit der man ihrem Weg folgen kann. Selbst die häufigen Sprünge in der Zeit sind nicht willkürlich, sondern lassen das Buch wie aus einem Guss wirken. Die Schicksale im Dorf wirken nie an den Haaren herbeigezogen, dafür sind zu viele verschiedene Personen involviert, und besonders gefallen haben mir die Auswirkungen, die Vergangenes bis in die Gegenwart spürbar macht. So viel Ungesagtes, so viel "da wird nicht drüber gesprochen", das in dem Drof durch die Wege wabert und im Laufe der Zeit an die Oberfläche kommt - für mich eines der Highlights im letzten Jahr, das ich definitv weiterempfehle.

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