Samstag, 26. Dezember 2015

[Buchgedanken] Rebecca Gablé - Das zweite Königreich

England 1064: ein Überfall durch dänische Piraten beendet die unbeschwerte Kindheit des jungen Cædmon. Sein Bein wird durch eine Verletzung steif und sein Vater entscheidet sich dazu, den verkrüppelte Sohn an den Hof des Herogs William in die Normandie zu schicken. Zwei Jahre später wird Cædmon mit William dem Eroberer zurück in seine Heimat kommen und dort vor eine unlösbar scheinende Aufgabe gestellt: als Mittler zwischen Eroberern und Besiegten soll er Normannen und Engländer helfen auszusöhnen. Keine leichte Aufgabe, ist William zwar durchaus ein netter Kerl, aber eben auch sehr leicht reizbar. Und dann verliebt sich Cædmon auch noch in die völlig falsche normannische Dame ...

Ich hatte sehr lange einen Bogen um "Das zweite Königreich" gemacht, weil die normannische Zeit in England nicht grade mein Steckenpferd ist. Hundert Jahre später - alles super, aber diese Schlacht von Hastings muss einfach nicht sein bei mir. Nichtsdestotrotz hatte ich den Dezember dank Sehnerventzündung und eineinhalb Wochen Krankenhaus Zeit, um mich mal wieder ganz den dicken Büchern in meinem Regal zu widmen. Streckenweise musste ich mich wirklich durchkämpfen durch das Buch, dem man anmerkt, dass es ein eher frühes Werk der Autorin ist. Vor allem zwei Dinge habe ich hier zu kritisieren.

Da ist zum einen die Sprache, die noch nicht ganz so gefestigt ist und mir manchmal ein wenig zu oberflächlich geblieben ist. Auch die Beschreibungen waren zum Teil sehr sparsam, Handlungen wurden extrem gerafft, grade die Schlachten, die ja eigentlich einen Großteil der Geschichte ausmachen. Zum anderen hatte ich ziemliche Probleme damit, am Ball zu bleiben, weil sich im Buch doch sehr viel widerholt. Die ständigen Verhaftungen Cædmons zum Beispiel, das läuft sich irgendwann tot. Der Spannungsbogen ist eher eine Spannungswellenlinie, die deutliche Dopplungen aufweist, für mich waren es gut hundert Seiten zu viel (hätte ich auch nie gedacht).


Nichtsdestotrotz ist das Buch ein wahninnig guter historischer Roman, der das Ankommen und langsame Zusammenwachsen von Engländern und Normannen beschreibt. Extrem spannend sind die unterschiedlichen Charaktere der historisch verbürgten Figuren, die von Rebecca Gablé nicht einfach nur als Staffage gebraucht werden, sondern als Romanfigur Handlung vorantreiben oder auch mal blockieren, die wirklich leben dürfen und Lust machen, sich noch mehr mit ihnen zu beschäftigen. Mein smartphone ist bei der Lektüre gelegentlich heißgelaufen, weil ich wissen wollte, was aus Wulfnoth und Rufus wurde ;-) Lest ihn also trotzdem, und sei es, um quasi die Vorgeschichte der Warringhams zu erleben :-)

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