Sonntag, 2. Dezember 2012

Joe Dunthorne, Ich, Oliver Tate

Oliver ist fast fünfzehn und wie alle Teenager hat er das Gefühl, alles zu sein, aber sicher nicht das, was er sein sollte. Sein Hobby, Fremdwörter zu sammeln, wirkt etwas verschroben, sein Hang dazu, seiner Mutter vorzuspielen, psychisch erkrankt zu sein, langweilt ihn, und die Tatsache, dass seine Eltern seit zwei Monaten keinen Sex mehr hatten, ist alarmierend. Neben der Mission „Jungfräulichkeit noch vor dem 16.Geburtstag verlieren“ ist Olivers neue Aufgabe klar: die Ehe seiner Eltern retten. Und zwar, bevor mit dem Surflehrer seiner Mutter ein ernsthafter Konkurrent auftaucht …
Ich halte immer Ausschau nach Jugendbüchern, einfach um zu wissen, was meine Schüler – wenn sie es denn überhaupt tun – so alles lesen. Dabei bin ich über sehr gute Bücher gestolpert und über weniger gute. „Ich, Oliver Tate“ halte ich für eines der weniger guten.
Das liegt weniger an den zum Teil ziemlich ekligen Szenen, die im Buch auftauchen, obwohl ich ehrlich gesagt vielleicht einfach aus dem Alter raus bin, in dem ich es witzig finde, wenn man sich gegenseitig in den Mund spuckt. Das größte Problem ist, dass ich glaube, dass Joe Dunthorne selbst nicht so genau wusste, was er mit dem Buch eigentlich will. Das Buch, um genau zu sein das erste Kapitel, basiert auf einer Kurzgeschichte, und das merkt man auch – das erste Kapitel ist toll, macht Lust auf mehr. Je weiter es aber geht, desto mehr hatte ich das Gefühl, gar nicht mehr mitzukommen. Da werden Sachen angeschnitten und nicht zu Ende erzählt, Oliver immer unsympathischer und ekliger, Handlungen immer weniger nachvollziehbar, und schließlich gipfelt alles in einem eher absurden … ich weiß nicht was. Das Buch wirkt genauso wie das Titelbild: ein Kritzelblock mit Ideen, aber dabei entsteht kein ganzes Bild, sondern Chaos und ich verliere den Überblick.


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