Dank der großen weiten Blogger-Welt stolpere ich immer wieder über interessante Gedanken, die mich nicht mehr loslassen. Bei Ada habe ich eine wunderschöne Idee gefunden, die so einfach ist, dass ich vermutlich alleine nicht mehr drauf gekommen wäre.
Ich lese viel, das ist mir klar. Und weil ich so viel lese, habe ich inzwischen einen SUB von mittlerer Höhe, der beständig anwächst. Zum Teil fristen die Bücher ein langjähriges, staubiges Regaldasein, ohne jemals das Licht der Nachttischlampe zu erblicken, und allmählich geraten sie in Vergessenheit. Genau deshalb habe ich jetzt seit drei Tagen meine Abende damit verbracht, mein Regal zu sichten.
Das für mich doch erstaunliche Ergebnis war, dass ich nur 67 ungelesene Bücher besitze, das ist erstaunlich. Wobei, genau jetzt, wo ich tippe, bemerke ich, dass ich einige vergessen habe, die im Schlafzimmer in meinem Nachttisch stehen - ich erhöhe also auf 83 Bücher.
83 Bücher, das ist weniger als ich im Jahr lese, selbst in einem schlechten Lesejahr wie diesem. Das muss doch zu schaffen sein, innerhalb eines Jahres diesen Berg in eine Ebene zu verwandeln, oder? Ich werde es zumindest versuchen und das funktioniert nur, nach einigen wenigen Regeln.
Ich bin ein Bücherhorter, ich bestelle und kaufe sehr gerne Bücher auf Vorrat ein. Im nächsten Jahr will ich versuchen, das zu ändern, indem ich nur dann ein Buch kaufen darf, wenn ich ein Buch von diesem Stapel gelesen habe. Das wird wirklich schwer, denn damit heißt es, ein Jahr lang einen Bogen um medimops zu machen - meine Untergangs-Website, weil ich hier wirklich gnadenlos zuschlage.
Wenn ich mir ansehe, welche Bücher hier so lange darauf warten, gelesen zu lesen, dann sind es in erster Linie moderne Klassiker, um die ich einen Bogen mache, weil ich Angst habe, sie nicht zu verstehen. Was völlig bescheuert ist, wenn ich genauer darüber nachdenke. Ich hoffe, dass ich diesen Bergabbau auch dazu verwenden kann, endlich wieder einmal Literatur zu lesen und nicht nur die Bestsellerlisten rauf und runter. Die sind in dem Stapel auch genug vertreten, keine Sorge, aber ich freue mich zum Beispiel endlich mal darauf, keine Ausrede mehr zu haben, um "Der Laden" zu lesen.
Ich hoffe, ihr begleitet mich auf dieser Reise. Fühlt euch ruhig eingeladen, auch bei euch in die Regale zu schauen und wiederzuentdecken, was ihr dort vor so langer Zeit eingestellt habt, dass ihr euch vielleicht gar nicht an das Kaufdatum erinnert. Lest, berichtet und habt Spaß an euren Büchern - das ist mein Lesevorsatz für das nächste Jahr :-)
Mittwoch, 30. Oktober 2013
Sonntag, 27. Oktober 2013
Morton Rhue - Boot Camp
Stell dir vor, du bist grade im Sommerurlaub im Ferienhaus deiner Eltern. Alles ist cool, du liegst im Bett - und plötzlich stehen ein Mann und eine Frau vor dir, fesseln dich und stecken dich in ein Auto. Sie fahren einfach nur mit dir weg. Aber nicht, weil sie Lösegeld erpressen wollen, sondern weil deine Eltern das so wollen. So ergeht es Connor, einem Teenager, der seinen Eltern zu rebellisch geworden ist. Nicht nur, dass er Widerworte gibt oder gelegentlich die Schule schwänzt, weil er sich dort langweilt - er hat auch noch ein Verhältnis mit einer zehn Jahre älteren Lehrerin begonnen. Deshalb wird er von ihnen in ein Boot Camp gesteckt, das den Ziel hat, ihn in ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft zu verwandeln - und dabei auch vor Misshandlungen nicht zurückschrecken wird ...
Wenn ich schon dachte, die anderen Bücher Morton Rhues sind nichts für schwache Nerven, wurde ich hier eines besseren belehrt. Dieses Buch ist wirklich streckenweise einfach nur brutal und grausam - dabei aber nie unrealistisch, das ist das fiese an der Sache. Man kann sich nicht nur vorstellen, dass es so sein könnte, sondern man stellt sich vor, dass es genau so ist. In Lake Harmony, wie dieses Boot Camp zynischerweise heißt, gelten eigene Regeln, die vom Anstaltsleiter gemacht werden, und die von Grundrechten nur wenig halten. Connors Eltern sind der Meinung, ihr Sohn müsse erzogen werden - und Erziehung bedeutet für sie Anpassung. Dass Connor sich eigentlich nur so verhält, wie jeder 15-Jährige, der sich selbst für zu cool und zu clever hält und meint "das System" zu durchschauen, spielt dabei keine Rolle. Sie haben das Geld, dafür zu bezahlen.
Dieses Bild, das Rhue hier darstellt, soll tatsächlich Realität sein. 50 bis 100 private Boot Camps gibt es anscheinend in den USA, also Erziehungsanstalten, die nicht als Ersatzgefängnis dienen, sondern deren Insassen von den Eltern dorthin geschickt werden. Dementsprechend bleiben die Jugendlichen dort entweder, bis sie volljährig sind oder bis sie als reif betrachtet werden - je nachdem, was früher eintritt. Ich hätte mir diesmal einen noch umfangreicheren Anhang gewünscht, als es bei Rhues Romanen der Fall ist, um dieses hier doch unbekannte System darzustellen. Denn hier in Deutschland assoziiert man damit ja vor allem die Anstalten für jugendliche Häftlinge, in die sie statt Gefängnisse verlegt werden können. Die Geschichte an sich ist spannend erzählt und wie immer bei Rhue bietet sie mehr als nur eine Sichtweise und ein Ende, das man in viele Richtungen weiterdenken kann. Deshalb absoluter Kauftipp ;-)
C.E. Lawrence - In süßer Ruh
Nach dem Besuch einer Party wird die Leiche der Schülerin Candy im Park entdeckt - völlig blutleer, aber bis auf eine Einstichstelle unverletzt. Wenig später wird eine zweite Frauenleiche entdeckt mit demselben Bild. Die New Yorker Polizei ist alarmiert - hält sich dort draußen wirklich ein Serienmörder für einen Vampir? Der Psychologe Lee Campbell wird mit in die Ermittlungen einbezogen und stößt auf die Spur des Täters ...
Ich hatte mir das Buch wirklich vor allem wegen des Einbands gekauft, weil der einfach sehr spannend aussieht, den Klappentext habe ich gar nicht groß beachtet. Das Buch legt auch ziemlich gut los und beginnt mitten auf einer Steam-Punk-Party, die ich einfach von der Schilderung her durchaus spannend fand. Diese Steam-Punk-Idee hat mir extrem gut gefallen, eine Subkultur, die so ein wenig unbekannt ist und für Atmosphäre sorgt, spielt während der Handlung immer wieder eine Rolle und sorgt durchaus auch für die ein oder andere lustige Vorstellung. Allerdings finde ich, dass aus dieser guten Idee sehr wenig gemacht wird und der Steam Punk immer mehr zu Staffage verkommt, während man einem eher langatmigen Lee Campbell durch die Seiten folgen muss. Die Erzählsprache ist ziemlich gemächlich und die Ergreifung des Täters auch nicht so wirklich fesselnd - ich hätte es mir nach dem ersten Kapitel viel besser vorgestellt. So plätschert das Buch leider ziemlich dahin.
Ich hatte mir das Buch wirklich vor allem wegen des Einbands gekauft, weil der einfach sehr spannend aussieht, den Klappentext habe ich gar nicht groß beachtet. Das Buch legt auch ziemlich gut los und beginnt mitten auf einer Steam-Punk-Party, die ich einfach von der Schilderung her durchaus spannend fand. Diese Steam-Punk-Idee hat mir extrem gut gefallen, eine Subkultur, die so ein wenig unbekannt ist und für Atmosphäre sorgt, spielt während der Handlung immer wieder eine Rolle und sorgt durchaus auch für die ein oder andere lustige Vorstellung. Allerdings finde ich, dass aus dieser guten Idee sehr wenig gemacht wird und der Steam Punk immer mehr zu Staffage verkommt, während man einem eher langatmigen Lee Campbell durch die Seiten folgen muss. Die Erzählsprache ist ziemlich gemächlich und die Ergreifung des Täters auch nicht so wirklich fesselnd - ich hätte es mir nach dem ersten Kapitel viel besser vorgestellt. So plätschert das Buch leider ziemlich dahin.
Christine Schlitt - Berühmte Kriminalfälle. Von Verbrechern, Kriminalisten und Agenten
Dieses Buch stand in der Abteilung der Jugendsachbücher in der Bibliothek herum und ich bin immer noch am Überlegen, ob es da richtig einsortiert war oder nicht ...
Das Buch bietet eine Fülle an Fällen, die spannend präsentiert werden. Es gibt umfangreiches Bildmaterial, zusätzliche kleine Infokästen (die mag ich persönlich ja besonders gern und hätte sie auch immer gern auf meinen Arbeitsblättern) und ist alles in allem ein guter Einstieg in die wichtigsten und bekanntesten Kriminalfälle. Die meisten davon werden einem im Laufe der Zeit auch in anderen Bänden begegnen, aber als Einstieg hat mir das Buch durchaus gefallen. Allerdings ... nein, Jugendbuch ist es nicht gerade, denn ich glaube, dass die zum Teil von den historischen Hintergründen z.B. bei Mata Hari einfach ein wenig überfordert wären.
Wenn ich mir meine Schüler ansehe, dann ist das zum Teil eine Generation, die bereits nicht einmal mehr mitbekommen hat, dass wir mal eine andere Währung als den Euro hatten oder für die die DDR so weit entfernt ist, wie für mich in der Schule die Gründung der Zweite Weltkrieg. Und grade die im Buch vorgestellten Agententätigkeiten brauchen dann doch einiges an historischem Hintergrundwissen, das die kleinen Infokästen allein nicht liefern können. Ein Jugendbuch für wirklich ältere, ja, das ist es vielleicht - für Erwachsene manchmal ein wenig zu flach, aber dennoch ganz okay zu lesen für einen kleinen literarischen Zwischensnack.
Das Buch bietet eine Fülle an Fällen, die spannend präsentiert werden. Es gibt umfangreiches Bildmaterial, zusätzliche kleine Infokästen (die mag ich persönlich ja besonders gern und hätte sie auch immer gern auf meinen Arbeitsblättern) und ist alles in allem ein guter Einstieg in die wichtigsten und bekanntesten Kriminalfälle. Die meisten davon werden einem im Laufe der Zeit auch in anderen Bänden begegnen, aber als Einstieg hat mir das Buch durchaus gefallen. Allerdings ... nein, Jugendbuch ist es nicht gerade, denn ich glaube, dass die zum Teil von den historischen Hintergründen z.B. bei Mata Hari einfach ein wenig überfordert wären.
Wenn ich mir meine Schüler ansehe, dann ist das zum Teil eine Generation, die bereits nicht einmal mehr mitbekommen hat, dass wir mal eine andere Währung als den Euro hatten oder für die die DDR so weit entfernt ist, wie für mich in der Schule die Gründung der Zweite Weltkrieg. Und grade die im Buch vorgestellten Agententätigkeiten brauchen dann doch einiges an historischem Hintergrundwissen, das die kleinen Infokästen allein nicht liefern können. Ein Jugendbuch für wirklich ältere, ja, das ist es vielleicht - für Erwachsene manchmal ein wenig zu flach, aber dennoch ganz okay zu lesen für einen kleinen literarischen Zwischensnack.
[Lieblingsbücher-Challenge] Hans Pfeiffer - Der Zwang zur Serie
Dass ich True-Crime-Bücher liebe, dürfte dem ein oder anderen meiner Leser inzwischen klar geworden sein. Beginnen hat es alles mit diesem Buch, das seitdem mit mir vier Umzüge gemeistert und mein Regal bereichert hat. Ich habe es mit ungefähr 15 zum ersten Mal gelesen und es gehörte damals zu meinen absoluten Lieblingen und wurde mehrfach nachgelesen. Im Zuge der "Lieblingsbücher-Challenge" habe ich gedacht, es wäre gar nicht schlecht, damit anzufangen - auch als Abschluss der Krimi-Cover-Challenge, es geht also alles nahtlos über ;-)
"Der Zwang zur Serie" stellt eine Mischung sehr bekannter Fälle von Serienmördern zusammen, von denen man irgendwann schon mal gehört hat. Burke und Hare, Tschikatilo, Marybeth Tinning, Jürgen Bartsch - das sind nur ein paar Namen, die einem hier über den Weg laufen. In kurzen Kapiteln stellt Pfeiffer die Mörder und ihre Taten vor und schreibt dabei extrem spannend und anschaulich. Das ist es wohl, was mir damals so daran gefallen hat, es ist ein sehr romanartiger Stil, der den Einstieg in diese Literaturart erleichtert. jetzt, fast 15 Jahre nach dem ersten Lesen, muss ich aber sagen, dass ich dieses Buch nicht mehr zu den absoluten Lieblingen zählen würde. Dazu ist mir zu wenig theoretischer Hintergrund dabei, legt mir der Autor zu viel Wert auf die detaillierte Schilderung eines Mordes und zu wenig Wert auf die psychologischen Hintergründe. Sehr oft weicht Pfeiffer in saloppe Schlussfolgerungen aus, statt ein wenig mehr Forschung zu betreiben. Dennoch, das Buch lässt mich nicht los und wird weiterhin im Regal stehen. Und sei es einfach nur, weil ich es schön fand, wieder einzutauchen in dieses frühere Leser-Ich, das damals beim zweiten oder dritten Lesen pseudo-kluge Kommentare an den Rand gekritzelt hat und sich dabei so unendlich psychologisch vorkam :-) Die habe ich nämlich auch beim Lesen wieder entdeckt, so wie auch die selbst beigefügten Bilder (das Buch enthält keine), die ich im Internet mühsam zusammengesucht habe. Ich hatte wirklich vergessen, wie faszinierend ich dieses Buch damals beim ersten Mal fand und finde allein deshalb bereits, dass sich diese Challenge gelohnt hat ;-)
"Der Zwang zur Serie" stellt eine Mischung sehr bekannter Fälle von Serienmördern zusammen, von denen man irgendwann schon mal gehört hat. Burke und Hare, Tschikatilo, Marybeth Tinning, Jürgen Bartsch - das sind nur ein paar Namen, die einem hier über den Weg laufen. In kurzen Kapiteln stellt Pfeiffer die Mörder und ihre Taten vor und schreibt dabei extrem spannend und anschaulich. Das ist es wohl, was mir damals so daran gefallen hat, es ist ein sehr romanartiger Stil, der den Einstieg in diese Literaturart erleichtert. jetzt, fast 15 Jahre nach dem ersten Lesen, muss ich aber sagen, dass ich dieses Buch nicht mehr zu den absoluten Lieblingen zählen würde. Dazu ist mir zu wenig theoretischer Hintergrund dabei, legt mir der Autor zu viel Wert auf die detaillierte Schilderung eines Mordes und zu wenig Wert auf die psychologischen Hintergründe. Sehr oft weicht Pfeiffer in saloppe Schlussfolgerungen aus, statt ein wenig mehr Forschung zu betreiben. Dennoch, das Buch lässt mich nicht los und wird weiterhin im Regal stehen. Und sei es einfach nur, weil ich es schön fand, wieder einzutauchen in dieses frühere Leser-Ich, das damals beim zweiten oder dritten Lesen pseudo-kluge Kommentare an den Rand gekritzelt hat und sich dabei so unendlich psychologisch vorkam :-) Die habe ich nämlich auch beim Lesen wieder entdeckt, so wie auch die selbst beigefügten Bilder (das Buch enthält keine), die ich im Internet mühsam zusammengesucht habe. Ich hatte wirklich vergessen, wie faszinierend ich dieses Buch damals beim ersten Mal fand und finde allein deshalb bereits, dass sich diese Challenge gelohnt hat ;-)
Sonntag, 20. Oktober 2013
[Vergleich] Morton Rhue - Asphalt Tribe vs. Stefani Kampmann - Asphalt Tribe
Ich habe beide Bücher parallel gelesen und dachte, es ist vielleicht interessant, heute mal das Augenmerk darauf zu richten, die Umsetzung eines bekannten Jugendbuchs in ein anderes Jugendmedium zu beobachten. Zunächst aber mal zum Roman ;-)
„Asphalt Tribe“ ist weniger eine stringent erzählte Handlung mit Anfang und Ende, als vielmehr ein Ausschnitt aus einem alltäglichen und dennoch für uns unbekanntem Leben, nämlich dem von Straßenkindern. Nicht etwa Straßenkinder in Drittweltländern, sondern in Industrienationen, in denen man diesen Kindern durchaus begegnet, wenn man die Augen offen hält. Im Buch versammelt ist am Beginn eine wilde Mischung von Kindern zwischen elf und achtzehn, die gemeinsam in einer amerikanischen Großstadt überleben. Warum sie auf der Straße leben, ist völlig unterschiedlich, der eine entkommt seiner gewalttätigen Familie, der andere der Lieblosigkeit des Elternhauses. Gemeinsam haben sie, dass sie versuchen müssen, klarzukommen und so simple Dinge wie die Frage „Wo kriegen wir essen her, wo kann man sich waschen?“ geklärt werden müssen. Viele halten es nur aus, indem sie Drogen nehmen und dadurch z.B. zur Prostitution gezwungen sind, andere schaffen einen Absprung durch Hilfe von außen. Am Ende des Romans stehen gleichzeitig Hoffnungslosigkeit und Hoffnung nebeneinander und der Leser ist, wie immer bei Morton Rhue, aufgefordert, sich selbst seine Gedanken zu machen und Schlüsse zu ziehen …
Morton Rhues Bücher sind in vielen Fällen ziemlich knallhart und durchaus schonungslos. Auch wenn hier Dinge wie Vergewaltigung und Tod (oder sagen wir es ganz knallhart: Verrecken auf der Straße) nur angedeutet werden, ist das Buch doch ziemlich starker Tobak, weil es so absolut keine Wertung vornimmt, sondern nur darstellt. Es ist ein Kamerablick, trotz der Ich-Perspektive, in der das Buch geschrieben wird, es ist eins der Straßenkinder, das hier seinen Alltag erzählt. Diese Perspektive ist ungewöhnlich und lädt natürlich zur Auseinandersetzung ein, so dass das Buch quasi prädestiniert für den Unterricht ist.
Mit der Graphic Novel, die die Geschichte unverändert übernimmt, kann der Unterricht definitiv ergänz werden, da ich finde, dass es sich hier um eine wirklich gute Umsetzung handelt, die dem Original gerecht wird. Die Strichführung ist sehr fest und geradlinig, entspricht also der Erzählperspektive im Roman. Auch wenn die Bilder relativ hübsch sind, hier ist nicht viel Weiches zu finden und es gibt ziemlich gute Panels, die die Weite der Großstadt und die Einsamkeit der Figuren deutlich machen. Was mir besonders gut gefallen hat, war der doppelseitige Aktenauszug, der immer mal zwischendrin eingestreut wurde und eines der Straßenkinder zum Thema hatte. Mit Fotos aus der Zeit bei ihrer Familie, einem kurzen Steckbrief und einer Zusammenfassung der Erfahrungen mit Polizei und Jugendamt erhält man kurz, knapp und sehr präzise einen Einblick in das Leben, das man sich im Roman zusammensuchen muss. Für mich war das wirklich eine eigene Auseinandersetzung der Zeichnerin mit dem Roman, statt ihn einfach nur in Bilder zu kleiden, und hat mir gut gefallen. Ich würde die graphic novel nicht allein empfehlen, weil Bildsprache interpretieren nicht unbedingt jedem liegt, aber sie ist ein guter Einstieg in den Roman oder ein Abschluss. Ersetzen sollte sie ihn nicht unbedingt.
Daniel Erk - So viel Hitler war selten
Manchmal reicht ein weißer Hintergrund, ein schwarzes Quadrat und ein schwarzer Kreisausschnitt, und sofort entsteht ein Bild. Nein, keine moderne Kunst, sondern ein Bild vor unserem inneren Auge, das sich einfach einstellt - ein Blick nach links genügt, um zu wissen, wovon ich spreche ...
Daniel Erk betreibt für die TAZ den Hitler-Blog und hat sich in "So viel Hitler war selten" die Aufgabe gestellt, der Frage nachzugehen, warum allein der Name Hitler selbst knapp achtzig Jahre nach der Machtergreifung so gut funktioniert. Dabei stellt er fest, dass wir heute mit Hitler nahezu überfrachtet sind. Seien es extrem geschmacklose Werbungen im Ausland (nein, nicht der Mercedees-Spot - es gibt eine Zigarrenmarke, die mit Hitler wirbt) oder Guido Knopps Offenbarungen über Hitlers Frauen, Hunde, Urologen. Seit "Der Untergang" kursieren Memes im Internet, in denen der Wutausbruch Hitlers neu synchronisiert/untertitelt wird, und wenn meine Schüler meinen, witzig zu sein, genügt es, einen Satz einfach mit schnarrender Stimme zu sprechen ... Aber ist dieser Umgang tatsächlich der, den man pflegen kann/darf/sollte? Letztlich gibt das Buch keine Antwort darauf. Es ist eine Sammlung von absurden bis sehr banalen Aussagen über die Frage "Darf man Hitler benutzen, den Nationalsozialismus für etwas anderes verwenden als als historisches Beispiel?" Natürlich wird die Frage gestellt, ob man über Hitler lachen darf, allerdings finde ich, dass Erk hier ziemlich um den heißen Brei herumredet - das gesamte Buch ist zwar mit Beispielen angefüllt, doch Erk selbst scheint weder Antwort geben zu wollen noch zu können, und tanzt so einfach nur von einem "hier, einen hätte ich noch" zum nächsten weiter. Das ist schade, weil mich das Thema echt interessiert hätte. Im Moment ist es einfach nur eine schriftliche VErsion des Hitler-Blogs, das man auch gratis im Internet lesen kann.
Daniel Erk betreibt für die TAZ den Hitler-Blog und hat sich in "So viel Hitler war selten" die Aufgabe gestellt, der Frage nachzugehen, warum allein der Name Hitler selbst knapp achtzig Jahre nach der Machtergreifung so gut funktioniert. Dabei stellt er fest, dass wir heute mit Hitler nahezu überfrachtet sind. Seien es extrem geschmacklose Werbungen im Ausland (nein, nicht der Mercedees-Spot - es gibt eine Zigarrenmarke, die mit Hitler wirbt) oder Guido Knopps Offenbarungen über Hitlers Frauen, Hunde, Urologen. Seit "Der Untergang" kursieren Memes im Internet, in denen der Wutausbruch Hitlers neu synchronisiert/untertitelt wird, und wenn meine Schüler meinen, witzig zu sein, genügt es, einen Satz einfach mit schnarrender Stimme zu sprechen ... Aber ist dieser Umgang tatsächlich der, den man pflegen kann/darf/sollte? Letztlich gibt das Buch keine Antwort darauf. Es ist eine Sammlung von absurden bis sehr banalen Aussagen über die Frage "Darf man Hitler benutzen, den Nationalsozialismus für etwas anderes verwenden als als historisches Beispiel?" Natürlich wird die Frage gestellt, ob man über Hitler lachen darf, allerdings finde ich, dass Erk hier ziemlich um den heißen Brei herumredet - das gesamte Buch ist zwar mit Beispielen angefüllt, doch Erk selbst scheint weder Antwort geben zu wollen noch zu können, und tanzt so einfach nur von einem "hier, einen hätte ich noch" zum nächsten weiter. Das ist schade, weil mich das Thema echt interessiert hätte. Im Moment ist es einfach nur eine schriftliche VErsion des Hitler-Blogs, das man auch gratis im Internet lesen kann.
Freitag, 11. Oktober 2013
Jeff Guinn - Go down together. The true and untold story of Bonnie & Clyde
Es gibt so Personen, über die glaubt man einfach alles zu wissen, weshalb man nie in Erwägung ziehen würde, ein Buch über sie zu lesen. Als ich vor drei oder vier Jahren in England über dieses Taschenbuch gestolpert bin, war ich allerdings ein wenig neugierig, warum es über dieses Gangsterpärchen so viele Seiten zu füllen gibt, denn ich hatte im Hinterkopf, dass die beiden relativ jung gestorben sind. Irgendwo spukte was mit Bankraub und mit einem dramatischen Schusswechsel im Kopf rum, und natürlich die Fotos von Faye Dunnaway als Gangsterbraut mit diesem schicken, senffarbenen Barett auf dem Kopf. Dieser Film hat das Image von Bonnie Parker und Clyde Barrow geprägt wie nichts anderes, obwohl sie während ihrer kurzen kriminellen Karriere vor anderen Größen wie John Dillinger eigentlich untergingen. Jeff Guinn versucht in seiner Biographie, sich diesen beiden anzunähernd und auch einiges an Bildern, die wir im Kopf haben, geradezurücken.
Was mir an dem Buch gefallen hat: obwohl Guinn ein anderes Bild der beiden zeichnet, läuft er nie Gefahr, dabei in Romantik abzugleiten oder die beiden zu Helden zu stilisieren. Dazu taugen sie auch nicht, denn trotz aller Heldenposen mit Schusswaffen, letztlich sind sie zwei Ganoven, die rücksichtslos vorgehen und für die das eigene Leben das einzige ist, das zählt. Andererseits zeigt Guinn eben auch, wie sich das Leben der beiden entwickelt hat und zeigt, dass die beiden letztlich weit entfernt von dem Bild sind, das sie auch selbst von sich zeichnen.
Jeff Guinn stellt dieses Leben sehr detailliert und sachlich dar, ohne dabei langweilig zu werden. Ich fand das Buch sowohl als Biographie als auch als True-Crime-Buch extrem spannend und informativ und will es euch uneingeschränkt empfehlen. Auf Deutsch ist es leider nicht erhältlich, warum eigentlich nicht? Wer es auf Englisch lesen möchte, braucht manchmal ein Wörterbuch, aber insgesamt ist es flüssig lesbar. Ach ja, von Guinn gibt es auch noch ein Buch über den Okey-Coral-Shootout von Wyatt Earp, das ich mir unbedingt zulegen möchte – Spenden sind gerne willkommen :-p
Julie Powell - Julie & Julia
Julie Powell ist dreißig Jahre alt, ihr Job als Sekretären erfüllt sie mit mäßigem Vergnügen und ihr Arzt teilt ihr mit, dass sie vermutlich Probleme haben wird, Kinder zu bekommen. Gefrustet in New York setzt sie sich ein ehrgeiziges Projekt. Sie will alle Rezepte des Kochbuchs „Mastering the Art of French Cooking“ der Autorin Julia Childs nachkochen, die in den Fünfziger und Sechziger Jahren mit ihrer Kochsendung im amerikanischen Fernsehen bekannt wurde. In einer zu kleinen Küche mit zu wenig Kochgeschirr und mit einem Ehemann, der sich daran gewöhnt künftig erst um elf Uhr abends zu essen, stellt sich Julie also der Herausforderung, Hummer zuzubereiten, Suppe aus frischen Zutaten zu bereiten und dabei herauszufinden, was sie wirklich will ...
Hmmm …. Hmmmmmmmmm … hmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm … Ihr seht, ich bin nicht begeistert von diesem Buch. Man sollte dazu sagen, dass ich aufgewachsen bin mit einem großartigen Rezept für Bœuf Bourguignon á la Julia Childs (das wir von weit entfernten Verwandten aus den USA mal bekommen hatten), mir der Name als irgendwie vertraut war und ich deshalb den gleichnamigen Film mit Meryl Streep angeschaut habe. Der war niedlich und lustig, ein bisschen was fürs Herz und macht Lust aufs Kochen. Dass er auf Julie Powells Blog basiert, war mir klar, allerdings habe ich nie die Mühe gemacht, den Blog zu suchen oder die Buchvorlage zu lesen. Bis zu den Sommerferien, weil ich da zufällig über das Buch gestolpert bin. Ganz ehrlich, wäre meine erste Bekanntschaft mit Julia Childs oder mit „Julie und Julia“ dieses Buch gewesen – ich hätte mich nie wieder dafür interessiert. Dieses Buch ist einfach nur grottenschlecht und das gleich aus mehreren Gründen.
Zunächst einmal merkt man dem Buch an, das es aus einem Blog entstanden ist. Es gibt nicht wirklich eine Geschichte und Hauptaugenmerk liegt auf dem Aspekt des Kochens. Was mich aber mehr gestört hat, Julie Powell ist einfach keine Schriftstellerin. Die Erzählepisoden dazwischen sind langweilig und motivationslos und ganz ehrlich: sie helfen mir nicht im mindestens, zu verstehen, wie sie eigentlich auf die Idee kommt, dieses Buch nachzukochen oder warum ausgerechnet Julia Childs ihr Kochvorbild werden soll. Julie bleibt im gesamten Buch eine mir total unsympathische Person, die in komplett ekligem Chaos lebt (meine Küche ist alles andere als klinisch sauber, aber allein die Schilderungen im Hause Powell haben bei mir dazu geführt, dass ich während des Lesens nichts essen konnte!) und von ihrem Leben total gelangweilt ist, das aber nicht wahrhaben will, sondern sich um jeden Preis zu etwas besonderem machen muss. Ist okay, kann sie gerne tun, aber als eine der Hauptfiguren in einem Buch nervt mich das. Insbesondere, weil die Episoden über Julia dabei total in den Hintergrund rücken – anscheinend möchte sie versuchen, zu zeigen, dass auch für Julia Childs das Kochen ein Projekt war, etwas aus ihrem Leben zu machen, aber ich finde einfach, dass das nicht gelingt. Jedenfalls nicht dann, wenn man absolut nichts über Julia Childs erfährt. Stattdessen steht immer nur Julie hier und Julie da im Mittelpunkt, ohne dass ich wüsste, warum. Also, auch wenn man als Leser nie denkt, dass man so etwas mal empfiehlt: Schaut den Film und vergesst das Buch – oder lest Julia Childs Kochbuch ;-)
Dienstag, 8. Oktober 2013
Neil Gaiman - Das Graveyard-Buch
Eines Nachts dringt ein Mann namens Jack in ein Haus ein und tötet die gesamte Familie. Der einzige Überlebende ist der 18 Monate alte Sohn, der aus dem Haus läuft und sich auf dem benachbarten Friedhof versteckt. Dort finden ihn die Owens, ein sympathisches Ehepaar, das seit mehreren Jahrhunderten auf dem Friedhof als Geister lebt. Sie adoptieren Nobody, wie sie den Jungen nennen, und gemeinsam mit den anderen Geistern des Friedhofs erziehen sie den Jungen. Besonders wichtig für ihn jedoch wird der Vampir Silas. Je älter Bod wird, desto mehr interessiert er sich für die Welt draußen und desto mehr kann er zur Gefahr für den Friedhof werden ...
Bereits der Titel dieses Jugendbuchs ist eine Erinnerung an eine andere Geschichte eines Waisen, der ungewöhnlich aufgezogen wird: Rudyard Kiplings "Das Dschungelbuch". Allerdings ist Gainmans Buch nicht einfach nur die Phantasy-Variante, sondern ein eigenständiges Werk, das aber zumindest bekannte Themen aufgreift. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass in diesem Buch Angst durchaus eine Rolle spielt. Die Angst vor dem Bösen, die Angst vor der Dunkelheit - aber gleichzeitig lernt man, dass nicht jede Angst wirklich wichtig ist und man meistens Angst vor den falschen Dingen hat. Bod wächst in einer Geisterwelt auf, in der unsichtbar Werden und nächtliches Dasein alltäglich sind, in der aber dennoch Gefahren existieren. Als Leser folgt man ihm gerne in diese Welt und nimmt Gefahren wahr, um die man sich vor lauter Geistern sonst vielleicht gar keine Sorgen gemacht hätte.
Das Buch ist sehr episodenhaft geschrieben, was mir beim Lesen gelegentlich ein wenig störend aufgefallen ist, weil die große Hintergrundgeschichte dadurch immer wieder einmal in den Hintergrund gerät. Trotzdem ist es, ähnlich wie auch "Coraline" ein spannendes Buch, das in eine andere Welt entführt und sich gut lesen lässt.
Bereits der Titel dieses Jugendbuchs ist eine Erinnerung an eine andere Geschichte eines Waisen, der ungewöhnlich aufgezogen wird: Rudyard Kiplings "Das Dschungelbuch". Allerdings ist Gainmans Buch nicht einfach nur die Phantasy-Variante, sondern ein eigenständiges Werk, das aber zumindest bekannte Themen aufgreift. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass in diesem Buch Angst durchaus eine Rolle spielt. Die Angst vor dem Bösen, die Angst vor der Dunkelheit - aber gleichzeitig lernt man, dass nicht jede Angst wirklich wichtig ist und man meistens Angst vor den falschen Dingen hat. Bod wächst in einer Geisterwelt auf, in der unsichtbar Werden und nächtliches Dasein alltäglich sind, in der aber dennoch Gefahren existieren. Als Leser folgt man ihm gerne in diese Welt und nimmt Gefahren wahr, um die man sich vor lauter Geistern sonst vielleicht gar keine Sorgen gemacht hätte.
Das Buch ist sehr episodenhaft geschrieben, was mir beim Lesen gelegentlich ein wenig störend aufgefallen ist, weil die große Hintergrundgeschichte dadurch immer wieder einmal in den Hintergrund gerät. Trotzdem ist es, ähnlich wie auch "Coraline" ein spannendes Buch, das in eine andere Welt entführt und sich gut lesen lässt.
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