Mittwoch, 30. Januar 2013

Ihr habt es vielleicht bemerkt ...

Ja, ich habe ein paar alte Posts aus meinem alten Blog hier reanimiert. Erstens, weil ich auch diese Bücher besprechen möchte, d.h. mein langfristiges Ziel ist es, irgendwann alle meine Bücher in diesem Blog versammelt zu haben, und zweitens, weil ich mich ersmtal für die nächste Zeit etwas verkürzen werde - am Montag ist es so weit, meine Prüfung in Pädagogik und Psychologie steht bevor und ich habe keine Ahnung, wie ich es bestehen soll. Ich kann mich nicht aufs Lernen konzentrieren, weil ich zu viel zu tun habe, und eigentlich fände ich es ganz schön, wenn schon Dienstag wäre. Dass ich darüber hinaus mit einer Erkältung flach liege, macht die Sache nicht besser ;-)
Also, erstmal ganz langsam und Schritt für Schritt euch allen schon einmal ein schönes Wochenende und eine schöne nächste Woche mit vielen Büchern und dem ein oder anderen Lesezeichen ;-)

Terry Pratchett - Die Farben der Magie

Meine Bücher lese ich aus den unterschiedlichsten Gründen. Wiel sie mir jemand empfiehlt. Weil ich im Geschäft drüber stolpere. Weil sie seit Jahren ungelsen im Schrank stehen. Weil mir der Titel gefällt. Weil mir das Cover gefällt. Oder wie im Fall Terry Pratchett: weil wikipedia sagt, ich muss sie lesen.
Ich surfe hin und wieder von wikipedia-Eintrag zu wikipedia-Eintrag. Irgendwie bin ich auf die Weise bei Terry Pratchett gelandet. Natürlich kannte ich den Namen zuvor, aber so richtig interessiert haben mich die Scheibenwelt-Romane nie. Bis ich dann auf einer Zusammenfassungs-Seite aller Ideen Pratchetts gelandet bin und mich zwei Stunden lang festgelesen habe. Wie absurd und vollgepackt ist das denn bitte? Also habe ich irgendwann beschlossen, dem Pratchett, der seit einem Jahr bei mir im Regal stand, eine faire Chance zu geben. Ich bin damals nicht über die vierte Seite rausgekommen. Irgendwie war es mir zu abgedreht, zu strange und vor allem zu wenig Sommer-Lektüre. Aber wirklich losgelassen hat es mich auch nicht. Deshalb habe ich eine Zeit später dann doch nochmal danach gegriffen und das Buch dann tatsächlich auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück verschlungen - und direkt zwei Exemplare bei tauschticket zum Verschenken besorgt.
Irgendwie ist es wie Douglas Adams und doch wieder nicht. Es ist englisch wie Adams. Und absurd wie Adams. Und trotzdem eine ganz andere Richtung. Während Adams versucht, uns Menschen endlich mal an die Richtige Stelle im Universum zu rücken - irgendwo in einem Spiralnebel im westlichen Ausläufer der Galaxis - menschelt es in "Die Farben der Magie" selbst in einem Paralleluniversum. Zweiblum, der erste und vermutlich einzige Tourist der Scheibenwelt, kam mir ein bisschen vor wie die englischen Entdecker des 18.Jahrhunderts, die in anderen Sphären schwebend irgendwo auftauchen, von nichts eine Ahnung haben und alles so idyllisch finden, dass sie gar nicht mehr weg wollen. Es ist bizarr im besten Sinne des Wortes, wie er und Rincewind durch die Scheibenwelt stolpern und von einer brenzligen Situation in die nächste geraten, dabei den Tod hinter sich lassen (der eine großartige Figur ist!!!) und eine neue Zahlmöglichkeit für Helden erfinden. Ich empfehle das Buch jedem, der nach dem Anhalter eine neue Welt kennelernen will ;-)

Wolfram von Eschenbach - Parzifal

Die Geschichte des Narren, der zum Ritter wird, die Welt der Ritter aber erst sehr spät versteht und deshalb einen Fehler macht, der nicht nur ihn sondern den gesamte Hof von König Artus büßen lässt- so würde ich es zusammenfassen. Parzifal, der Sohn Herzeloydes und Garuchmets, wächst im Wald auf, denn ihn soll nicht das Schicksal seines Vaters ereilen, der im Krieg stirbt. Ist das nicht immer so? Man wünscht sich, dass es die Kinder besser machen als man selbst, und dann machen sie doch wieder dieselben alten Fehler. Parzifal will Ritter werden, der Hof ist zunächst schockiert, doch durch eine kurze Unterweisung wird aus ihm zumindest einer, der das Rittertum versteht. Nachdem er diverse Heldentaten vollbracht und geheiratet hat, landet er in der Gralsburg - und begeht den Kardinalsfehler: er hält sich an die höfische Sitte, keine unnötigen fragen zu stellen, ohne zu verstehen, dass er genau das soll. Und damit beginnt die endlose Suche nach dem Heiligen Gral...

Ich hatte eine wirklich gute Übersetzung erwischt, die das Mittelhochdeutsche in einen reinen Prosatext gesetzt hat, der aber sehr schön zu lesen ist. Ganz besonders geällt mir der Stil, dem er dem Ich-Erzähler Wolfgang verleiht, der sich doch immer recht augenzwinkernd zu Wort meldet: "In dieser Erzählung geht es ein wenig bunt durcheinander, denn Maienzeit und Schneefall werden zusammen genannt." Und ich habe meinen Freund völlig in den Wahnsinn getrieben, weil ich immer wieder plötzlich lkaut gelesen habe, um die Sätze richtig auszukosten. Zum Beispiel Kundrys Beschreibung, die keine Schönheit ist un din der lakonischen Feststellung gipfelt: "Gewiss hat kein Ritter aus Liebe zu ihr den Zweikampf gesucht!" Deswregen bespreche ich es auch, weil eine alte Geschichte trotzdem toll sein kann ;-)

Übrigens: Den Autoren von historischen Romanen wirft man ja oft vor, dass sie in ihren Romanen die gesamten bekannten Realpersonen der Geschichte auflaufen lassen, so dass man das Gefühl hat, damals an jeder Ecke irgendeinem Weltpolitiker, Staatsmann oder Landesfürsten begegnen zu können. Leute, das ist nichts im Vergleich zu einem mittelalterlichen Roman - da kann selbst Rebecca Gablé noch viel lernen ;-) Hier stolpert man in jeder zweiten Zeile über Helden, die man doch irgendwo anders schonmal gehört hat (dass er es schafft, sogar Isoldes Verlobten Melot zu erwähnen fand ich ja richitg klasse), und dabie sind die endlosen Auflistungen wer bei welchem Kriegszug oder Turnier dabei ist, noch gar nicht mit eingerechnet.

Simon Beckett - Leichenblässe

Nachdem Band 2 mit einem absoluen Cliffhänger aufhörte, setzt Band 3 hier einige Zeit später ein. Hunter, aus dem Krankenhaus entlassen und wieder einmal voller Selbstzweifel und Ängste, verschlägt es zu seinem alten Mentor und Freund Tom Lieberman. Der ist einer der führenden Anthropologen der USA und forscht auf der Body Farm in Tennessee. Damit haben wir auch mal  eine Änderung in der Serie, denn Hunter ermittelt jetzt nicht mehr im heimischen England, sondern in den USA und schlägt sich so mit Profilern und FBI-Agenten herum, die schon fast ins Klischee abgleiten, so amerikanisch wirken sie. Durch die Body Farm ist natürlich auch das forensische Oberthema des Buches gefunden, dreht sich doch diesmal alles um Verwesung und deren spezifische Abläufe. Tom und David werden an ihren ersten Tatort gerufen, eine einsame Waldhütte, in der ein verwesender Leichnam gefunden wird. Schon bald ist klar, dass man es mit einem verrückten Serienmörder zu tun hat, der nicht nur die Identitäten seiner Opfer immer wieder gegeneinander austauscht, sondern vor allem von Verwesung und dem Tod im Allgemeinen besessen zu sein scheint. Und schon bald wird klar, dass das nächste Opfer in den Reihen der Body Farm zu suchen sein wird...

Natürlich war es mal wieder der berühmte Mörder, mit dem keiner rechnet - außer mir, weil ich Beckett inzwischen einschätzen kann - aber das ist letztendlich egal. Der Roman war fesselnd, spannend und wieder einmal hochgradig interessant durch die forensischen Exkurse, die hier und da eingestreut werden. Das Ende war wieder einmal phantastisch durchgezogen und komponiert - und auf der Widerlich-Skala hat es volle zehn Punkte - und grade die Figur des Mörders ist wahnsinnig interessant, bleibt aber auch irgendwie blass, selbst in seinen kursiv gedruckten Einschüben. Dafür hätte man Hunters Selbstzweifel ein kleines bisschen zusammenkürzen können, allmählich hat man als Leser das Gefühl, dass der Mann gar nicht mehr glücklich werden will... Nichtsdestotrotz ein spannedes Buch, das ich jedem empfehle ;-)

Tim Moore - Zwei Esel auf dem Jakobsweg

Tim Moore ist Reisejournalist. Dementsprechend geht er die Reise, die er in seinem Buch beschreibt auch an. Tim Moore geht auf Pilgerreise auf den Jakobsweg. Als überzeugter Agnostiker ist ihm der religiöse Anspruch dabei egal, wichtiger ist es, eine Möglichkeit zu finden, die Strecke durchzuhalten. Und so kommt er auf die Idee, die Pilgerfahrt so anzutreten, wie es viele hundert Jahre zuvor auch gemacht wurde: Tim besorgt sich einen Esel, der das Gepäck trägt, während er nebenher läuft. Bevor er sein Grauohr in Frankreich in Empfang nimmt, landet er erstmal in einem englischen Esel-Seminar und stellt fest, dass er alles ist, nur nicht der Bauernhof-Typ, und die Idee, 800 Kilometer mit einem Esel zurückzulegen, vielleicht doch nicht das Wahre ist, wenn man Angst vor Tieren hat, die größer als eine durchschnittliche Hauskatze sind. Aber er wagt es doch, fährt nach Frankreich und von da aus, einen misstrauischen Esel und einen Pilgerführer aus dem 12.Jahrhundert im Gepäck, nach Spanien.
Dass man nicht erwarten kann, in "Zwei Esel auf dem Jakobsweg" die Läuterung eines Agnostikers zum frommen Katholiken serviert zu bekommen, wird einem spätestens klar, wenn man zum ersten Mal liest, wie respektlos und augenzwinkernd Tim Moore die übliche Literatur zum Jakobsweg kommentiert, allen voran Shirley McLaines Bericht über ihre Pilgerfahrt (bei der die gute Frau dermaßen dehydriert und/oder high gewesen sein muss, dass sie die absurdesten Halluzinationen und Vorstellungen entwickelte - und das muss angehalten haben, bis ihr Bericht in Druck gegangen ist). Seine erste und wichtigste Quelle ist ein Pilgerhandbuch aus dem Mittelalter, das in seinen Aussagen sehr kategorisch ist: "Pilger, bleib am besten zu Hause! Oder stirb auf der Fahrt einen schmerzhaften Tod, dann kommst du wenigstens direkt in den Himmel." Wenn das nicht gute Aussichten sind ;-) Dennoch macht auch Tim auf dem Weg eine langsame Veränderung durch, selbst wenn er sie nicht selbst beschreibt - aber sie wird klar für den Leser - am Ende wird Shinto nicht nur der weitgereisteste Esel der Herde sein, er wird eine Art Familienmitglied der Moores, auch wenn er weiterhin in Frankreich lebt. Und vielleicht ist es auch das, was man auf dem Weg nach Santiago finden kann - neue Personen, die das Leben auf irgendeine Art bereichern. Insgesamt ein nettes Buch mit gelegentlich sehr witzigen Episoden, aber man muss es nicht gelesen haben.

Annemarie Selinko - Desirée

Die entzückende Dame zur Rechten hört auf den Namen Eugenie Bernardine Desirée Clary. Bei der Lektüre, die mich dann doch einige Zeit im letzten Jahr gekostet hat, habe ich mich mehr, als mir lieb ist, mit dieser Dame beschäftigt, von der ich bisher nicht einmal wusste, dass sie existierte. Denn glesen habe ich "Desirée" von Annemarie Selinko, einen 1957 veröffentlichten mehr oder wneiger biographischen Roman.

Desirée Clary wurde in Marseille geboren, war die Tochter eines Seidenhändlers und verlobte sich mit 15 Jahren mit einem jungen aufstrebenden General, der in der jungen französischen Republik ideale ausgangsmöglichkeiten für seine Karriere sah. Den Namen dieses Hoffnungsträgers kennt man noch heute, denn es handelt sich um niemand anderen als Napoleon. Desirées Schwester Julie heiratete seinen Bruder Joseph, wodurch sie später, dank Napoleons Thronverschiebungen in Europa, zur Königin von Spanien werden sollte. Die Verlobung mit Napoleon wurde jedoch gelöst, kaum dass der Hoffnungstäger in Paris die Bekanntschaft einer Dame gemacht hatte, die ihm nicht nur hoffnungslos den Kopf verdrehte, sondern ihm auch einflussreiche bekanntschaften vermittelte: Josephine. Desirée wendete sich einem anderen Mann zu, dessen politishce Karriere wie ein kompletter Gegenentwurf zu Napoleon wirkt: dem Marschall Jean-.Baptiste Bernadotte. Diesem wurde vom schwedischen Reichstag letztendlich die schwedische Krone angeboten, so dass Desirée die Stammmutter des bis heute in Schweden herrschenden Königshauses ist. Alles in allem also wirklich eine Frau, die es geschafft hat, von einem erfolgreichen Verlobten zum noch erfolgreicheren ehemann zu wechseln und deren Einfluss bis heute spürbar ist - denn nicht zuletzt dieser bürgerlichen Seidenhändlertochter ist es zu verdanken, dass die nordeuropäischen Königshäuser als sehr bodenständig und gut-bürgerlich gelten ;-)
Annemarie Selinko schrieb ihren Roman in den Fünfziger Jahren, und so interessant der Stoff ist, das merkt man jeder einzelnen Seite an - kein Wunder, dass ich zwei Wochen daran gelesen habe. Es ist streckenweise furchtbar altbacken, kein Stäubchen trübt Desirées weiße Weste - schade, dabei habe ich inzwischen, wikipedia sei Dank, gelesen, dass es da so einige wunderschöne Episoden gegeben hätte - und die Figuren sind streckenweise extrem aus der Klischeekiste geholt. Grade die restlichen Figuren neben der Heldin und Napoleon bleiben wahnsinnig blass, streckenweise ist es eher ein Name-Dropping (ach, da war doch noch dieser französische Revolutionär, na, dann lassen wir den auch noch einen Satz sagen...) und Julie Clary tut mir gradezu Leid, so naiv und dämlich wird sie dargestellt. Auch Bernadott ist irgendwie sehr blass, dabei wäre es natürlich interessant gewesen, bedenkt man, dass die bernadottes immer noch die schwedische Königsfamilie stellen. Andererseits, das Buch war einfach sehr nett zu lesen, einfach nett und ohne großen Aufklärungsanspruch, und wenn man einfach mal was Nettes zum Schmökern will, dabei aber Zeit hat, dann ist man mit "Desirée" sicher bestens bedient.

Camilla Läckberg - Die Totgesagten

Ich habe ja schon einiger Bücher von Camilla Läckberg gelesen und fand sie wirklich gut, deshalb habe ich mir auch am Mittwoch die Taschenbuchausgabe des dritten Bandes aus Fjällbacka, der beschaulichen Kleinstadt in Schweden, geholt. Auch hier spielt wieder das Kommissariat rund um Chef Mellberg und Kommissar Patrik Hedström nebst baldiger Gattin Erica die Hauptrolle, die in Tanum mit einem Serienmörder konfrontiert werden...

Um es kurz zu machen: ich war diesmal wirklich enttäuscht. Das liegt vor allem daran, dass die Autorin in 412 Seiten schonmal folgende Handlungsstränge unterbringen muss:
1) Ericas Schwester Anna und ihre Depressionen.
2) Die Hochzeitsvorbereitungen von Patrik und Erica.
3) Chef Mellberg auf Freiersfüßen.
4) Die neue Kommissarin Hanna und ihr Ehemann.
5) Das Team der Reality-Serie "Raus aus Tanum", die derzeit gedreht wird.
6) Ach ja, und die eigentliche Krimihandlung.

Genau das ist das Problem. Das Buch krankt daran, dass viel zu viel drin ist. Denn als ob diese sechs Handlungsstränge nicht schon reichen würden, um vom Krimi ein kleines bisschen abzulenken, erwähnt Läckberg einfach noch diverse andere Kleinigkeiten, die aber für den Fall selbst keinen wirklichen Mehrwert bringen. Z.B. die angedeutete homosexuelle Beziehung in der Reality-Show - bringt nichts, ist eigentlich zu undeutlich, um wirklich interessant zu sein, hat eher was von "So, jetzt bringen wir das auch noch". Oder die ganze Story rund um den Bürgermeister und seine Frau, bei der ich bis jetzt nach ihrem Sinn suche. Und irgendwo dazwischen kommt halt dann doch mal der Krimi in Gang. Zuerst wird die Leiche einer augenscheinlich bei einer Alkoholfahrt umgekommenen Ladenbesitzerin als Mordopfer identifiziert, danach kommt eine der Show-Teilnehmerinnen ums Leben, und urplötzlich sind wir beim Serienmörder. Wie wir genau da hingekommen sind? Weiß ich wirklich nicht - da wurde halt urplötzlich was gefunden... Ach ja, das hat beim Lesen auch irgendwann genervt: Camilla Läckberg ist eine alte Geheimniskrämerin. Sie zaubert irgendwelche neuen Erkenntnisse aus der Tasche, hält die aber - vermutlich um Spannung zu erzeugen - erstmal noch zurück. Das Ganze liest sich dann ungefährt so: "Martin leerte die Tasche aus. "Da ist noch was." Gemeinsam starrten er und Patrik auf ihren Fund. Das war in der Tat der entscheidende Fakt, der die beiden Fälle miteinander verband." Äh, ja. Und WAS GENAU habt ihr da jetzt gefunden, Jungs? Das erfährt der Leser erst gut 100 Seiten später. Es handelt sich übringes um herausgerissene Buchseiten, die der Täter bei seinen Opfern hinterlässt. Und sowas passiert ständig - es ist nervig. Ich würde als Leser gerne gemeinsam mit den Kommissaren ermitteln, statt im Dunkeln stehengelassen zu werden.

Obwohl, ermitteln musste ich gar nicht. Denn mir war auf Seite 50 klar, wer der Mörder sein wird - die Autorin verrät einfach zu viel durch ihre eignene Handlungsstränge, was blöd ist. Denn die Idee des Krimis ist wirklich gut. Und er hätte so verdammt spannend werden können, wie ihre anderen Bücher - aber stattdessen werden unnötige Details aufgebauscht, wichtiges unerwähnt gelassen bis es aus dem Hut gezogen werden kann, und eine neue Handlng nach der anderen auch noch mit riengenommen. Ach ja: ich habe mit Mellberg mehr mitgelitten als mit allen anderen, denn auch hier war der Plot sehr vorhersehbar und genau das hat mir für den alten Mann wirklich, wirklich, wirklich Leid getan.

Comics? Aber sicher doch

In meinem letzten Semester an der Uni nahm ich an einer Übuung in Geschichte teil, die sich "Geschichte in den Medien" nannte. Zwar weiß ich nicht so ganz genau, was unseren Dozenten dazu qualifizierte - nicht nur, dass er eigentlich als Spanischlehrer arbeitete und mit seinem Akzent schwer verständlich war, darüber hinaus schien er auch keine Ahnung zu haben, was ihn einerseits offen für jedes Thema machte, Diskussionen aber auch einfach nicht in Gang kommen ließ. Alles in allem nicht unebdingt die Sternstunde der Seminare, was auch zu einem gtuen Teil an meinen Kommilitonen lag. Die hatten erstens nicht den blassen Schimmer von Geschichte - durch die Bank weg Medienwissenschaftler - was es etwas kompliziert machte, über geschichtliche Ereignisse zu sprechen, wenn sie noch nichtmal wissen, von welcher Zeit wir hier sprechen... Und zweitens hatten sie auch irgendwie Null Interesse daran, sich mal mit dem Thema näher zu befassen - sorry, aber wie will ich ein Referat halten über Computerspiele mit geschichtlichem Inhalt, wenn ich selbst kein einziges dieser Spiele kenne (Original-Zitat einer der Trullas: "Also, ich spiele ja keine Computerspiele, das ist nur etwas für Leute, die mit ihrer Freizeit nichts anzufangen wissen." Und wieso, verdammter Lurch hältst du dieses Referat????) Eben deshalb hatte ich mir ein ziemlich seltsames Referatsthema gesucht, das mich vermutlich als ernstzunehmenden Gesprächspartner für alle Ewigkeiten disqualifizieren wird: Comics.

Nein, es wird nicht um Asterix und die Abrafaxe gehen (obwohl das auch ein gutes Thema wäre...), sondern um den Bereich der Graphic Novels. Um genau zu sein, ich werde zwei Comics genauer vorstellen, die die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts aufarbeiten, und deren Zeichner das deshalb getan haben, weil sie den Stil von Comics dafür sehr passend fanden. Zunächst wird es um den Klassiker gehen:
"Maus" von Art Spiegelman.
Art Spiegelmans Eltern haben Auschwitz überlebt. Nachdem seine Mutter Ende der 1960er Selbstmord begangen hat, wurde es für ihn zum ersten Mal zu einem wichtigen Thema, herauszufinden, was seine Eltern erlebten. Deshalb ließ er sich von seinem Vater die "Geschichte eines Überlebenden" - wie der Untertitel von "Maus" lautet - erzählen, eine Geschichte die ihn bald so sehr belastete, dass er begann, sich mit ihr auseinanderzusetzen, indem er das tat, was ein Comic-Zeichner eben tut: er malte. Allerdings schaffte er es einfach nicht, das Grauen von Auschwitz in Bilder zu fassen, es kam ihm nicht real vor, immer nur wie ein Abklatsch, der seinen Eltern nciht geracht werden konnte. Und so begann er, diese Erinnerungen auf eine absrakte Ebene zu setzen, indem er es in eine Fabel umwandelte. Statt realer Menschen erzählen Tiere die Geschichte, Mäuse als Juden, Katzen als Nazis. Und mit einem Mal funktioniert es: mit einem Mal erfassen einen die Bilder gerade durch ihre Distanz sehr viel stärker als alles andere, was man an Bildern kennt. Grade auch dadurch, dass er dazwischen immer wieder den Entstehungsprozess selbst thematisiert, indem er sich und seinen Vater im Gespräch zeigt, seinen Vater zeigt, wie er heute lebt - als ein geiziger, verbitterter Mann, der jedem misstraut, den er nicht kennt und einordnen kann. "Maus" ist nicht einfach nur ein Comic, sondern die Möglichkeit, das, für das es keine Worte gibt, darzustellen - durch Bilder. Die Mittel eines Comics sind in erster Linie visuell, in die Sprechblasen passt nicht viel Text rein, und genau dadurch konzentriert man sich. Wenn Adorno sagt, dass es unmöglich ist, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, weil alle Wörter missbraucht wurden und kein einziges es schafft, Auschwitz darzustellen, dann sind Bilder vielleicht genau das, was einer nachfolgenden Generation ein Nachvollziehen ermöglichen kann - und Art Spiegelmann hat das fulminant umgesetzt.Inzwischen träume ich davon, mit der richtigen Klasse in Geschichte zumindest mal im Ansatz "Maus" zu lesen. Oder vielleicht mit meiner 9.Klasse dieses Jahr schon in Deutsch?

Der zweite Comic ist dagegen eher weniger bekannt und geht in eine ganz andere Richtung. Es handelt sich um "Barfuß durch Hiroshima" von Keiji Nakazawa. Nakazawa wurde in Hiroshima geboren und erlebte mit sieben Jahren den Abwurf der Atombombe. Seine zwei Geschwister und sein Vater kamen dabei ums Leben, seine Mutter erlitt eine Frühgeburt - auch dieses Kind starb innerhalb von vier Monaten - und starb letztendlich an Krebs, Nakazawa leidet seitdem ebenfalls an den Spätfolgen. Nach dem Tod seiner Mutter begann er, seine Erinnerungen zu veröffentlichen, auf eben die Weise, die Spiegelmann kurze Zeit später beschritt: er zeichnete. Art Spiegelmann sagt, dass ihn nicht zuletzt "Barfuß durch Hiroshima" dazu isnpiriert hat, "Maus" zu zeichnen, oder ihn zumindest bestätigte, auf dem richtigen Weg zu sein. Nakazawa ist ganz anders als Spiegelmann - um ihn zu verstehen, muss man sich erstmal intensiv mit Manga beschäftigt haben, einfach dehsalb, weil diese japanischen Comics eine ganz eigene Erzählsprache haben, sehr viel symbollastiger sind als Graphic Novels beispielsweise, und auch, weil japanische Lesegewohnheiten völlig anders sind. Die permanente Gewalt, die hier ständig herrscht, ist wirklich diesem Lesertum geschuldet, das reelle Dinge und Wunschträume etc. in einem Panel durchaus vermischen kann (etwa, wenn Gen Erwachsene angreift und verletzt - das ist kein reales Geschehen, sondern der Wunsch eines Siebenjährigen, dieser Ungerechtigkeit etwas entgegenzusetzen).
Genau das macht den Vergleich auch so spannend, die Frage, wie Erinnerungen dargestellt werden, welche Bildsprache verwendet werden, das alles führt zum Titel dieses Beitrags und zu meinem Geständnis: ich liebe gut gemachte Comics. Nicht nur historische, sondern alle. Weil ein Comic teilweise schweiriger zu knacken ist als Goethe - und ich durchaus mal Herausforderungen beim Lesen mag ;-)

Montag, 28. Januar 2013

52 Wochen, 52 Buchfragen - Woche 5

So, und weiter geht es :-)

 

Eine Serie die du gerne (weiter) lesen möchtest?


Oh, das ist einfach. Ich fiebere schon seit ich weiß nicht mehr darauf, dass es endlich eine Forsetzung der Lincoln-Rhyme-Serie von Jeffery Deaver gibt. Ich bin ein absoluter Fan davon, grade weil die Figuren sehr realitätsgetreu sind, obwohl sie genau die Klischees erfüllen, die man in einem Krimi erwartet. Mit der Verfilumg "Der Knochenjäger" haben die Bücher eigentlich nichts gemeinsam (absurderweise scheint es vielen so zu gehen, dass sie dank der Verfilmung Lincoln automatisch als Schwarzen vor Augen haben, obwohl er in den Büchern weiß ist), die einzige Figur, die ich da wirklich gut und passend besetzt fand war Detective Lon Selitto :-) Ich hoffe auf eine Fortsetzung, der letzte Band entdete mit einem ziemlich guten Cliffhanger und ich bange, wie es jetzt weitergeht. Am 4.Juni ist es so weit, "The Kill Room" wird in den USA veröffentlicht, ich hoffe, dann Weihnachten das Buch als Geschenk unterm Tannenbaum finden zu können :-)

Samstag, 26. Januar 2013

Eric-Emmanuel Schmidt - Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Manchmal klaut Moses, der in Paris lebt, Konserven im Laden von Monsieur Ibrahim und glaubt, dass dieser nichts merkt. Doch der hat den jüdischen Jungen schon längst durchschaut. Denn Monsieur Ibrahim, der für alle nur "der Araber an der Ecke" ist, sieht mehr als andere. Er ist ein verschmitzter Weiser, der viele Geheimnisse kennt - auch die des Glücks und des Lächelns.
Ehrlich, ich habe selten so ein unnötiges Buch in den Händen gehabt. Denn was will mir die Geschichte eigentlich sagen? Eine Einführung in den Sufismus? Die verplätschert irgendwo zwischen den Seiten. Eine philosophische Abhandlung über das Leben? Wäre schön, wenn dann das Leben darin ein klein wenig lebensechter gestaltet wäre... Eine Geschichte übers Erwachsen-Werden? Tja, wäre ebenfalls schön, wenn sich der Autor nicht diesen Prozess irgendwo sparen würde und es schafft, in 100 Seiten absolut nichts zu sagen.
Also, er reiht schon Wort um Wort aneinander, aber das Ganze hat denselben Effekt, wie die bekannten Affen, die man auf eine Schreibmaschine einhauen lässt: klar kann dabei auch "Hamlet" rauskommen, aber die Chance, dass einfach nur irgendwelche zufälligen Wörter auftauchen, ist noch größer. Und genauso wirkt "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" auf mich: beliebig und autauschbar. Es ist für mich völlig belanglos, was passiert und was gesagt wird, diese Worte erreichen mich einfach nicht. Sie werden einfach nur gesagt, damit sie gesagt werden, und das Ganze nennt sich dann "philosophisches Buch" oder, noch schlimmer, "herzerwärmend". Ein Adjektiv, das ich in Zusammenhang mit Büchern sehr oft eher zum Davonlaufen finde. Wenn diese Sparflamme mein Herz wirklich erwärmen soll, dann hätten es noch 400 Seiten mehr sein müssen - aber die hätte ich vermutlich nicht gelesen.