Samstag, 26. September 2015

[Rezensionsexemplar] Nickolas Butler - Shotgun Lovesongs

"Shotgun Lovesongs" war der Titel, den Lee seinem ersten Album gab. Dem Album, das ihn über Nacht berühmt machte und raus aus Wisconsin auf die Konzertbühnen der Welt brachte. Und dennoch hat ihn die Kleinstadt, in der er aufgewachsen ist, nie losgelassen, dennoch kommt er immer wieder zurück auf seine Farm und zu seinen Freunden. Zu Henry, der mit seiner Jugendliebe Beth verheiratet ist und mehr schlecht als recht als Farmer über die Runden kommt. Zu Kip, dem erfolgreichen Börsenmakler, der mit seiner Verlobten Felicia gerne den Statdpatron gibt. Und zu Ronny, dem ehemaligen Rodeoreiter, der nach einem Unfall im Vollsuff immer ein bisschen hintendran hängt und der dennoch für Lee die Bezugsfigur Nummer 1 ist. Doch ein Jahr, ein Geständnis, zwei Hochzeiten, eine Schwangerschaft und der Diebstahl eines Glases eingelegter Eier sorgen dafür, dass am Ende dieses Buches die Karten der Freunde neu gemischt sind ...

Ich hatte mir das Buch wirklich nur als Rezensionsexemplar ausgesucht, weil mir das Titelbild und der Titel so gut gefallen haben. Ich hatte weder Ahnung, was mich erwartet, noch mir große Gedanken darum gemacht. Vielleicht bin ich deshalb dem Buch so verfallen und konnte es in kürzester Zeit lesen. Es ist melancholisch und rührend, dabei aber nie kitschig oder zu sehr wie Nicholas Sparks Romane. Stattdessen erinnert es mich ganz extrem an meinen Freund, der jetzt Station in Wisconsin macht - rauh, manchmal ein wenig ruppig, andererseits extrem loyal und immer bereit, da zu sein, wenn man ihn braucht. Dieser Menschenschlag trägt das Buch, das aus allen Perspektiven erzählt wird. Jede der Figuren kommt zu Wort und wird charakterisiert, jede enthält ihre Ecken und Kanten und wird in ihren Handlungen verständlich - und das ist große Kunst grade bei einer Figur wie Kip ;-)

Zusätzlich zur ausgefeilten Geschichte kommt dann eine Sprache, die ich bezaubernd finde. Nicht bezaubernd im Sinne eines Wortrausches und herrlicher Metaphern, sondern eine gerade, direkte, manchmal vielleicht sehr stoische Sprache, in der Sätze, die Gefühle thematisieren, einerseits wie Fremdkörper wirken und andererseits so genau zu den Charakteren passen, dass man sie geradezu hören kann. Nach 432 Seiten bin ich aufgetaucht aus einem manchmal sehr einsamen Wisconsin, in dem es wichtig ist, Leute um sich zu haben, auf die man sich verlassen kann. Und mehr kann man von einem guten Roman doch gar nicht erwarten ... :-)

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