Samstag, 5. September 2015

[Buchgedanken] Stefanie Kasper - Das Haus der dunklen Träume

Frisch getrennt von ihrem Freund stolpert die Journalistin Annika über eine Immobilienanzeige. Der alte Pfarrhof in ihrem Heimatdorf ist zu verkaufen, zwar stark renovierungsbedürftig, aber das Gebäude hatte immer schon eine starke Anziehungskraft auf sie. Kurzerhand kauft sie das Haus, doch schon sehr bald beginnen merkwürdige Träume, in denen sie das Leben der Magd Maria verfolgt, die in den 1750er Jahren in diesem Haus lebte. Als dann auch noch wie aus dem Nichts der Student Victor bei ihr auftaucht und ihr anbietet, bei der Renovierung zu helfen, ahnt sie nicht, dass sie damit eine Kette von Ereignissen lostritt, die sie immer tiefer in die grausamen Erlebnisse Marias ziehen werden ...

Ui, da habe ich mir ja etwas als Rezensionsexemplar ausgesucht. Ich gestehe nämlich: ich habe die Inhaltsangabe gar nicht gelesen, ich fand das Titelbild so spannend. Ja, es ist har nichts besonderes, aber diese drohend dunklen Wolken und die bayerische Kirche auf dem Cover haben mich einfach nicht losgelassen. So grau und bedrückend und genau auf den Titel abgestimmt, gleichzeitig aber unten irgendwie friedlich - ich wollte das Buch einfach lesen. Also habe ich es mir zuschicken lassen und heute Vormittag auf der Couch vernichtet. Es liest sich extrem zügig und gerade die Passagen über Marias Geschichte haben ihren eigenen Reiz, da die Menschen durchgängig Dialekt sprechen. Für mich mit meinem süddeutschen Migrationshintergrund war es toll, wieder mal in die Heimat abzutauchen :-D Als sich dann auch noch herausstellte, dass ich es hier mit einem sehr handfesten Schauerroman zu tun habe, in dem Geister und Séancen einfach mit dazugehören, war ich zunächst irritiert, habe mich dann aber zurückerinnert an die wundervollen "Mystery Romane" aus dem Schneider-Verlag, denen ich als Teenager total verfallen war. War da nicht auch einer dabei mit einem alten schwedischen Pfarrhaus? Ich bin also abgetaucht in eine durchaus geradlinige Geschichte, die mit einem sehr seltenen Phänomen aufwartet, das ich dann auch erstmal dank Smartphone parallel recherchiert und nachgelesen habe - und von dem ich hier kein Wort verrate, damit ihr die allmähliche Aufdeckung nachvollziehen kann.

So ganz begeistern konnte mich das Buch aber nicht immer und das liegt eindeutig an den Figuren, die mir persönlich zu flach sind. Zwar gibt sich die Autorin redlich Mühe, sie mit verschiedenen Charakterzügen auszustatten und sie überraschend handeln zu lassen (wobei sie die meisten Überraschungen bereits verrät, so dass ich als Leser immer mehr weiß als die Personen), aber auf mich wirkt das oftmals wenig glaubwürdig. Kathi zum Beispiel und ihr gesamtes Verhalten wirkt einfach nicht so richtig nachvollziehbar, da hilft auch ein "ja mei, sie ist traumatisiert, da verhält man sich komisch" nicht weiter. Oftmals tun die Figuren weniger die Dinge, die sie als reale Personen in einer solchen Situation machen würden, sondern viel mehr die Dinge, die die Autorin braucht, damit die Handlung voranschreiten kann. Und das ging mir dann am Ende ein wenig auf den Keks, als immer öfter Personen für einen kurzen Auftritt aus dem Hut gezaubert wurden, die noch einen Hinweis oder noch eine Info geben konnten und dann wieder in der Versenkung verschwanden. Das Buch ist halt doch weniger Kinofilm als solide Fernsehproduktion, wenn ich mir den Vergleich mal erlauben darf. Aber dafür ist es echt nicht schlecht und ich habe es sehr gern gelesen :-)

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